VORWORT Die Beschäftigung ist im letzten Jahrzehnt zu einem der zentralen Probleme der europäischen Wirtschafts- und Sozialpolitik geworden. Die Arbeitsplätze in der Industrie gehen infolge von Rationalisierungen und Produktionsverlage- rungen stark zurOck, das Arbeitskrllfteangebot nimmt zu und das Wirtschafts- wachstum hat sich verlangsamt: Als Konsequenz sind die Arbeitslosenquoten spürbar angestiegen. Im europäischen Vergleich gesehen ist die Arbeitsmarktsituation in Öster- reich nach wie vor recht gUnstig. Dennoch hat sich die Situation auch in Öster- reich 1995 und 1996 zugespitzt: 16.000 Arbeitsplätze gingen in diesen zwei Jahren verloren, die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen erhöhte sich im glei- chen Ausmaß, trotz weiterhin massiver FrOhpensionierungen. Die Arbeits- platzprobleme haben sich in diesen Jahren von der Industrie auf jene Dienst- leistungssektoren ausgedehnt, die im Zuge der europäischen Integration ihre bisher geschützte Position verloren und nun im internationalen Wettbewerb bestehen müssen. Diese Tendenz wird kurzfristig auch weiterhin anhalten. Diese zunehmende Brisanz der Arbeitsmarktsituation hat den Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen zu der vorliegenden Beschäftigungsstudie mo- tiviert. Der Beirat hat seine Arbeit dabei vornehmlich auf die Bereiche Ar- beitsmarkt (Arbeitszeit, neue Dienstleistungsjobs, aktive Arbeitsmarktpolitik) und Qualifikation konzentriert, da die wesentlichen wirtschaftlichen Aspekte des Problems bereits in der Beiratsstudie "Wirtschaftsstandort Österreich" sowie in dem Sozialpartner-Übereinkommen "Maßnahmen für eine beschäfti- gungspolitische Offensive" behandelt wurden. Diese Studie stellt also nur ei- nen Baustein in einer in ihrer Gesamtheit zu sehenden Beschäftigungspolitik dar. Zu unterstreichen ist, daß Beschäftigung und Arbeitslosigkeit nicht bloß Probleme des Arbeitsmarktes, sondern vielmehr der Wirtschaftsentwicklung und damit auch der Wirtschaftspolitik sind. Arbeitsmarkt- und bildungspoliti- sche Ansätze sind zwar notwendig, aber nicht ausreichend zur Steigerung der Beschäftigung. Unter Mitarbeit zahlreicher Experten aus Theorie und Praxis ist es dem Bei- rat für Wirtschafts- und Sozialfragen gelungen, zu wichtigen Fragen der Be- schäftigungspolitik gemeinsame Antworten basierend auf gemeinsamen Ana- lysen zu finden. Die Studie stellt damit eine theoretische Basis für eine prakti- sche beschäftigungsorientierte Wirtschafts- und Sozialpolitik dar. Dabei ging es nicht nur darum, neue Rezepte und Instrumentarien zu erfinden, sondern vor allem auch darum, vorhandene gemeinsam zu bewerten und einer Imple- mentierung zuzuführen. Allen an der Erarbeitung dieser Studie Beteiligten ge- bührt ein dementsprechend herzlicher Dank, besondere Anerkennung gilt dem Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Herrn Dr. Ewald Walterskirchen (Österreichi- sches Institut für Wirtschaftsforschung) sowie den Geschäftsführern der Ar- beitsgruppe, Herrn Dr. Michael Mesch (Bundesarbeitskammer) und Herrn Mag. Gerhard Huemer (Wirtschaftskammer Österreich), Frau Mag. Clarisse PAsztory (Wirtschaftskammer Österreich) ftlr die laufende Redaktion und Frau IIse Schulz (Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung) ftlr Satz und Layout. Wien, im Mai 1997 Dr. Werner Teufelsbauer Vorsitzender des Beirats für Wirtschafts- und Sozialfragen 3