aus der Globalisierung sind jedoch unterschiedlich auf wirtschaftliche Grup~ pen und Länder verteilt. Der größte Konflikt zwischen ökonomischem Kosmopolitismus und politi- schem Nationaldenken tritt im Bereich des Arbeitsmarktes auf. Das globale Denken international tätiger Unternehmen, die sich immer mehr von ihren na~ tionalen Wurzeln lösen, fUhrt dazu, daß sie sich nicht an nationalen und sozia~ len Bedürfnissen ausrichten. Die international agierenden Firmen orientieren ihre Standortentscheidungen - neben Infrastruktur und Ausbildungsstandards - auch an den Lohnstückkosten und Umweltauflagen der einzelnen Länder. Auf dem Arbeitsmarkt fUhren die GlobaJisierung und die technologische Entwicklung zu einer Dualisierung: Vor allem die Unqualifizierten sind die Verlierer des Globalisierungsprozesses, ihre Arbeitsplätze gehen teilweise verloren und ihre Einkommen sinken relativ. Die Qualifizierten steigen dage~ gen per Saldo eher besser als schlechter aus: Ingenieurintensive Branchen sind die Träger des Exporterfolgs, und qualifizierte Dienstleistungen sind immer mehr gefragt. Insgesamt erzwingt der verstärkte Konkurrenzdruck Rationalisierungen und Produktionsverlagerungen, die sich in Arbeitsplatzverlusten niederschlagen. Die Rückkehr zum Protektionismus der Vergangenheit kann jedoch keine AI~ ternative sein, fUr exportorientierte Volkswirtschaften wäre dies kontrapro~ duktiv. Um diesen Tendenzen und den Asymmetrien in den Handelsbeziehun~ gen entgegenzuwirken, sind jedoch die Verhandlungen betreffend "fair trade" und "market access" inklusive der EinfUhrung von Umwelt~ und Sozialstan- dards voranzutreiben. Darüber hinaus ist die Anwendung des handelspoliti~ schen Instrumentariums der EU (Anti~Dumping, Schutzmaßnahmen) unver~ zichtbar. Die Politik ist heute mehr denn je gefordert, die Anpassungsprobleme an die weltwirtschaftliche Integration zu lindern und arbeitsmarktpolitische Maß~ nahmen zugunsten der Verlierer des Modernisierungsprozesses zu setzen. Der versuchten Problemlösung mittels staatlicher Subventionen sind aufgrund des EU-Wettbewerbsrechtes und der derzeitigen budgetären Restriktionen, aber auch der praktischen Erfahrungen, relativ enge Grenzen gesetzt, die sich auf im Rahmen der WTO zulässige vorübergehende Schutz~ und Stützungsmaß~ nahmen beschränken. In Zukunft wird der Strukturwandel am Arbeitsmarkt durch Globalisierung und technologischen Wandel eher noch beschleunigt werden. Die betroffenen Arbeitnehmer in den schrumpfenden Branchen werden nicht automatisch die Arbeitsplätze in den expandierenden Wirtschaftsbereichen einnehmen können, weil diese andere Qualifikationen erfordern und andere regionale Schwerpunk~ te haben. Verstärkte Qualifizierungsanstrengungen fllr Arbeitnehmer und Ar- beitslose sowie ein Ausbau von Dienstleistungen werden notwendig sein, um den raschen Strukturwandel adäquat zu bewältigen. 39