2. Die Tariflohnverhandlungen in allen Bereichen des privaten Sektors orien¬ tierten sich neben der Teuerung an der durchschnittlichen Zuwachsrate der gesamtwirtschaftlichen Produktivität. Wie erwähnt führte dies infolge der außergewöhnlich hohen Zunahme der Vfertschöpfung je Beschäftigten in der Erdgasproduktion zu Lohnerhöhungen in der verarbeitenden Industrie, die gemessen an der dortigen Produktivitätsentwicklung zu hoch ausfielen. Die erheblichen Leistungsbilanzüberschüsse der Jahre 1972 bis 1976 verschleierten den Verlust an Wettbewerbsfähigkeit im exponierten Industriesektor. Mäßige Lohnabschlüsse schienen nicht erforderlich zu sein. 3. Die Löhne und Gehälter im öffentlichen Sektor folgten der Lohnentwicklung im privaten Sektor. Der gesetzliche Mindestlohn wurde zweimal jährlich entsprechend der durchschnittlichen Tariflohnzuwachsrate angehoben. Die Auszahlung von Transferleistungen (Arbeitslosengeld, Invalidenpensionen, Krankengeld usw) erfolgte im Ausmaß eines bestimriten Prozentsatzes des letzten Bruttolohns des Versicherten. Der Netto-Mindestlohn fungierte als absolute Untergrenze für alle Sozialtransfers. Durch diese beiden Koppelungen waren somit auch die Sozialtransfers eng an die Einkommensentwicklung im privaten Sektor gebunden. Die stark steigenden Anforderungen an das soziale Netz mußten zunehmend durch Erhöhungen der SozialVersicherungsbeiträge von Arbeitgebern imd Arbeitnehmern finanziert werden. Die Lohnnebenkosten nahiren daher noch rascher zu als die Löhne selbst (6). 4. Durch Lohnerhöhungen in Form von Sockelbeträgen und abgestufte Valorisier¬ ung der Nominallöhne verringerten sich qualifikations- und branchenbezogene Einkonmensdifferentiale.