Full text: Arbeit & Wirtschaft - 2004 Heft 10 (10)

»Man kann nicht alles wissen« Arbeit&Wirtschaft IIB
Advocatus Diaboli (lateinisch; eigentlich »Anwalt
des Teufels«): 1. Geistlicher, der in einem Heilig-
od. Seligsprechungsprozess der katholischen
Kirche die Gründe gegen die Heilige- od. Selig¬
sprechung darlegt. 2. Jemand, der um der Sache
willen mit seinen Argumenten die Gegenseite ver¬
tritt, ohne selbst zur Gegenseite zu gehören, oder
jemand, der bewusst Gegenargumente in eine
Diskussion einbringt, um sie zu beleben.
(Seite 24)
anything goes (englisch; sprich: enissin goos):
»alles geht« (Seite 36)
Barroso, Jose Manuel: portugiesischer Politiker,
geb. 1956, Rechtswissenschafter; seit 1980 Mit¬
glied der liberal-konservativen Partido Social
Democrata (PSD); mittlerweile dreimal Parteivor¬
sitzender. Seit April 2002 ist Barroso Ministerprä¬
sident, ab 1. November 2004 nach Romano Prodi
Präsident der EU-Kommission. (Seite 13)
Bereinigte Lohnquote: Normalerweise werden bei
der Lohnquote (=Anteil der Arbeitnehmerentgelte
am Volkseinkommen) die Folgen von Verschiebun¬
gen in der Relation zwischen Selbständigen und
Arbeitnehmern nicht berücksichtigt. Bei der be¬
reinigten Lohnquote wird die Struktur zwischen
Arbeitnehmern und Selbständigen berücksichtigt.
(Seite 15)
College (englisch, sprich: kolidsch): In den USA:
Eingangsstufe in das Hochschulwesen; mit dem
Begriff Junior College werden unteranderem zwei¬
jährige Berufsfachschulen bezeichnet. Das vier¬
jährige Liberal Arts College schließt mit dem
Bachelors Degree ab. In Großbritannien: 1. höhe¬
re private Schule mit Internat; 2. einer Universität
angeschlossene Wohngemeinschaft von Studen¬
ten und Dozenten; 3. Fachhochschule. (Seite 36)
designiert: für ein Amt vorgesehen, bestimmt.
(Seite 13)
Egalitarismus: Sozialtheorie von der Gleichheit
sämtlicher Individuen in der menschlichen Gesell¬
schaft. (Seite 14)
Einkommensdispersion: Einkommensverteilung;
Streuung der Einkommen ausgehend von einem
Durchschnittswert. (Seite 14)
Empirie: aus der Erfahrung gewonnene Erkennt¬
nisse; Methode, die sich auf Erfahrung stützt, um
wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen.
(Seite 10)
Feudalismus: Auf dem Lehensrecht aufgebaute
Wirtschafts- und Gesellschaftsform, in der alle
Herrschaftsfunktionen von den aristokratischen
Grundbesitzern ausgefüllt wurden. (Seite 32)
Fischer Boel, Mariann Else:dänische Politikerin
(Liberale Partei), geb. 1943, Wirtschaftswissen-
schafterin, 2001 Ministerin für Lebensmittel,
Landwirtschaft und Fischerei. Von EU-Kommis-
sionspräsident Barroso als EU-Kommissarin für
Landwirtschaft und ländliche Entwicklung no¬
miniert. Damit überwacht Mariann Fischer Boel
gut die Hälfte des EU-Haushalts. Die dänische
Opposition protestierte gegen Boels Nominie¬
rung, da diese selbst bzw. deren Mann einen
Bauernhof besitzt und dafür EU-Fördergelder
erhält. (Seite 13)
Fiat tax: bedeutet, dass immer der gleiche Steu¬
ersatz bezahlt werden muss, egal wie hoch das
Einkommen ist. Im Gegensatz dazu steigt bei pro¬
gressiven Steuern der Steuersatz mit der Höhe des
Einkommens. (Seite 20)
Great Society: Umfassende Sozialreformen unter
US-Präsident Lyndon B. Johnson (1963-1969), die
vor allem die Armut bekämpfen sollten. Die Ideen
wurden jedoch kaum in die Tat umgesetzt, da
durch den Vietnam-Krieg auch innenpolitische
Probleme (Studentenunruhen, Dollarkrise etc.)
entstanden. (Seite 30)
Hardware: Sämtliche technisch-physikalischen
Bestandteile der elektronischen Datenverarbei¬
tung, also zum Beispiel der Computer, der Bild¬
schirm, etc., im Gegensatz zur Software (Compu¬
terprogramme und ähnlichem). (Seite 12)
High School (englisch, sprich: hai skuhl): In den
USA Bezeichnung der weiterführenden Schule, die
an die sechste KlassederGrundschuleanschließt.
Sie führt nach sechs Jahren zur Hochschulreife.
(Seite 34)
implementieren: etwas in ein bestehendes Sys¬
tem einbauen. (Seite 13)
Inflation targeting (englisch; sprich: infleeschn
tagiting): Inflationssteuerung, das bedeutet unter
anderem, dass regelmäßig Inflationsziele und
Inflationsprognosen veröffentlicht werden. In den
Ländern, die diese Strategie verfolgen, werden
hierzu regelmäßige »Inflation Reports« erstellt.
