Full text: Arbeit & Wirtschaft - 2003 Heft 01 (01)

INTERNATIONALES Die Firmen sparen Zwei Drittel aller Unfäl¬ le auf den Baustellen haben jedoch weder mit mangeln¬ der Ausrüstung noch mit Alkohol, sondern mit nicht vorhandenen Schutzvor¬ richtungen zu tun, da, so Experten der »Arbeitsauf¬ sicht«, viele Baufirmen dem enormen Kosten- und Konkurrenzdruck nur durch, wenn auch unerlaub¬ te, »Sparmaßnahmen« aus¬ weichen können. Das müs¬ sen oft die Arbeiter mit ih¬ rer Gesundheit und manch¬ mal auch mit ihrem Leben bezahlen. Ungarische Baufirmen kaufen, vor allem in Öster¬ reich und in Deutschland, ausrangierte Baumaschi¬ nen für einen Spottpreis auf, die dann im Land kurz »auffrisiert« und schnell zum Einsatz gebracht wer¬ den. Dass auch diese kaum noch gewarteten Maschi¬ nen Unfälle verursachen, muss wohl nicht besonders betont werden. Bereits vor zwei Jahren erklärte Abteilungsleiter Haragos in einem Gespräch mit der Budapester Tages¬ zeitung »Nepszabadsäg«, dass diese »veralteten Westmaschinen den stren¬ gen Schutzbestimmungen 2— - !c i'2 E aE in ihren Heimatländern längst nicht mehr entspre¬ chen. Bei uns gibt es jedoch keine eindeutigen Bestim¬ mungen, wie lange diese Maschinen und Baufahr¬ zeuge eingesetzt werden dürfen. Wir wissen nicht einmal, wie viele Jahre man diese Maschinen überhaupt benützen kann«. Neben den veralteten Maschinen, Bau- und ande¬ ren Fahrzeugen fehlen in Ungarn nicht selten auch gut ausgebildete Fachkräf¬ te. Da »die Arbeitskraft im¬ mer noch relativ billig ist, stellen manche Firmen nicht genügend ausgebilde¬ te Arbeitskräfte ein, die Unfälle verursachen«, so Frau 1. Gäspär von der Bu¬ dapester »Arbeitsaufsicht«. Nicht nur in der Bau¬ wirtschaft steigt die Zahl der Arbeits- und Berufsun¬ fälle, sondern auch im Gastgewerbe bzw. in der Fremdenverkehrswirt- schaft. Hier wiederum, so Meldungen der »Arbeits¬ aufsicht«, führt der Einsatz von nicht sach- und fach¬ gemäß ausgebildeten Ar¬ beitskräften — vor allem Studenten in den Semester¬ ferien - zu Unfällen, da diese Hilfskräfte weder über eingehende Fach¬ kenntnisse noch über eine entsprechende Schutzbe¬ kleidung, wie z. B. rutsch¬ feste Gummistiefel, verfü¬ gen. Keine Gefahrenzulage für Feuerwehr Arbeitsplatz- und ar¬ beitsrechtliche Probleme und Schwierigkeiten hat in Ungarn auch die Berufs¬ feuerwehr. So beklagte - allerdings noch zur Zeit der abgewählten konservativen Orbän-Regierung - Imre Galos von der Unabhängi¬ gen Gewerkschaft der Be¬ rufsfeuerwehr den politi¬ schen Druck des Innenmi¬ nisteriums gegen die Pro¬ testveranstaltungen ihrer Mitglieder. So manche pro¬ testierenden Feuerwehrleu¬ te wurden nämlich überre¬ det, Kündigungsschreiben zu unterzeichnen. Das Ziel eines 72-stündigen Streiks war die Rücknahme der da¬ mals geplanten Streichung der Gefahrenzulage. Wunder kann auch die neue sozial-liberale Regie¬ rung in Ungarn nicht wir¬ ken. Deshalb beschlossen Ende September die Inter¬ essenvertretungen, »nur« einen 3%igen Lohnzu¬ wachs zu empfehlen. Da die offizielle Inflationsrate rund 5 Prozent beträgt, ha¬ ben sich die Gewerkschaf¬ ten mit diesem »mageren« Lohn- und Gehaltszuwachs nicht einverstanden erklärt. Da Finanzminister Läslö Csaba gleichzeitig eine Steuerreform versprach, wurde trotz des geringen Zuwachses eine Real¬ lohnerhöhung in Aussicht gestellt. Die Sozialpartner treffen sich in Ungarn im so ge¬ nannten »Interessenaus¬ gleichsrat«, der - als regie¬ rungsnahe Institution — die Vorschläge des Finanzmi¬ nisters den Sozialpartnern unterbreitet. Einzelne Gewerkschaf¬ ten, vor allem aus der Bau-, Fremdenverkehrs- und Landwirtschaft, wollen Si- cherheits- und Unfallver¬ hütungsfragen auch im »In¬ teressenausgleichsrat« zur Sprache bringen; die Ver¬ treter der Wirtschaft lehnen dieses Ansinnen jedoch ab. Noch. Peter Stiegnitz, Budapest iSH« OTi(? KLEiMKiJ)! MMN At\ HomG.. Ay fiCTEhl mtiTSplAZ... h]k PftMA!.. DATOOT ?R 5(6H! 1 ÄSWtf-1. 3'/// N! üi -? iml j-syq.iÄ-STr»ä^SWVY v -rs"- iv"Lata- -- asSfcÄSr-t ? —• - ,*=»f Ungarische Baufirmen kaufen bei uns ausrangierte Baumaschinen, frisieren diese im Land auf und - schnell eingesetzt - verursachen sie oft Unfälle 1/2003 iirbch nlrtsriuin 45

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