113 D. Zusammenfassung In den letzten 20 Jahren hat sich die Frauenerwerbsquote in nahe- zu allen Industriestaaten erhöht. In den westlichen Industriestaaten reichte in den siebziger Jahren die Spanne der Frauenerwerbsquote von 19"3°/(1 in Italien bis zu 39"2°/(1 in Finnland. Osterreich selbst ver- zeichnet einen außerordentlich hohen Frauenanteil, der teilweise auf den kriegsbedingten Frauenüberschuß zurückgeht. Die Erwerbsquote war 1960 die höchste aller westlichen Industriestaaten (36%), ging aber in den siebziger Jahren durch die Verringerung der aktiven Jahrgänge und den vermehrten Zustrom zu einer höheren Ausbildung auf 33"4% zurück. Laut Mikrozensus waren 1971 in Osterreich 1,169.000 Frauen berufstätig, davon waren ca. 78% oder 909.000 un- selbständig Erwerbs6tige. I. FRAUENARBEIT IN DEN INDUSTRIESTAATEN Ober die Voraussetzungen der Frauenarbeit hat die ökonomische Theorie durch lange Zeit unvollständige und zum Teil widersprüch- liche Überlegungen vermittelt. Als wesentlichste Bestimmungsgründe für die Prauenerwerbstätigkeit galten das generelle Einkommens- niveau und die Kinderzahl. Dabei ergaben sich eindeutige Lösungen nur für die alleinstehende frau, die - wenn sie über keinen Unter- haltsanspruch verfügt - ihre Arbeitskraft auf dem Markt anbietet. Für die Frau im Familienverband bot das theoretische Modell zwei Lösungsmäglichkeiten: Die "normale" entspricht den Vorgiingen auf den Warenmiükten, wonach sich mit steigenden Einkommenschancen das Angebot an weiblicher Arbeit erhöht (Substitutiome/fekt). Die "abnormale" Lösung führt dazu, daß das höhere Einkommen des Ehegatten ein Ausscheiden aus dem Arbeitsprozeß mit sich bringt (Einkommense/fekt). Beide Effekte treten in der Realität mit unter- schiedlicher Intensität auf. Aus diesem Grund konnten empirische Untersuchungen keine eindeutigen und befriedigenden Erklärungen über das Verhalten der Frau in bezug auf ihre Teilnahme am Er- werbsleben geben. Das gilt auch für die neuere Angebotstheorie, die vom Haushalt als Produktionseinheit, die Güter und Dienstleistungen auf dem Arbeitsmarkt wie im Haushalt "produziert", ausgeht. Um- fang und Struktur der "Produktion" (auch des Gutes "Freizeit") und somit die Arbeitsverteilung zwischen den Haushaltsmitgliedern wer-