- 1 - 1. Einleitung Die laufende Diskussion um das Thema Arbeitszeitverkürzung wird mit sozial-, gesundheits-, gesellschafts- und beschäftigungspolitischen Argumenten ge¬ führt. Dabei stehen infolge der seit 1974 veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Beschäftigungswirkungen im Vordergrund, während in der Debatte nach 1945 die anderen Gesichtspunkte dominierten. In dieser Dokumentation werden nur die beschäftigungspolitischen Aspekte berück¬ sichtigt. Beschäftigungspolitisch begründen läßt sich die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung mit der Erwartung, daß die Stundenproduktivität (Produktion je geleisteter Arbeitsstunde.) rascher steigen wird als das absetzbare Produktionsvolumen. Von 1964 bis 1975 nahm die Stundenproduktivität in der österreichischen Industrie um 111,7 % zu (siehe Tabelle 1), die Erzeugung insgesamt aber "nur" um 66,4 %. Die Zahl der Beschäftigten in der Industrie lag 1975 nur deshalb noch etwa auf demselben Niveau wie elf Jahre zuvor, da die Anzahl der Arbeitsstunden je Beschäftigten in diesem Zeitraum um rund 22 % fiel. Im Jahresdurchschnitt stieg die Industrieproduktion 1964-75 4,7 %, die Stundenproduktivität 7,1 %, die Arbeitszeit je Beschäftigten sank um 2,3 % pa. Ab 1975 lagen Wachstum und Produktivitätsfortschritt der österreichischen Industrie deutlich unter den Werten der Vorperiode. Im Schnitt der Peri¬ ode 1975-83 betrug die Wachstumsrate der Industrieproduktion 2,6 %, der Anstieg der Stundenproduktivität aber noch 4,8 Z: Die Kluft zwischen Produktivitätsfortschritt und Wachstum bestand weiterhin. Ab 1975 ver¬ langsamte sich (trotz Überstundenabbaus, fallweiser Kurzarbeit und Urlaubsverlängerung) aber auch der säkulare Prozeß der Arbeitsverkürzung