Strukturentwicklung der Direktkredite der Kreditunternehmen sich die Geld- und Kapitalmärkte neben dem Kreditapparat stark ent- falten konnten, in Österreich (wie in den meisten kontinentaleuropäi- schen Ländern) die Unternehmen (und Haushalte) ihre liquiden Mit- tel hauptSächlich in Form von Einlagen und nicht ausgenützten Kre- ditrahmen bei den Kreditunternehmen halten. Kredite sind das wichtigste Finanzierungsinstrument des privaten Sektors. Von 1960 bis 1977 wurden durchschnittlich etwa 88% der jährlichen Kreditausweitung von Privaten beansprucht (68% von Un- ternehmen und 20% von den Haushalten). Auf den öffentlichen Sek- tor entfielen 111/2 %, sie verteilten sich im Verhältnis 2 : 1 auf sonstige öffentliche Haushalte (Gemeinden!) und Bund. In diesem Zeitraum hat der öffentliche Sektor seinen Anteil an der Kreditaufnahme ten- denziell ausgedehnt. Innerhalb des privaten Sektors verloren die Un- ternehmen Anteile, während die Haushalte ihre Position deutlich aus- bauten. Auf der Kreditgeberseite entfielen gut drei Viertel der Kreditver- gabe zwischen 1960 und 1977 auf die Kreditunternehmen, wobei diese ihren Anteil von zwei Drittel in der ersten Teilperiode auf fast 80% in der dritten ausweiteten. Der öffentliche Sektor ist nicht nur Kreditnehmer, er ist in nicht zu vernachlässigendem Maße auch Kreditgeber. Im Durchschnitt der Gesamtperiode bestritt er immerhin gut 20% der gesamten Kreditver- gabe. Es handelt sich dabei fast zur Gänze um Wohnbaudarlehen und Wirtschaftsförderung der Länder. Der Schwerpunkt der Wirtschafts- förderung des Bundes liegt nicht auf Krediten, sondern auf den Kapi~ taltransfers an die Unternehmen. Der öffentliche Sektor übte also eine Art "Bankenfunktion « aus: er ist Kreditgeber an den privaten Sektor und refinanziert sich mit Krediten bei den Banken, zu denen Mittel aus dem privaten Sektor fließen. Damit tritt neben die indi- rekte Transformation der Kreditunternehmen noch die Transforma- tion durch den öffentlichen Sektor. Im folgenden werden nur die Direktkredite der Kreditunterneh- men, und zwar - zum Unterschied von der bisherigen Flow-Betrach- tung im Kontext der GFR - unter Bezugnahme auf die Bestände, hinsichtlich verschiedener Strukturmerkmale besprochen. Die Daten- basis reicht von Mitte 1965 bis Mitte 1984. 50