Mit der Bekanntgabe einer Inflationsprognose
wird die Transparenz der Geldpolitik erheblich
verbessert. Die Öffentlichkeit weiß dann, wie die
Notenbank die zukünftige Preisentwicklung kon¬
kret einschätzt. Durch den Vergleich der Inflati¬
onsprognose mit dem Inflationsziel kann dabei
klar abgelesen werden, ob geldpolitischer Hand¬
lungsbedarf besteht. (Seite 11)
Kundera, Milan: tschechischer Schriftsteller, ge¬
boren 1929, erhielt 1970 nach seinem Engage¬
ment im Prager Frühling Publikationsverbot, seit
1981 französischer Staatsbürger. Er setzt sich in
seinen Werken vor allem mit den Folgen totalitärer
Ideologien auf den Menschen auseinander. Werke:
»Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins«, »Ver¬
ratene Vermächtnisse« usw. (Seite 37)
Lambsdorff, Otto Graf: deutscher Manager und
FDP-Politiker, geb. 1926,1977-1984 Bundeswirt¬
schaftsminister. 1982 veröffentlichte er das so
genannte Lambsdorff-Papier, das vielfach als
politischer Todesstoß für den sozialistischen
Kanzler Helmut Schmidt bezeichnet wurde. In die¬
sem Reform-Papierstand im Prinzip nichts ande¬
res als in Schröders Agenda 2010: Berücksichti¬
gung des steigenden Rentneranteils an der Ren¬
tenformel, Zusammenführung von Arbeitslosen-
und Sozialhilfe etc. (Seite 16)
Marge (französisch; sprich: mahsch): Abstand,
Spielraum, (Handels-) Spanne (Seite 8)
New Deal (englisch, sprich: njuh dihl): eigentlich;
Neuverteilung der Karten; von der Regierung Roo-
sevelt ins Leben gerufene Agenda, mit deren Hilfe
die USA aus der Großen Depression mit 15 Millio¬
nen Arbeitslosen geführt werden sollte. Die Ma߬
nahmen waren u.a.: zahlreiche große Bauvorha¬
ben wie Staudämme etc., Reduktion der landwirt¬
schaftlichen Produktion, freiwilliger Arbeitsdienst
zur Aufforstung und Bodenverbesserung etc., au¬
ßerdem mehrere soziale Maßnahmen wie Verbot
der Kinderarbeit, Gewerkschafts- und Streikrecht
usw. (Seite 32)
Partikularismus: meist abwertend gemeint: das
Streben staatlicher Teilgebiete, ihre Interessen
gegenüber den allgemeinen staatlichen Interes¬
sen durchzusetzen. (Seite 33)
Pensionskorridor: Zeitspanne vor dem regulären
Pensionsantrittsalter, während der unter be¬
stimmten Voraussetzungen ein früherer Pensions¬
antritt möglich ist. (Seite 38)
Plutokratie: Geldherrschaft; Staatsform, in der
die Reichen die Macht ausüben. (Seite 34)
Qualtinger, Helmut: geb. am 8.10.1928, gest. am
29.9.1986, Schauspieler, Kabarettist, satirischer
Schriftsteller. Couplets wie »Derg'schupfte Ferdl«
oder »Der Papa wird's schon richten« wurden als
Schallplattenaufnahmen ebenso zu Klassikern
des Wr. Kabaretts wie die »Travnicek«-Dialoge;
größter Erfolg war der »Herr Karl« (Seite 4)
Reaganomics: Der 1980 zum US-Präsidenten ge¬
wählte Republikaner Ronald Reagan ging punkto
Wirtschaft einen ähnlichen Weg wie Margaret
Thatcher in Großbritannien. Um die Währung zu
stabilisieren und ein Zahlungsbilanzgleichge¬
wicht zu erzielen, setzte er zahlreiche Maßnah¬
men, diezu einem spürbaren Sozialabbau führten.
(Seite 16)
Schimäre: Trugbild, Hirngespinst; nach dem Un¬
geheuer Chimära aus der griechischen Sage (Lö¬
we, Ziege und Schlange in einem). (Seite 29)
Transferleistung: Geldleistungen, die ein Emp¬
fänger ohne ökonomische Gegenleistung erhält.
Staatliche Transferausgaben können an private
Haushalte oder an Unternehmen gezahlt werden
(z. B. Subventionen, Kinderbeihilfe, Kranken-und
Arbeitslosenversicherung usw.). Im privaten Be¬
reich: Taschengeld, Hilfeleistungen unter Ver¬
wandten etc. (Seite 15)
Wallström, Margot: sozialdemokratische schwe¬
dische Politikerin, geb. 1954, ab 1999 als Mitglied
der Europäischen Kommission zuständig für Um-
weltfragen. Wallström wird in der neuen EU-Kom¬
mission als stellvertretende Vizepräsidentin das
Ressort für Institutionelle Beziehungen und Kom¬
munikationsstrategie übernehmen. (Seite 13)
Zweites soziales Netz: Damit wird im Allgemeine"
die Sozialhilfe (Jugendfürsorge, Sozialarbeiter.
Psychosozialer Dienst etc.) bezeichnet. (Seite 14)
        

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