17 Volkswirtschaftliche Basis der Budgetvorschau Wirtschaftsentwicklung bis 1980 Die wirtschaftliche Entwicklung weist gegenwärtig einen außer- ordentlich hohen Unsicherheitsgrad auf. Folgende überlegungen wur- den als die plausibelsten angenommen1): Die österreichische Wirtschaft verzeichnete in den Jahren 1969 bis 1973 reale Wachstumsraten zwischen 51/'1.°/0 und 8°10 (Durch- schnitt +6"411/0 pro Jahr). Zwischen 1970 und 1973 wuchs ihre Wert- schöpfung bedeutend rascher als die der anderen westeuropäischen Länder. Auch im Vergleich zum Wachstumstrend, den man im Jahre 1970 mit 4'81110 angeben konnte, ist eine Beschleunigung eingetreten. Die Feststellung der Ursachen dieses überraschenden Wachstums- schubes sind für die Prognose entscheidend. Die Beschleunigung hängt mit der ausgeprägten Hochkonjunktur 1969/70 und 1973 in Westeuropa und fast allen anderen Industrie- ländern zusammen. Die ausländische Nachfrage induzierte in öster- reich die Produktion und die Investitionen. Erklärungen, weshalb der Aufschwung in österreich höhere Wachstumsraten erbrachte als in den Vergleichsländern, gibt es einige: 1. Die österreichische Wirtschaft kam um 1968 in den Genuß eines Kostenvorsprungs bei den Arbeitskosten besonders gegenüber den unmittelbaren Konkurrenten (BRD), der bis zuletzt (1973) bei- behalten werden konnte. Er wurde durch die Effekte der relativen Schilling-Abwertung in den Jahren 1969 und 1970 noch unter- stützt. 2. Die Verteilung der Nachfrageströme war im Aufschwung 1968 bis 1970 zeitlich günstig gestreut, so daß überhitzungserscheinun- gen nicht frühzeitig dämpfende Maßnahmen erforderlich mach- ten. 3. Das Angebot an Arbeitskräften stellte sich vor allem infolge der liberalen Zulassungspolitik gegenüber Gastarbeitern als unerwar- tet elastisch heraus. 4. Hingegen war die Kapazitätsauslastung der österreich ischen In- dustrie 1967 zwar schwach, aber die Exporterfolge der folgenden 1) Die foliJenden überlegungen beruhen auf emer Ausarbeitung des Oster- reichisehen Instltutes für Wirtschaftsforsehung.