7. Crowding-Out durch Staatsausgaben 7.1 Definition Der mit dem Schlagwort Crowding-Out umschriebene Sachverhalt bezieht sich auf die Frage, ob bzw. inwieweit der expansive Einsatz der Fiskalpolitik (i. e. zusätzliche Staatsausgaben) reale bzw. mone- täre Effekte induziert, die letztendlich die private Nachfrage zugun- sten der öffentlichen verdrängen, und somit der gewünschte expan- sive Effekt der staatlichen Maßnahme nicht oder nicht im gewünsch- ten Umfang eintritt. Letztlich geht es in der Crowding-Out-Diskussion somit darum ~ je nach Position ~, die Ineffektivität bzw. Effektivität diskretionä- rer Maßnahmen nachzuweisen. Von zentralem Interesse ist dabei die Frage, ob bzw. in welchem Umfang die mit der Finanzierung verbun- dene Inanspruchnahme der Geld- und Kapitalmärkte zu einer Ver- drängung privater Nachfrage führt. 7.2 Grundlegende Annahmen für Crowding-Out-Hypothesen Ausgangspunkt jeder theoretischen Crowding-out-Analyse ist die strikte Trennung von Fiskal- und Geldpolitik. Analysiert werden sol- len nämlich die Wirkungen der Fiskalpolitik unter der Nebenbedin- gung einer neutralen Geldpolitik. Was unter neutraler Geldpolitik zu verstehen ist, hängt von den theoretischen Vorstellungen über die Trennung von Fiskal- und Geldpolitik ab, eine Frage, die sich theore- tisch leichter lösen läßt als in der empirischen Analyse. Zudem kann man zeigen, daß die Crowding-Out-Effekte wesentlich von den An- nahmen über die Neutralität der Geldpolitik abhängig sind (d. h., daß je nach der angewandten Definition der »Neutralen Geldpolitik" un- terschiedlich Crowding-Out-Effekte resultieren). Abgesehen von der Frage der Definition einer neutralen Geldpoli- tik sind die potentiell möglichen Crowding-Out-Konstellationen von einer Vielfalt von Faktoren und Verhaltensannahmen abhängig, die sich einerseits auf die Finanzierungsform von Staatsausgaben und an- dererseits auf die Reaktionen des privaten Sektors hinsichtlich kon- kreter ausgabenseitiger Fiskalpolitik beziehen. Schließlich ist das po- tentielle Auftreten von Crowding-Out-Effekten vom Auslaswngsgrad der Produktionsfaktoren abhängig. 168