B. Entwicklung und Struktur der Finanzmärkte 1. Die längerfristige Entwicklung der Kapitalbildung und Finanzie· rung Die Gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung (GFR)l) liefert das analytische Instrumentarium für die Behandlung einer Reihe von Problemen. Im folgenden werden zwei davon, die Finanzierung der Kapitalbildung und die Struktur der Finanzmärkte, näher behandelt. In diesem Abschnitt werden zunächst die sektoralen Finanzierungs- konten im engeren Sinn ausgewiesen und die Sach- und Geldkapital- bildung und deren Finanzierungsweisen behandelt. Die Tabelle 1 zeigt, daß in der Periode 1960 bis 1983 in Österreich Kapital in der Höhe von 7.076 Mrd. S gebildet wurde. Davon entfal- len je die Hälfte auf die Brutto-Sachkapitalbildung und auf die Brutto-Geldkapitalbildung. Die Finanzierung der gesamten Kapital- bildung verteilt sich zu 49% auf die Innenfinanzierung und zu 51% auf die Außenfinanzierung2). Eine Periodenzerlegung zeigt einige bemerkenswerte Entwick- lungstendenzen auf. Der Anteil der Brutto-Sachkapitalbildung an der gesamten Kapitalbildung ist von rund 62% im Zeitraum 1960 bis 1965 auf 46% in der Periode 1978 bis 1983 zurückgegangen; noch deutlicher hat sich bei analogem Periodenvergleich der Anteil der In- nenfinanzierung abgeschwächt, nämlich von 63'6% auf 44'3%. Der Finanzierungsbeitrag der Ersparnisse aber auch jener der Abschrei- bung hat sich somit abgeschwächt. Diese Vergleichszahlen besagen, daß im Zeitraum 1960 bis 1983 die finanziellen Vermögensbildungs- transaktionen deutlich rascher gewachsen sind als die realwirtschaftli- chen und somit die Finanzierungsintensität der Sachkapitalbildung zugenommen hat. Im Durchschnitt erfordert die Realisierung einer Sachinvestition einen größer werdenden finanziellen Mechanismus (die Kreditketten werden länger!). Die Verschiebung der Transak- 1) Eine ausfuhrliche Darstellung der GFR im Rahmen der Volkswinschaftlichen Gesamtrechnung wird im Anhang dieser Studie gegeben. 2) Da in dieser Darstellungswelse Daten aus der VGR und Daten aus den finanziel- len Statistiken aufeinanderstoßen, treten statistische Differenzen auf. Weiters sei ange- merkt, daß es sich sowohl bei der Geldkapitalbildung als auch bei der Außenfinanzte- rung um die Summe der sektoralen Inlandskomponemen handelt, d. h. Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen den Sektoren wurden nicht konsolidien. 40