4. Grenzen der Staatsverschuldung Der Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen hat in der Vergan- genheit zur Diskussion dieser Frage dadurch beigetragen, daß er in seinen mittelfristigen Budgetvorschauen regelmäßig auch einige - al- lerdings nur budgetpolitisch relevante - Indikatoren mittelfristiger Staatsverschuldung veröffentlichte (im wesentlichen: Finanzschuld in Prozent des Bruttoinlandsproduktes und des Budgetvolumens, Schul~ den- und Zinsendienst in Prozent der Budgetausgaben und des Net- toabgabenerfolges) . Die Auswahl der erwähnten Indikatoren geht Zielvorstellungen ober Verschuldungsgrenzen gemessen an den jährlichen Auswirkun~ gen auf die Budgets der öffentlichen Haushalte zurück. Letzten En- des hängt diese Sicht mit der haushaltstechnischen Überlegung zu- sammen, daß die budgetären Aufwendungen fOr Tilgung und Verzin- sung der Staatsschuld einen ständig zunehmenden Teil der Budget- einnahmen beanspruchen. Freilich läßt sich - mit Ausnahme des theoretischen Extremfalls, daß die gesamten Einnahmen fOr die Be- dienung der Staatsschuld aufgewendet werden mOssen - daraus aus volkswirtschaftlicher Sicht keine operationale Definition der Ver- schuldungsgrenzen ableiten, da die Auswirkungen defizItfinanzierter Staatsausgaben auf die Volkswirtschaft und damit auch auf die zu er- wartenden Einnahmen der öffentlichen Hand in der Regel nicht be- rücksichtigt werden. Hinweise kann allerdings die schon von Domar durchgeführte Analyse geben 1) : Probleme der Verschuldung können immer nur in bezug auf an- dere volkswirtschaftliche Daten oder deren Veränderung, wie z. B. Bruttoinlandsprodukt, Kapitalbildung, Budgetumfang, Auf- nahmefähigkeit der Finanzmlirkte bei Revolvierung behandelt werden. Die »Last der Staatsverschuldung" repräsentiert durch den zur Bedienung der Zinsenerfordemisse notwendigen Steuersatz, muß - wie Domar anhand eines wenige strategische Variable umfas- senden Modells unter bestimmten Bedingungen zeigt - selbst im Fall einer absolut ständig steigenden Schuld keineswegs ständig anwachsen; sie kann auch gleich bleiben oder sogar sinken. 1) Zitien nach M. Gantner, Zur Frage nach den Grenzen der öffentlichen Verschul- dung in E. Nowotny, Hrsg., Öffentliche Verschuldung, Stuttgan, New York, 1979, S. 149 ff. 144