Full text: Arbeit & Wirtschaft - 2003 Heft 01 (01)

icc Diskussion
BILANZSKANDALE
Die Auswirkungen dieser
Skandale sind gravierend.
Die Aktienkurse der betroffe¬
nen Unternehmen sind in den Keller
gefallen, der Aktienmarkt ist in der
Folge noch nervöser geworden als er
vorher - etwa durch den 11. Septem¬
ber - ohnedies schon war. Im Som¬
mer 2002 erreichten die Börsen
schließlich wieder den Tiefstand des
11. September 2001. Wieder einmal
ist auch deutlich geworden, wie un¬
sicher langfristige Ansparpläne
und Pensionsvorsorgesysteme auf
dem Kapitalmarkt sind. Die En¬
ron-Mitarbeiter etwa haben einen
Großteil ihrer Pensionsvorsorge auf
die Entwicklung der eigenen Aktie
aufgebaut - sie ist mittlerweile von
85 US-$ auf 25 US-Cent gefallen
und damit wertlos.
Bilanzskandale gibt's überall
Dass Bilanzskandale kein rein
amerikanisches Spezifikum sind, ha¬
ben unlängst auch Fälle in Österreich
gezeigt. Die bekanntesten sind wohl
der Riegerbank- und der Bank-Bur-
genland-Fall. Bei der Bank Burgen¬
land ist ein Schaden von 170 Millio¬
nen € durch gefälschte Bilanzen ei¬
nes Großkreditnehmers entstanden.
Auch die Pleiten von Libro, Cyber-
tron und Y-Line weisen auf einen
problematischen Umgang mit der
Publizität hin, frisch gebackene Ak¬
tionäre müssen statt erhofften Kurs¬
gewinnen einen Totalverlust des ein¬
gesetzten Kapitals hinnehmen. In
Oberösterreich sorgte 2001 die Pleite
des Kunststoffherstellers Steiner für
Aufsehen, der mit gefälschten Bilan¬
zen seinen ausländischen Aktionär
täuschen wollte.
Ursachen
Die Ursachen dieser Skandale
sind vielfältig. Der Turbokapitalis¬
mus mit seiner überbordenden Sha-
reholder-Mentalität dürfte aber wohl
eine der Haupttriebfedern sein. Die
Unternehmenspolitik wird überwie¬
gend auf kurzfristige Werterhöhung
ausgerichtet, die Aktionäre - vor
allem Fondsmanager - setzen die
Unternehmen gehörig unter Druck.
Dazu gesellt sich oft blinder Opti¬
mismus von so manchem Aktien¬
analysten.
Gefragt sind rasche Kurssteige¬
rungen, die Manager müssen unun¬
terbrochen mit tollen Unternehmens¬
zahlen aufwarten. Konzernchefs sind
zunehmend bereit, »aggressive
Bilanzierungsmethoden« anzu¬
wenden.
Es geht schließlich auch um ihre
eigene Börse. Immer mehr Firmen
bezahlen ihre Führungskräfte mit
Optionen, deren Wert von der Ent¬
wicklung des Aktienkurses abhängt.
Allein im vergangenen Jahr ließen
sich 140 Unternehmen in der BRD
Optionsprogramme genehmigen.
In Österreich ist die Situation
nicht viel anders. Wer den Kurs zur
rechten Zeit nach oben treibt, kas¬
siert kräftig. Angeregt werden die
Kursphantasien oft durch wenig
überlegte Wachstumsstrategien in
Form von MegaÜbernahmen und
Umstrukturierungen, die meist mit
einem hohen Anteil von Fremdkapi¬
tal finanziert werden. Kleine Kon¬
junkturdellen können dann das ra¬
sche Ende dieses Traumes bewirken.
So geschehen etwa in der New Eco-
nomy im vergangenen Jahr.
Der österreichische Cor¬
porate Governance Kodex
Die wichtigsten Inhalte
im Auszug:
• Unterlagen für die mindestens
quartalsweise Aufsichtsratssitzun¬
gen sind im Regelfall eine Woche
vor der jeweiligen Sitzung zur Ver¬
fügung zu stellen.
• Die Compliance-Verordnung
soll im gesamten Unternehmen um¬
gesetzt werden.
• Offenlegung von Aktienbestän¬
den (der eigenen Gesellschaft) des
Vorstandes und Aufsichtsrates.
• Veröffentlichung der Struktur der
Vergütungen des Vorstandes im
Geschäftsbericht.
• Empfehlung, mehr als 4 Auf¬
sichtsratssitzungen im Jahr abzu¬
halten.
• Einrichtung eines Audit Commit-
tees sowie eines Strategieaus¬
schusses im Aufsichtsrat.
• Klarstellung, dass Betriebsräte
und Kapitalvertreter im Aufsichtsrat
gleichberechtigt sind.
• Empfehlungen über die Zusam¬
mensetzung und Qualifikation der
AR-Mitglieder.
• Empfehlungen über Rech¬
nungslegungsstandards.
• Betonung der Unabhängigkeit
der Wirtschaftsprüfer.
Mangelnde Sorgfalt
bei den Prüfern
Aber auch die prüfenden Organe -
insbesondere die Wirtschaftsprüfer
und Aufsichtsräte - kommen bei die¬
sen Skandalen wieder einmal nicht
gut weg. Ihnen wird vorgeworfen,
1/2003 »rbotl wirtschalt 31
        

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