Aussagekraft komplexerer Indikatoren vorgezogen. Um "Miß- bzw überinterpretationen" der Ergebnisse zu vermeiden, sollte eine all- gemeine Bewußtseinsvertiefung über Definition und Aussagekraft dieser Kriterien erfolgen. Hier hofft der Beirat, mit den Ausführun- gen über "Kennzahlen für öffentliches Defizit und öffentlichen Schuldenstand : Internationale Konzepte, die speziellen Maastricht- Kriterien und deren Umsetzung/Quantifizierung für Österreich" (Kapitel 3. 2.) einen Beitrag leisten zu können. - Angesichts des verstärkten Augenmerks auf die "Maastricht-Fiska- lindikatoren" sollen andere fiskalische Kenngrößen aber keinesfalls an Bedeutung verlieren. Das schon deshalb nicht, weil ein einfacher Indikator, der nur den Budgetsaldo mit dem Bruttoinlandsprodukt verknüpft, mit der Gefahr verbunden ist, daß die Struktur der Ein- nahmen und Ausgaben vernachläßigt wird. Vielmehr wäre eine lau- fende Berichterstattung anzustreben, die einen umfassenden Ein- blick in die Lage der öffentlichen Finanzen zu vermitteln imstande ist. Dies könnte durch den Aufbau eines national abgestimmten, die internationale Vergleichbarkeit sichernden statistischen Indikato- rensets erreicht werden, das neben den Fiskalindikatoren laut Maa- stricht komplementäre Kenngrößen zur finanziellen Lage des öf- fentlichen Sektors sowie der Subsektoren enthält. Dabei könnten neben den administrativen Defiziten der Gebietskörperschaften weitere international gebräuchliche Kenngrößen wie konjunkturel- les, strukturelles und primäres Defizit sowie Nettoverschuldung ein- bezogen werden. Für die Realisierung dieses Projekts erscheint je- denfalls eine enge Zusammenarbeit aller mit der Gebarung und der statistischen Aufbereitung der öffentlichen Haushalte befaßten na- tionalen Stellen (ÖSTAT, BMF, RH, GeNB, Staatsschuldenaus- schuß der Österreichischen Postsparkasse und anderen interessier- ten Stellen) und die diesbezügliche Mitwirkung auf internationaler Ebene zielfuhrend, um einerseits einen breiten methodologischen Konsens zu erzielen und andererseits die Konsistenz der Daten si- cherzustellen. Es sollte darauf geachtet werden, daß auch in einer vollen Wäh- rungsunion den nationalen Haushaltspolitiken so weit ein Spiel- raum bleibt, daß die Defizit- und Verschuldungskriterien im mehr- jährigen Durchschnitt gelten und damit zumindest die automati- schen Stabilisatoren zum Tragen kommen können. Es wäre daher sinnvoll, sich zu überlegen, wie die Konvergenzkriterien, die für einen Beitritt zur WWU notwendig sind, während der Mitglied- schaft flexibler gestaltet werden können, sodaß die materiellen Ziele des Integrationsprozesses erreicht werden. Im Sinne einer aktiven Diskussion über die Interpretation der Konvergenzkriterien wäre es 15