29Effizienz – Rechtsstaatlichkeit – Transparenz im österreichischen Wettbewerbsrecht 1. Grundlagen und Entwicklungen im Wettbewerbsbereich seit 2010 Abgesehen vom Thema der Zweckwidmung der kartellgerichtlichen Geldbußen, beinhaltet das Regierungsprogramm vor allem wesentliche Eckpunkte, auf die bereits in der Beiratsstudie Nr 84 hingewiesen wurde, bzw die im Zuge der gegenständlichen Studie im Rahmen der Experten- gesprächen angesprochen werden. 1.7. Größere Transparenz für bessere Informationen und mehr Rechtssicherheit für Verbraucher und Unternehmer Transparenz vor allem im Kartellvollzug hat viele Aspekte: Einerseits besteht ein behördliches Interesse daran, sensible Informationen geheim zu halten. So dient der Schutz des Kronzeugen und der Kronzeugeninfor- mationen dem legitimen Verfolgungsinteresse des Staates; ebenso sollen Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse grundsätzlich dann geschützt werden, wenn deren Offenlegung zu einer Beeinträchtigung des Wettbewerbs führen würde („Kartellabsprache im Gerichtssaal“). Andererseits bestehen die berechtigten Interessen der Öffentlichkeit, vor allem aber geschädigter Konsumenten und Unternehmen zu erfahren, welche Wettbewerbsbe- schränkungen stattgefunden haben, um zu überprüfen, ob sie allenfalls davon betroffen sind. Ebenso wollen Unternehmen ein Höchstmaß an Rechtssicherheit darüber gewinnen, wie konkrete Sachverhalte kartell- rechtlich von Wettbewerbsbehörden gewürdigt werden. Innerhalb dieser unterschiedlichen Informationsinteressen bestehen teilweise Spannungs- verhältnisse, teilweise ergänzen sie sich dort, wo es gesellschaftlich um eine Verbesserung der Wettbewerbsgesinnung geht. Der Transparenz dienten bereits bisher einzelne Veröffentlichungspflich- ten der Wettbewerbsbehörden. Allerdings muss festgehalten werden, dass die Informationslage von öffentlicher Seite weiterhin dürftig und selektiv erfolgt. Im Folgenden stehen viele der empfohlenen Maßnahmen im Fokus von Transparenzüberlegungen und Rechtssicherheit.