Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1999 Heft 10 (10)

zum Aufenthalt verloren? Wer sorgt dann für die Kin¬ der, eventuell? Die Rechte der Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter Andererseits, so meinen die Befürworterinnen: Legale Prostitution braucht keine Geheimbordelle, irgendwo in entlegener Provinz, wo ein Entkommen schwierig ist, ohne Sprache und Papiere. Keine Händler, Zuhälter, Kuppler oder obskure Ehe¬ männer, die aus der Angst der Objekte ihrer Begierde Profit schlagen. Nur, trauen sich die Frau¬ en auch aufzubegehren? Die Prostitution zu entkrimina¬ lisieren ist sinnlos, sagt Ratna Kapur vom Zentrum für Die an den Gesprächen be¬ teiligten höchsten Vertreter von Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften äußerten sich fast einhellig zufrieden über die Vereinbarungen. Der deutsche Bundeskanz¬ ler Gerhard Schröder und der Chef der Metall-Gewerk¬ schaft (IG), Klaus Zwickel, sprachen von einem Durch¬ bruch. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sah einen »hoff¬ nungsvollen Neubeginn«. Als wichtigste Ergebnisse wurden die Zusage der Wirtschaft auf mehr Ausbildungsplätze, die Einbeziehung der Tarifpolitik in das Bündnis sowie die Ver¬ einbarung hervorgehoben, die Altersteilzeit durch Gesetzes¬ regelungen auch für kleine und mittlere Betriebe sowie für Teilzeitbeschäftigte attrak¬ tiver zu machen. Die beim dritten Spitzen¬ gespräch akzeptierte gemein- Feministische Rechtsfor¬ schung in Delhi, solange die Rechte der Sexarbei¬ terinnen (und Sexarbeiter) nicht bestärkt werden. Das Recht auf Freiheit etwa, sichere Arbeitsbedingungen, Bewegungsfreiheit und das Sorgerecht über die Kin¬ der. Der freie Fluß des Kapitals (»Globalisierung«) habe es mit sich gebracht, meint Jyoti Sanghera von der Allianz ge¬ gen Frauenhandel mit Sitz in Kanada, dass das Geschäft von Männern, die Arbeit von Frauen gemacht wird. In Ma- harashtra, im Süden von Indi¬ en, etwa werden die lokalen Puffs, die bislang von »Ma- dams« (»Puffmüttern«) ver¬ waltet wurden, von anony¬ men Hurenhäusern an den Autobahnen abgelöst. Die Be¬ same Erklärung des Deut¬ schen Gewerkschaftsbundes (DGB) und der Bundesverei¬ nigung der Deutschen Arbeit¬ geberverbände könne das Bündnis »zum Erfolg führen«, sagte Hundt. Er hob beson¬ ders hervor, dass Steigerungen der Produktivität künftig vor¬ rangig der Beschäftigungsför¬ derung dienen sollten. Dies sei ein wichtiges Kriterium für die angestrebte »mittel- und langfristig verlässliche Tarif¬ politik«. Der Vorsitzende des DGB, Dieter Schulte, sagte, die Ab¬ sprachen zur Tarifpolitik könnten bereits für die nächs¬ te Tarifrunde eine Rolle spie¬ len. Zum angestrebten Abbau von Uberstunden sagte er, er wäre froh, wenn wenigstens ein Teil abgebaut würde. Bei 1,8 Milliarden Überstunden im Jahr würde der Abbau von einem Viertel schon 250.000 sitzer sind männlich, mit gu¬ ten Verbindungen ins Aus¬ land. Frauenhandel und Sexhandel In vielen Ländern, auch in Indien, gilt Prostitution als Verbrechen. Das erschwert es, die Gunstgewerblerinnen vor Ubergriffen zu schützen. Das Durbar Mahila Samanvaya Komitee, ein Verband von 40.000 Sexarbeiterinnen in Westbengalien, Ostindien, hat sich an die Spitze einer Kampagne für die Anerken¬ nung der Prostitution als Ar¬ beit gestellt. »Sexarbeiterin¬ nen müssen mit mehr Rech¬ ten ausgestattet werden. Dann können wir gegen Ge¬ walt und Ausbeutung seitens jener protestieren, die den neue Jobs bringen. Bedauer¬ lich sei, dass beim Thema Rente mit 60 noch keine Eini¬ gung erzielt wurde. Bei den von der Wirtschaft im Rahmen des Bündnisses für Arbeit gemachten Lehr¬ stellenzusagen könnten nach Einschätzung des Deutschen Dies wurde aus Regie¬ rungskreisen bestätigt. Zur Begründung hieß es in Bonn, die Nettolöhne würden u. a. auf Grund der Steuerreform in den kommenden Jahren überdurchschnittlich steigen. Weiter bestätigt wurde, dass alle Arbeitnehmer in Deutschland ab dem Jahr 2003 die Pflicht haben sollen, eine private Zusatzversiche¬ rung abzuschließen. Für fünf Jahre sollten jeweils 0,5 Pro- Sexhandel kontrollieren«, sagt die Generalsekretärin des Ko¬ mitees, Mala Singh. »Die indischen Gesetze bringen weder den Frauen¬ handel unter Kontrolle noch verhindern sie, dass Tausende arme Frauen und Mädchen zwangsläufig in die Prosti¬ tution gehen. Sie bestra¬ fen einzig und allein die Sex¬ arbeiterinnen.« Die gewerk¬ schaftliche Organisation und Mobilisierung hat aber das Selbstbewusstsein der Prosti¬ tuierten gestärkt, sagt Mala Singh. Egal, wie viel der Kunde bietet, sie bestehen heute darauf, Kondome zu verwenden. Singh: »Es hat keinen Sinn, den Unterhalt für unser Leben damit zu ver¬ dienen, dass wir es aufs Spiel setzen.« GabrieleMüller Industrie- und Handelstages (DIHT) neue Berufe einen wesentlichen Beitrag leisten. Der DIHT habe Vorschläge für 14 neue Berufe gemacht mit einem Ausbildungspoten¬ zial von mindestens 14.500 Plätzen, sagte Hauptge¬ schäftsführer Franz Schoser. zent des Gehalts bis zur Bei¬ tragsbemessungsgrenze von derzeit 8500 Mark (4346 Euro/59.802 Schilling) in eine selbst zu wählende Versi¬ cherung oder andere Anlage¬ form eingezahlt werden müs¬ sen. Diese Änderungen sind den Regierungskreisen zufol¬ ge Eckpunkte der von Arbeits¬ minister Walter Riester ange¬ strebten großen Rentenre¬ form. Über sie soll aber noch diskutiert werden. Deutschland: Hoffnung auf Lohn und Brot Nach den ersten konkreten Ergebnissen zum Bündnis für Arbeit in Deutschland sind die Hoffnungen gestiegen, einen Teil der vier Millionen Arbeitslosen wieder in Lohn und Brot zu bekommen. Deutschland: Ab 2003 Pflicht zur Zusatzversicherung Die Pensionen in Deutschland sollen nach den Vorstellungen der Bonner Regierung in den kommenden zwei Jahren nicht mehr um die durchschnittliche Nettolohnerhöhung steigen, sondern nur noch um die Inflationsrate. 44 »rbdl wtrtsdmft 10/99

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.