47 2. Kurzbeschreibuna des dänischen Wirtschafts- und Sozialsvstems 2.1 Träger des Systems 2.1.1 Gebietskörperschaften In Dänemark gibt es, ähnlich wie in den anderen skandinavischen Ländern, eine po- litisch-kulturell stark verwurzelte positive Einschätzung der aktiven Rolle des Staa¬ tes, wobei die Trennung zwischen öffentlich und privat vergleichsweise eher un¬ scharf ist. Von den Gebietskörperschaften (Zentralstaat, 16 Regionen und 275 Gemeinden) sind vor allem der Staat und die Gemeinden die tragenden Institutionen des Sy¬ stems. Das dänische Wirtschafts- und Gesellschaftssystem hat eine lange Tradition der Dezentralisierung, die sogar noch weiter zunimmt. Während die soziale Siche¬ rung schon lange kommunale Angelegenheit ist (vor allem im Bereich der Beratung und Begleitung), wurde in den vergangenen Jahren auch die Arbeitsmarktpolitik und -bewirtschaftung stärker dezentralisiert. Der Zentralstaat und die Gemeinden haben das Recht, Steuern und Gebühren ein- zuheben. Allerdings sind die Gemeinden zu einem ausgeglichenen Budget verpflich¬ tet. Die Gemeinden geben etwa 53 Prozent der Staatsausgaben aus und heben et¬ wa 32 Prozent der Steuern ein. Die Abstimmungsmechanismen zwischen den ein¬ zelnen Gebietskörperschaften erfolgen auf freiwilliger Basis. 2.1.2 Sozialpartner - Industrial Relations Dänemark hat einen sehr hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad. Über 85 Prozent sind Mitglied in einer Gewerkschaft. Dies hat mehrere Gründe: ?' den Sozialpartnern kommt in Dänemark eine große Bedeutung in der Arbeits¬ marktpolitik zu; die wenigsten Agenden werden gesetzlich geregelt, sondern über tripartite Absprachen ? Kollektivverträge gelten nur für Gewerkschaftsmitglieder ? zwischen den Arbeitslosenversicherungsfonds und den Gewerkschaften be¬ steht ein enger Zusammenhang (siehe weiter unten)