ABSCHNITr 2 c. Bestandsaufnahme In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre hat sich der Beirat aus- führlich mit den Problemen des Kapitalmarktes im weiteren Sinn be- faßt und in vier Teilstudien detaillierte Verbesserungsvorschläge prä- sentiert. Der folgende Abschnitt bietet eine übersicht darüber, ob und inwiefern diese Vorschläge in der Wirtschaftspolitik umgesetzt wor- den sind. 1. Wertpapiermarkt (Kapitalmarkt im engeren Sinne) 1.1Rentenmarkt Der Beirat vertrat die Auffassung, daß auf längere Sicht die ge- samte Begünstigung des Erwerbes festverzinslicher Wertpapiere be- seitigt werden sollte. Als Übergangslösung wurde jedoch eine zeitlich befristete Modifizierung der einschlägigen Bestimmungen vorgeschla- gen: die Gleichstellung sämtlicher Anleiheemittenten (keine Privile- gierung der öffentlichen Hand und der Elektrizitätswirtschaft); mit der Bindungsdauer zunehmende Prämie, begünstigtes Nominale S 50.000'-. Dieser Vorschlag wurde mit der Erziehung des Publi- kums zu längerfristigem Wertpapiersparen begrilndet. Bereits mit Wirkung ab 1. Jänner 1968 wurden die bis dahin gelten- den Bestimmungen geändert. Mit dem § 104 EStG 1967 wurde der Kreis der begünstigten Wertpapiere de facto auf alle inländischen festverzinslichen Wertpapiere (also einschließlich Pfandbriefe und Kommunalschuldverschreibungen) mit einer Mindestlaufzeit von 15 Jahren ausgedehnt. Die Begünstigung konnten aber nur noch Lohn- steuerpflichtige und nichtbilanzierende Unternehmen als Erstattung der Lohn- und Einkommensteuer im Ausmaß von 15% des erworbe- nen Nominales in Anspruch nehmen. Der Höchstbetrag, für den jähr- lich Wertpapiere begünstigt erworben werden konnten, wurde auf S 100.000'- erhöht. Das Einkommensteuergesetz 1972 brachte bezüglich des Wertpa- piersparens Modifikationen sowohl hinsichtlich des begünstigten Per- 93