Full text: Arbeit & Wirtschaft - 2003 Heft 01 (01)

GESUNDHEIT
und zeitliche Dauer der
Pausen ist definiert.
2. Die Geschäftsleitung,
vertreten durch ihren Perso¬
nalchef Guido Mark, hat
die Pausenvereinbarung
in Frage gestellt. Derzeit
laufen Gespräche zwischen
Geschäftsleitung und Be¬
triebsrat über die Fort¬
führung der betrieblichen
Übung, wobei die Pausen
ohne den Zwang, in dieser
Zeit rauchen zu müssen, er¬
halten bleiben sollen.
3. Der Betriebsrat ar¬
beitet an einer befriedigen¬
den Lösung für Raucher
und Nichtraucher, wobei
das „Extra-Ausstempeln"
nicht in Frage kommt.
4. Die Firma Swarovski
bietet gemeinsam mit dem
Betriebsrat für die Beschäf¬
tigten Raucherentwöh¬
nungsseminare an. Obwohl
die 6-stündigen Seminare
am Wochenende stattfin¬
den, haben schon rund 200
Arbeitnehmerinnen und Ar¬
beitnehmer teilgenommen.
5. Aus der Arbeitswis¬
senschaft ist bekannt, dass
schlechte Arbeitsbedingun¬
gen das Rauchverhalten
stark negativ beeinflussen.
Wegen schlechter Arbeits¬
bedingungen rauchen mehr
Arbeitnehmer mehr Ziga¬
retten. Ebenso haben zu¬
sätzlich eingeplante oder
individuell gehaltene
Rauchpausen keinen signi¬
fikanten negativen Einfluss
auf die Leistungsabgabe
der Raucher im Vergleich
mit Nichtraucher.
6. Was in diesem Fall
noch wichtig ist: Sind nach
REFA Vorgabezeiten er¬
mittelt und ergibt sich dar¬
aus das Leistungsentgelt,
zahlen sich die Arbeitneh¬
mer ihre zusätzlichen Pau¬
sen sowieso selbst.
Tipp: Unzufriedene
Nichtraucher können sich
an die Arbeitsinspektorate
wenden. Die Inspektoren
kommen anonym in den
Betrieb und kontrollieren die
Arbeitsbedingungen. A. H.
Defibrillatoren im Betrieb:
Ein Schock fürs Leben
15.000 Menschen sterben in Österreich jährlich an
den Folgen eines plötzlichen Herzstillstandes. 5000
könnten gerettet werden - mit einem »Defibrilla-
tor«, der einzigen Waffe im Kampf gegen den Herz¬
tod: Er versetzt dem Herzen einen starken Impuls
und bringt es so wieder zum Schlagen. Entschei¬
dend ist dabei die schnelle Verfügbarkeit.
Pro Minute sinkt die Überlebenschance um zehn
Prozent...
»Wir brauchen die Hilfe
von Unternehmen«, sagt
Andreas Enne vom Ausbil¬
dungszentrum des Wiener
Roten Kreuzes. Der junge
Mann ist in seiner Freizeit
freiwilliger Sanitäter im
Rettungsdienst. Dem plötz¬
lichen Herztod stehen seine
Kollegen und er oft hilflos
gegenüber. »Die ersten Mi¬
nuten entscheiden über Le¬
ben und Tod. Nur ein Defi-
brillator und rasche Wie¬
derbelebungsmaßnahmen
durch Ersthelfer können
das Zeitfenster über¬
brücken, bis wir kommen.
Vor allem in größeren Be¬
trieben sollte daher zur Si¬
cherheit von Mitarbeitern
und Kunden ein >Defi< an¬
geschafft werden«, appel¬
liert er an das Verantwor-
tungsbewusstsein in Unter¬
nehmen. »Es kann nichts
falsch gemacht werden. Die
Defis der neuen Generation
sind Halbautomaten und
messen selbständig die
Herztätigkeit. Ein Strom¬
stoß kann nur dann aus¬
gelöst werden, wenn es
auch wirklich medizinisch
notwendig ist. Ansonsten
blockiert das Gerät«, führt
Andreas Enne weiter aus.
Bis vor kurzem war die
Defibrillation Ärzten vor¬
behalten. Eine entsprechen¬
de Änderung im Sanitäter¬
gesetz (1999) machte es
möglich, dass auch Sanitä¬
ter den lebensrettenden
Schock abgeben dürfen.
Die Anwendung für Laien
bewegte sich im Graube¬
reich, bis in einem Schrei¬
ben des Bundesministeri¬
ums für Soziale Sicherheit
und Generationen (4. 12.
2001) die Verwendung ei¬
nes halbautomatischen De-
fibrillators als »rechtlich
zulässig und unproblema¬
tisch« qualifiziert wurde -
in exakt derselben Weise
wie die Verwendung eines
Feuerlöschers als mögliche
lebensrettende Sofortma߬
nahme.
Das Wiener Rote Kreuz
bietet im Rahmen seines
Ausbildungszentrums nicht
nur allgemeine Erste-Hilfe-
Kurse, sondern auch Erste-
Hilfe-Kurse für Ersthelfer
im Betrieb sowie Ausbil¬
dungen für Sicherheitsver¬
trauenspersonen. Seit ver¬
gangenem Herbst ist die
Laiendefibrillation fester
Bestandteil der Kursinhal¬
te. »Damit dürfte es rein
theoretisch österreichweit
keinen Erste-Hilfe-Kurs für
Betriebe ohne die Laiende¬
fibrillation geben«, sagt
Enne. Er weist damit auf ei¬
nen Passus in der Arbeits¬
stättenverordnung hin, der
eine Erste-Hilfe-Ausbil-
dung »nach den vom Roten
Kreuz ausgearbeiteten
Lehrplänen...« festlegt.
Ein halbautomatischer
Defibrillator kostet, ein¬
schließlich einer Erste-Hil-
fe-Schulung und der War¬
tung für ein Jahr, rund 2200
Euro. »In vielen Unterneh¬
men gibt es prinzipiell die
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Die ersten Minuten entscheiden
über Leben und Tod
Bereitschaft, einen Defi
anzuschaffen. Daneben
herrscht aber eine große
Unsicherheit, zum Bei¬
spiel, ob das Gerät auch
wirklich so einfach anzu¬
wenden ist und wo man ei¬
nen Defi am besten positio¬
niert. Sehr häufig wird
auch nach der gesetzlichen
Regelung gefragt«, erzählt
Enne, der gemeinsam mit
einem Kollegen auch Fir¬
menbesuche macht und das
Gerät vorstellt. Danach
wird die Entscheidung für
die Anschaffung eines De¬
fis in die Hände von verant-
wortungsbewussten Men¬
schen gelegt. Betriebsräte
und Sicherheitsfachkräfte
könnten vielleicht dazu den
Anstoß geben.
Daniela Lechleitner
Auskünfte zum Thema
»Ein Schock fürs Leben -
Defibrillatoren im
Betrieb« unter
01/795 80-6400
(Andreas Enne) oder
enne@w.redcross.or.at
26 artirti «triM-tiaft 1/2003
        

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