35 I. EINLEITUNG UND EMPFEHLUNGEN 1. Einleitung - Das wirtschaftliche Umfeld 1.1. Vorbemerkungen Der Arbeitsmarkt ist im letzten Jahrzehnt zu einem der zentralen Probleme der Wirtschafts- und Sozialpolitik geworden. Die Arbeitsplätze in der Industrie gehen infolge von Rationalisierungen und Produktionsverlagerungen stark zu- rtlck, die Arbeitslosenquote hat sich seit Anfang der achtziger Jahre trotz mas- siver Frtlhpensionierungen verdoppelt. Von mehreren Seiten her ist der Arbeitsmarkt unter Druck geraten: Das langfristige Wirtschaftswachstum hat sich seit den siebziger Jahren etwa halbiert. Die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften schwächte sich damit deutlich ab. Die Beschäftigung hat sich jedoch ent- gegen dem Schlagwort vom ,jobless growth" keineswegs vom Wirt- schaftswachstum abgekoppelt. - Im Zuge der internationalen Arbeitsteilung und der technologischen Entwicklung wurde die Industrie verstärkt zu Rationalisierungen ge- zwungen. Mit zunehmender Integration breitete sich diese Tendenz auch auf andere Sektoren (z. B. Banken) aus. Die internationale Arbeitstei- lung hat insbesondere drei Aspekte: Globalisierung, EU-Integration und Ostöffnung. Ein dritter, wenngleich weniger zentraler Arbeitsmarktfaktor ist die stei- gende Tendenz des Angebots an Arbeitskräften. Im letzten Jahrzehnt strebten mehr Frauen eine Berufstätigkeit an, und zusätzliche ausländi- sche Arbeitskräfte, nicht zuletzt in Folge der Ostöffnung, wurden in den Arbeitsmarkt integriert. Auch in den nächsten zwanzig Jahren wird das Angebot an Erwerbstätigen nach den vorliegenden Schätzungen auch bei einer restriktiven Zuwanderungspolitik weiter zunehmen (um Uber 270.000 laut WIFO-Schätzungen, siehe Kapitel JI.6.). In Österreich hat sich die Atbeitsmatktsituation 1995 und 1996 zugespitzt: 16.000 Arbeitsplätze gingen in diesen zwei Jahren verloren, die Zahl der vor- gemerkten Arbeitslosen erhöhte sich im gleichen Ausmaß. Die Arbeitsplatz- probleme haben sich in diesen Jahren von der Industrie auf jene Dienstlei- stungssektoren ausgedehnt, die im Zuge der europäischen Integration ihre bis- her geschUtzte Position verloren und nun im internationalen Wettbewerb be- stehen müssen. Die zunehmende Brisanz der Arbeitsmarktsituation hat den Beirat ftlr Wirt- schafts- und Sozialfragen zu dieser Beschäftigungsstudie motiviert. Der Beirat hat seine Arbeit dabei auf die Arbeitsmarkt- und QualifIkationsaspekte kon- zentriert, weil die wirtschaftliche Seite des Problems bereits vor zwei Jahren in der Beiratsstudie "Wirtschaftsstandort Österreich" behandelt wurde. Das So- zialpartner-Übereinkommen "Maßnahmen ftlr eine beschäftigungspolitische