1,7. OstöfTnung Mit dem Thema Ostöffnung hat sich der Beirat in der Studie "Ostöffnung" und im "Positionspapier zu ausgesuchten Themen rund um die Regierungs- konferenz 1996, KapitelOsterweiterung" auseinandergesetzt. Die Auswirkungen der Ostöffnung werden in der öffentlichkeit meist zu negativ gesehen. Es überwiegt dabei das Bild der Verlagerung einzelner Pro· duktionsstätten nach Osteuropa, die Steigerung der österreichischen Exporte nach Osteuropa bleibt dabei zu sehr im Hintergrund. Die Handelsbilanz mit den Oststaaten hat sich seit der Ostöffnung um mehr als 10 Mrd. S verbessert. Die Beschäftigung in Österreich hat sich dadurch erhöht, selbst wenn überwie- gend arbeitsintensive Produktionen verlagert wurden. Aufgrund des Preis· druckes haben sich allerdings auch nicht meßbare strukturelle Arbeitsmarkt- probleme verfestigt. Zusätzlich ergibt sich für Österreich, ob seiner geographi- schen Nähe, auch das Problem des Kaufkraftabflusses, welches ebenfalls ne- gative Auswirkungen auch auf die Beschäftigung inbes. im grenznahen Be· reich mit sich bringt. Der Gesamteffekt der Ostöffnung auf die Beschäftigung in Österreich ist daher nicht exakt zu quantifizieren. Ein EU-Beitritt östlicher Nachbarstaaten würde darüber hinaus das Problem einer freien Zuwanderung aus Osteuropa aufwerfen. Ein völlig freier Arbeits- markt (Pendlerströme und Personenverkehr) würde vor allem jene Regionen nahe der Ostgrenze treffen, die jetzt schon unter hoher Arbeitslosigkeit leiden. Ähnliches gilt rur den Bereich der grenzüberschreitenden Dienstleistungen. Die Sozialpartner betonen daher die Notwendigkeit für eine nur schrittweise Realisierung der Freizügigkeit mit relativ langen übergangs fristen und allfäl· lige Schutzklauseln im Falle des Beitritts der MOEL. Unter den derzeitigen Bedingungen erscheint jedenfalls in absehbarer Zeit der freie Zugang zum österreichischen Arbeits- und Dienstleistungsmarkt durch Bürger der MOEL nicht realisierbar. 1,8. EU·Mitgliedschaft Die Mitgliedschaft in der Europäischen Union hat die Attraktivität Öster- reichs als Wirtschafts standort erhöht - wie die Sozialpartner in ihrer Standort· studie erwartet haben. Die Verbesserung der Standortqualität Österreichs zeigt sich schon in den steigenden Nettoexporten und in den Investitionsplänen multinationaler Konzerne, sie wird aber erst langfristig voll zur Geltung kom· men. Die Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt waren jedoch in der Anfangspha. se überwiegend negativ. Es kam zu Rationalisierungswellen vor allem in jenen Branchen, die nun voll in den Integrationsprozeß einbezogen wurden: im Nah· rungsmittelbereich und bei einzelnen Dienstleistungen (insbesondere Handel, Speditionen). Rationalisierungsinvestitionen im Energie-, Telekom- und Fi· nanzdienstleistungsbereich stehen noch an. Auch für jene Bereiche empfehlen sich gegebenenfalls branchenspezifische Übergangshilfen, ähnlich wie etwa im Bereich der Nahrungs· und Genußmittelindustrie ("AUFLEB"). 40