Full text: Arbeit & Wirtschaft - 2003 Heft 01 (01)

FRAUEN
Gewerkschaften darum, die
Fraueneinkommen an die
der Männer anzugleichen.
Höhere Frauenlöhne:
Gerechtigkeit
Monika Kemperle, Zen-
tralfrauensekretärin der Ge¬
werkschaft Metall - Textil,
ist das Durchforsten der
Kollektivverträge nach Be¬
nachteiligungen ein großes
Anliegen. »Wenn man sich
in das Thema vertieft,
kommt man auf viele Un¬
gereimtheiten drauf, die ei¬
nem gar nicht so bewusst
sind. Für Eheschließungen
gibt es zum Beispiel drei
Arbeitstage frei, bei einer
Geburt bekommt der Ehe¬
mann oder Partner nur ei¬
nen Tag frei - das ist an¬
scheinend ein Ereignis, das
den Vater vor weniger Auf¬
gaben stellt als die Mutter.
Die würde sich aber sicher
freuen, die neue Aufgabe
länger mit dem Vater zu tei¬
len«, erklärt Monika Kem¬
perle.
»Die Einkommensunter¬
schiede zu verkleinern
heißt nicht, den Männern
etwas wegzunehmen. Da¬
bei haben die Gewerkschaf¬
ten noch nie mitgespielt,
dass einer Gruppe etwas
weggenommen wird, damit
dann alle die gleichen -
schlechteren - Rechte ha¬
ben. Es geht einfach um
mehr Gerechtigkeit. Wenn
ein Chauffeur in früheren
Berufen Fahrpraxis erwor¬
ben hat, wird das angerech¬
net, bei einer Arbeiterin im
Textilgewerbe geht man
einfach davon aus, dass sie
bügeln oder nähen kann,
und das wird in der Einstu¬
fung oder Entlohnung nicht
berücksichtigt. Ist das ge¬
recht?«
GM in
Gewerkschaften
In den Interessenvertre¬
tungen der Arbeitnehme¬
rinnen und Arbeitnehmer in
Österreich ist die Diskussi¬
on über Gender Mainstrea¬
ming in unterschiedlicher
Weise fortgeschritten.
Manche Gewerkschaften
haben dazu konkrete Be¬
schlüsse gefasst, andere be¬
ginnen gerade, sich mit
dem Thema auseinander zu
setzen. Ein EU-Projekt
setzt sich seit rund einem
Jahr ausführlich mit der
Umsetzung von Gender
Mainstreaming in den In¬
teressenvertretungen der
Arbeitnehmer in Osterreich
auseinander. Unter der Lei¬
tung des Diversity Cent-
re/Salzburg sind ÖGB, AK
Wien, GMT und GPA Ko¬
operationspartner des Pro¬
jektes mit dem Titel »Die
Herausforderung von Gen¬
der Mainstreaming für die
Gewerkschaften in Europa:
Wie kann Gleichstellung
von Frauen und Männern
am Arbeitsplatz und im
Alltagsleben von den Ge¬
werkschaften gefordert
werden?« Erste Ergebnisse
wurden anhand von Inter¬
views mit Fachleuten der
Interessenvertretungen und
aus statistischem Material
gewonnen.
Erhoben wurde zum
Beispiel der Anteil der
weiblichen Mitglieder nach
Fachgewerkschaften. Hier
zeigt sich, dass dieser sich
an der geschlechtsspezifi¬
schen Teilung auf dem Ar¬
beitsmarkt orientiert. Die
meisten weiblichen Ge¬
werkschaftsmitglieder gibt
es bei HGPD, GdG, GÖD
und GPA, die wenigsten bei
Bau-Holz, Eisenbahnern,
Chemie und GMT. In den
Entscheidungsgremien des
ÖGB (Bundesvorstand,
Präsidium. Landesexekuti¬
ven und Landessekretaria¬
te) ist die Repräsentanz von
Frauen gering, obwohl es
seit 1996 einen geringfügi¬
gen Anstieg gibt. Der An¬
teil der Frauen in den Gre¬
mien der Fachgewerkschaf¬
ten ist höher als jener im
ÖGB, obwohl auch dort die
Funktionen geschlechts¬
spezifisch aufgeteilt sind:
Es gibt z. B. keine weibli¬
chen Vorsitzenden und nur
eine Zentralsekretärin.
GM in Betriebsräten
In den zehn untersuchten
Fachgewerkschaften gibt es
insgesamt 86.614 Betriebs¬
rätinnen und Betriebsräte,
33,7 Prozent Frauenanteil.
Die Frauen sind aber mehr¬
heitlich Betriebsrätinnen
und Ersatzbetriebsrätinnen
und nicht Vorsitzende der
BRs. Die Ursachen dafür
sind vielfältig. Allein die
Sitzungskultur und termin¬
lichen Vorgaben halten vie¬
le Frauen davon ab, sich als
Betriebsrätinnen zu enga-
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