Full text: Arbeit & Wirtschaft - 2003 Heft 01 (01)

gieren. Auch sind Frauen
als Betriebsrätinnen oder
Ersatzbetriebsrätinnen im
Gegensatz zu ihren Vorsit¬
zenden nicht freigestellt,
das ist eine ganz andere
Grundlage für die betriebs¬
rätliche Arbeit.
Chancen von GM
Gerade auf betrieblicher
Ebene bietet Gender Main¬
streaming viele Chancen.
Das Betriebsklima ist im¬
mer noch stark auf Werte
und Bedürfnisse der männ¬
lichen Funktionäre und
Mitglieder ausgerichtet.
Das schlägt sich auch in der
Zusammensetzung der Be¬
triebsratskörperschaften
nieder. Nicht wenige Be¬
triebsräte können davon be¬
richten, wie schwierig es
ist, Nachwuchs zu rekrutie¬
ren. Stimmt man die Be¬
triebsratsarbeit, die Sit¬
zungskultur etc. auf die
Bedürfnisse beider Ge¬
schlechter ab, werden sich
wohl auch mehr Frauen en¬
gagieren können und wol¬
len. Für den ÖGB und die
Fachgewerkschaften bietet
die konsequente Umset¬
zung von GM ebenfalls
große, neue Möglichkeiten.
Eine Organisation, die
symbolisiert, dass Männer
und Frauen in ihr die glei¬
chen Chancen und Mög¬
lichkeiten haben, wirkt mo¬
derner und einladender als
ein reiner »Männerverein«.
Eine Organisation, die
beim Verhandeln der Kol¬
lektivverträge darauf ach¬
tet, dass Männer und Frau¬
en prinzipiell die gleichen
Möglichkeiten haben, kann
das für sich auch in der
Mitgliederwerbung nützen.
Die Hemmnisse, GM in
den Interessenvertretungen
der Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer umzusetzen
- bestehende Normen, tra¬
ditionelle Strukturen, män¬
nerorientierte Spielregeln -
sind geringer als die vielen
Chancen, die sich dadurch
bieten. Nani Kauer
t
Unschlagbares Duo
für Gleichstellung
Frauenorganisation und
Gender Mainstreaming
Von Sandra Frauenberger
Die GPA bekannte sich als erste Gewerk¬
schaftsorganisation zur Umsetzung der Stra¬
tegie von Gender Mainstreaming und ist da¬
mit auch österreichweit die erste Organisati¬
on, in der das Projekt Gender Mainstreaming
bereits in diesem Ausmaß fortgeschritten ist.
Leitlinien und Instru¬
mentarium wurden von
der eigens eingerichte¬
ten Projektgruppe 2001
entwickelt. Damit steht
die Implementierung von
Gender Mainstreaming
jetzt bereits vor der kon¬
kreten Umsetzung in der
GPA.
Mit der Einführung der
Quote und dem Be-
schluss zu Gender Main¬
streaming hat es die
Frauenorganisation der
GPA geschafft, zwei
wichtige Instrumente zur
Gleichstellung von Frau¬
en in der eigenen Organi¬
sation durchzusetzen. Es
war zwar ein steiniger
Weg, doch unsere Hart¬
näckigkeit hat sich mehr
als bezahlt gemacht. Bei
unserem Bundesforum
im November 2002 konn¬
ten wir bereits einen
großen Erfolg verzeich¬
nen, die Quote (43%)
wurde in allen Gremien
sowohl im Bund als auch
in den Regionen (Präsi¬
dium, Vorstand etc.) er¬
füllt.
Gefahr der
Demontage der
Frauenorganisation
Gender Mainstrea¬
ming ist dabei jedoch nur
ein Weg, die gesell¬
schaftliche Gleichstel¬
lung von Frauen und
Männern zu erreichen.
Es kann die spezifische
Gleichstellungspolitik
und deren Mechanismen
nicht ersetzen. Es sind
zwei unterschiedliche
Strategien im Dienste ein
und derselben Zielset¬
zung. In letzter Zeit wird
immer öfter ein Vergleich
zwischen Gender Main¬
streaming und Frauen¬
förderung angestellt. Da¬
bei wird sehr gerne die
Strategie des Gender
Mainstreaming als die
moderne und die Frauen¬
förderung als veraltete,
nur auf Defiziten aufbau¬
ende Strategie darge¬
stellt.
Daher möchte ich an
dieser Stelle vor diesen
Tendenzen ausdrücklich
warnen. Die Frauenorga¬
nisation kann durch
nichts ersetzt werden
und darf keinesfalls
durch die Implementie¬
rung von Gender Main¬
streaming unterlaufen
werden. Die Frauen in
den Gewerkschaften
müssen dieser Gefahr
von Beginn an entgegen¬
wirken. Gender Main¬
streaming benötigt die
Unterstützung durch
eine aktive Frauenpolitik.
Deshalb braucht die
Frauenpolitik in den Ge¬
werkschaften auch wei-
KOMMENTAR
terhin ihre eigenen
Strukturen, ein eigenes
Budget und das Recht,
selbst zu entscheiden,
wer die Frauen in den je¬
weiligen Gremien ver¬
treten soll. Das ver¬
schafft der Frauen- und
Gleichstellungspolitik in
der Organisation den
notwendigen Tiefgang,
Einfluss und Kompe¬
tenz. Nur in der Ver¬
knüpfung der Stärken
beider Bereiche ergibt
sich eine wirkungsvolle
Strategie in der Thema¬
tisierung und Durchset¬
zung frauenpolitischer
Interessen. Die Frauen¬
struktur ist die unver¬
zichtbare treibende
Kraft für systematisches
Gender Mainstreaming.
Die Gesamt¬
organisation muss
jetzt handeln
Konkreter Hand¬
lungsbedarf zur Umset¬
zung von Gender Main¬
streaming in der GPA
liegt jetzt jedoch bei der
GesamtOrganisation.
Die Projektgruppe hat
ihre inhaltlichen Vorar¬
beiten erfolgreich abge¬
schlossen, Ziele, Metho¬
den und Instrumente
wurden entwickelt und
auf dem 1. GPA-Bun-
desforum im November
2002 beschlossen. Die
notwendigen finanziellen
Mittel wurden bereitge¬
stellt. Die Frauenorgani¬
sation hat das Projekt
Gender Mainstreaming
damit aus den Händen
gegeben. Wie rasch und
konsequent die Strate¬
gie Gender Mainstrea¬
ming in der GPA durch¬
gängig implementiert
wird, liegt damit also in
der Verantwortung der
Gesamtorganisation.
Sandra Frauenberger
(GPA-Bundes-
frauensekretärin)
1/2003 nrlx-h uirtsriuifl 2 9
        

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