Seite 3 der Begriff „für eine längere Zeit wahrnehmbar“ erfüllt ist. Insofern wäre das Abgehen von einem Dauerdelikt zu einem Zustandsdelikt (Einzeldelikt), wonach sich das Delikt bereits in der Schaffung eines rechtswidrigen Zustandes (hier: Belästigung) erschöpft, ratsam. Ebenso ist unklar, warum der Entwurf nach wie vor am Element „für eine größere Zahl von Menschen“ festhält. Eine größere Zahl von Menschen sind nach hA mindestens 10 Personen, wobei diese Zahl jedoch nur als Richtwert verstanden wird und „gegebenenfalls“ auch unter- schritten werden kann (vgl Murschetz in WK2 StGB § 169 Rz 13 mN; für eine Mindestzahl von 10: B/Sch/V, BT I14 § 107c Rz 5, B/Sch, BT II13 § 169 Rz 6). Gleichzeitige Wahrnehmbarkeit ist nicht erforderlich (vgl Thiele, SbgK § 107c Rz 25 ua). Eine private beleidigende Nachricht auf einer Social-Media-Plattform oder eine beleidigende Äußerung über „WhatsApp“ an nur eine bestimmte Person, erfüllt daher den Tatbestand nicht (vgl Schwaighofer in Höpfel/Ratz, WK2 StGB § 107c Rz 8). Auch die bloße Möglichkeit der Weiterverbreitung bewirkt noch keine (tatsächliche) Wahrnehmbarkeit für mindestens 10 Per- sonen (unklar B/H/T, BT I4 § 107c Rz 5). Erst wenn sich der Inhalt tatsächlich (durch Einstel- lung der Funktion Teilen) weiterverbreitet, wird die Ehrverletzung für eine größere Personen- zahl wahrnehmbar (vgl Mitgutsch, JSt 2020, 22). Allerdings ist fraglich, ob sich diesfalls auch der Vorsatz des Täters auf die Wahrnehmbarkeit für mindestens 10 Personen erstreckt hat (vgl Schwaighofer in Höpfel/Ratz, WK2 StGB § 107c Rz 9). Insofern wird angeregt vom Tatbestandselement „für eine größere Zahl von Menschen“ abzu- gehen, um die Strafbarkeit auch bei einem wahrnehmbaren Personenkreis von weniger als 10 Menschen zu erfüllen, da Ehrverletzungen in der Praxis auch in einem kleineren Personen- kreis (zB in WhatsApp-Gruppen) auftreten können und in diesem Fall (nach dem derzeitigen Gesetzesentwurf) keine Strafbarkeit vorliegt. Gleichzeitig ist darauf zu achten, dass der Tat- bestand nicht überschießend geregelt sein darf, sodass Kleinstgruppen (3-Personen-Grup- pen) davon auszunehmen sind. Dass, wie von der Lehre behauptet, bei einer so kleinen Zahl von Personen das Tatbestands- merkmal der „unzumutbaren Beeinträchtigung der Lebensführung“ nicht gegeben ist (vgl Fuchs/Reindl-Krauskopf, BT I6, 100), ist kritisch zu hinterfragen, zumal es bei der Frage der Zumutbarkeit der Beeinträchtigung der Lebensführung nicht prioritär auf die Anzahl des wahr- nehmbaren Personenkreises ankommt, sondern auf die Intensität der Belästigung bzw Ehr- verletzung. Zu Z 2 (§ 120a StGB): Strafbar gemäß § 120a StGB ist, wer die Bildaufnahme absichtlich macht. Kritisch zu hinter- fragen ist, warum der Entwurf die stärkste Vorsatzform der Absichtlichkeit (dolus directus spe- cialis) fordert, zumal nachgewiesen werden muss, dass es dem Täter darauf ankam, den Um- stand oder Erfolg (Bildaufnahme der Intimgegend) zu verwirklichen. Bei dieser Vorsatzform dominiert die Willenskomponente.