27 Stäube und schadstoffreicher Niederschlag auch eine akkumulative Anreicherung des Bodens mit Giften. Die ökologischen Folgen dieser Luftverschmutzung äußern sich zunächst in einer Minderung der Vitalität der Bäume, was eine er- höhte Anfälligkeit gegen Sekundärschäden durch Insekten, Pilze, Sturm und Schnee sowie Zuwachsverluste bewirkt. (Neben der Luft- verschmutzung sind auch standortswidrige Nadelholzreinbestände ein Grund fUr solche Sekundärschäden. Standortsgemäß wären Na- delholzreinbestände in Österreich nur auf ca. 30% der Waldfläche.1) Im Wirtschaftswald-Hochwald gibt es solche Bestände aber auf 69% der Waldfläche. Davon sind 45% Fichtenreinbestände.) Bei längerer bzw. starker Schadstoffeinwirkung sterben Einzelbäume oder ganze Bestände ab. Nachweisbar sind Ende 1984 Flächen im Ausmaß von insgesamt rund 425.000 ha (rund 11,3% der österreichischen Gesamtwaldfläche bzw. rund 13,4% der Ertragswaldfläche), auf denen Überschreitun- gen der Schwefel- und/oder Fluorimmissionsgrenzwerte festgestellt worden sind. Da aber auch eine große Anzahl anderer Luftschad- stoffe, wie z. B. Stickstoffoxide, Kohlenwasserstoffe und Photooxi- dantien, die durch das Bioindikatornetz derzeit noch nicht oder nur ansatzweise erfaßt werden, Immissionsschäden am Wald verursachen, dürfte die gesamte immissionsgeschädigte Waldfläche in Österreich um einiges größer sein. Der ökonomische Schaden durch forstschädliche Luftverunreini- gungen durfte nach SChätZungen der Forstlichen Bundesversuchsan- stalt mindestens 2 Mrd. S pro Jahr betragen. In dieser Schätzung wur- den nur die forstwirtschaftlichen Schäden und die Schadenskompo- nenten berücksichtigt, die durch jene bedingt sind, oder mit ihnen direkt in Zusammenhang stehen. Nicht berLicksichtigt wurden die Folgen der Luftverunreinigungen auf die menschliche Gesundheit, die Tierwelt, die Land- und Wasserwirtschaft, den Gartenbau, die Bauwerke, Kulturdenkmäler sowie auf diverse Materialien. Schwere Waldschäden werden auch durch das Schalenwild verur- sacht, das sich durch Überhege in den letzten Jahrzehnten derart ver- mehrt hat, daß fast in ganz Österreich nicht tragbare Wilddichten be- stehen. Die Wildschäden sind nun umso gefährlicher, da sie gemein- 1) Standortgernliß: Durch menschlichen Einfluß ungestörte Baumartenzusammen- setzung (Urwälder). Im Wirtschaftswald ist iiberdies zwischen stanJorttauglichen und standortwidrigen Beständen in Gebieten unter 600 mm Niederschlag bzw. auf luftar- men, wechselfeuchten Standorten (gesChätzt 3% der Waldfläche) zu differem:iercn.