4. DIE ENTWICKLUNG DER LOHNNEBENKOSTEN Die Lohnnebenkosten weisen langfristig einen steigenden Trend auf. Mitte der sechziger Jahre entfielen noch 58% der Kosten der Arbeiter~ stunde auf den Direkt- oder Leistungslohn, heute liegt dieser Wert mit 51,4% nur knapp über der Hälfte. Damals kamen zum Direktlohn rund 72% an zusätzlichen Kosten fUr bezahlte Ausfallzeiten, Sonderzahlungen und gesetzliche sowie freiwillige Sozialleistungen, heute sind es mit rund 95% um gut 20 Prozentpunkte mehr. Allerdings war die Entwicklung in einzelnen Zeiträumen sehr unter- schiedlich. Während in den siebziger Jahren und dann ab 1984 bis 1986 eine kontinuierliche Steigerung der Lohnnebenkosten festzustellen ist, sind die Lohnnebenkosten von 1988 bis 1992 relativ stabil geblieben. Am raschesten expandierten die Kosten für die bezahlte Ausfallzeit (Urlaub, Krankenstände, Pflegefreistellung und sonstige freie Tage). Ge- messen in % des Leistungslohns stieg ihr Anteil von 17% im Jahr 1980 auf 22,0% im Jahr 1992. Nach den Daten der Sozialversicherung ist die Zahl der Krankenstandstage relativ stabil. Am stärksten wirken sich Ur- laubsverlängerungen - etwa zwischen 1984 und 1986 - aus und kon- junkturelle Einflüsse wie Kurzarbeit oder überstunden. Da Kurzarbeit die Basis verringert, nimmt der Anteil der Ausfallzeit an der geleisteten oder bezahlten Arbeitszeit zu, umgekehrt verringern überstunden den Anteil der Ausfallzeit. Die gesetzlichen Sozialabgaben, die der Arbeitgeber fUr den Arbeiter zu entrichten hat, entwickelten sich in den achtziger Jahren weniger dy- namisch als in den siebziger Jahren. Die Beitragssätze insgesamt erhöh- ten sich um 1 1/2 Prozentpunkte von 28,25% im Jahr 1980 auf 29,75% im Jahr 1990. Die Höchstbeitragsgrundlage wurde in diesem Zeitraum von 14.000 S bzw. 19.500 S (vgl. übersicht 6) auf einheitlich 31.800 S angehoben. Da aber auch fur die bezahlte Ausfallzeit Abgaben anfallen, erhöhte sich dennoch ihr Anteil am Direktlohn von 38% zu Beginn der achtziger Jahre auf heute fast 43%. Die meisten Änderungen verzeichnen die Pensions- und die Arbeitslosenversicherung; der Pensionsbeitrags- satz wurde von 10,75% im Jahr 1980 auf nunmehr 12,55% erhöht, der Arbeitslosenversicherungsbeitrag von 1,05% auf 2,6% im Jahr 1988, im Aufschwung konnte er leicht gesenkt werden und liegt heute bei 2,65%. Während der Unfallversicherungsbeitragssatz leicht gesenkt werden konnte, wurde im Zuge der Einfuhrung der Pflegeversicherung der Krankenversicherungsbeitragssatz 1992 angehoben. Während der Anteil der Kosten fur die Ausfallzeit und die Finanzie- rung des öffentlichen Sozialsystems deutlich zunahmen, sind die Sonder- zahlungen und freiwilligen Sozialleistungen der Firmen Ende der achtzi- 25