D. Hauptprobleme Der folgende Abschnitt befaßt sich ausfuhrlicher mit den Proble- men, die trotZ einiger Ansätze seit den sechziger Jahren noch immer nicht befriedigend gelöst sind, insbesondere im Bereich der Unterneh- mensfinanzierung. Gleichzeitig sind jene Probleme zu identifizieren, die mit der seither stark gestiegenen Auslandsverflechtung der öster- reichischen Geld- und Kapitalmärkte, der stark zunehmenden öffent- lichen Verschuldung, den Disparitäten zwischen Risiko und Ertrag auf den Finanzmärkten zusammenhängen. 1. Geldversorgung und Geldpolitik Hinsichtlich der Zentralbankgeldversorgung verfolgt die Noten- bank die Strategie einer "neutralen" Auslandskomponente. Im Falle passiver Leistungsbilanzen wUrden dann Nettokapitalimporte nur in Höhe des jeweiligen Leistungsbilanzdefizits erforderlich sein. Der - bei gegebener Wechselkurspolitik durch die Erfordernisse der Zinspolitik bestimmte - Zentralbankgeldbedarf wäre durch die In- landskomponente zu decken. Diese Strategie wird angesichts einer weiter wachsenden Auslandsverschuldung - per Ende 1984 bereits rund 200 Mrd. S netto oder 15'6% des Brutto-Inlandsproduktes - auf mittlere Sicht letztlich nicht zu umgehen sein. Der Zinssatzgestal- tungsspielraum ist daher abhängig von der Bedingung aktiver Lei- stungsbilanzsalden einerseits bzw. der Unvollkommenheit der Kapi- talmobilität andererseits. Derzeit hat die selektive Geldschöpfung gemessen an der monetä- ren Basis einen Anteil von 22%; der Anteil an der Inlandskompo- nente beträgt jetzt schon deutlich über 50%. Die Offenmarktpolitik wurde in der Vergangenheit überwiegend "selektiv" betrieben, d. h. die geschöpften Mittel werden in bestimmte, der Exportförderung bzw. Investitionsfinanzierung dienende Kanäle gelenkt. Es handelt sich dabei um ein Mengenverfahren, doch verbindet die Notenbank damit nicht direkt die Vorstellung einer Kurs- bzw. Zinsbeeinflus- sung. Vielmehr sind diese Verfahren als Ersatz fUr Dauerrefinanzie- rung zu sehen, die jedoch im Gegensatz zur normalen Refinanzie- 101