46 Effizienz – Rechtsstaatlichkeit – Transparenz im österreichischen Wettbewerbsrecht 3. Materiellrechtliche Fragen 3.1. Private Enforcement (Schadenersatz) Die öffentliche Rechtsdurchsetzung des Kartell- und Wettbewerbsgesetzes durch die Wettbewerbsbehörden (Public Enforcement) sowie die private Rechtsdurchsetzung durch Geltendmachung von Schadenersatzansprüche in Folge von Wettbewerbsverstößen Geschädigter (Private Enforcement) stellen grundsätzlich zwei komplementäre Instrumente des Kartellrechts- vollzuges dar. Während allerdings die öffentliche Rechtsdurchsetzung des Kartellrechts in der Vergangenheit durch eine Vielzahl von Maßnahmen wie etwa der Kronzeugenregelung oder der Stärkung der Ermittlungsbe- fugnisse der Behörden wesentlich aufgewertet wurde und generell im Fokus der Wettbewerbspolitik – jedenfalls in Europa – stand, ist der Bereich des individuellen Kartellrechtsvollzugs im Wege von Schadenersatzklagen noch deutlich unterentwickelt. Dass die Durchsetzung des individuellen Scha- denersatzes sowohl für geschädigte Unternehmen als auch für geschädigte Konsumenten noch mit einer Reihe von Problemen behaftet ist, ist unbefrie- digend. Internationale Studien44 legen nahe, dass wettbewerbsökonomisch nicht gerechtfertigte Wettbewerbsverzerrungen – vor allem die klassische Kartellbildung –Schäden und Wohlfahrtsverluste verursachen. Die aktuell aufgedeckten Kartellfälle sowohl im horizontalen wie im vertikalen Bereich haben einige Schwachstellen des privaten Kartellrechts- vollzugs zu Tage gebracht. Dazu zählen: • unzureichende Information über den Wettbewerbsverstoß und somit große Probleme bei der Beweisführung (Nachweis Kausalität und Rechtswidrigkeitszusammenhang des konkreten Schadens bzw Schadenshöhe) im Schadenersatzprozess; • die Nichtgeltendmachung von Streuschäden aus Wettbewerbsver- stößen aus Mangel an Beweisen, der großen Zahl der potentiell Geschädigten und der geringen Höhe des individuellen Schadens. Im Rahmen des KaWeRÄG 2012 wurden den Anregungen des Beirates folgend, neue Regeln bei den Themen Verjährung, Zinsanspruch und Bindungswirkung der kartellgerichtlichen Entscheidung in § 37a KartG auf- genommen und damit für Geschädigte grundsätzlich Verbesserungen erzielt. 44 ] zB Smuda, Florian (2012), Cartel Overcharges and the Deterrent Effect of EU Competition Law, ZEW Discussion Paper No. 12-050, Mannheim; vorgestellt im Rahmen des OECD Wettbewerbskomitees