2. BeschAftigungsentwlcklung nach Wlrtschafbberelchen das Tempo des Produktivitätsfortschritts in der Industrie spUrbar beschleunigt, zum Teil ging dies einher mit steigenden Frühpensionierungen. Die Phase der VerkUrzung der Wochenarbeitszeit wich einer Phase der Verkürzung der Lebensarbeitszeit, die von der verstaatlichten Industrie ausge- hend die gesamte Wirtschaft und auch den öffentlichen Sektor erfaßte. Die Budgetkonsolidierungsmaßnahmen werden den Prozeß der FrUhpensionierun- gen längerfristig weitgehend stoppen und damit aber auch ein Ventil beseiti- gen, durch das Arbeitsmarktprobleme abgeleitet wurden. Die Vorstellung, daß sich der Arbeitsmarkt von der Wirtschaftsentwicklung abgekoppelt hätte, grUndet sich im wesentlichen darauf, daß die Arbeitslosig- keit auch in wirtschaftlichen Aufschwungphasen kaum zurUckgeht. Die Bezie- hung zwischen Wirtschafts- und Beschäftigungsentwicklung ist zwar nach wie vor relativ eng. Tatsächlich hat sich jedoch der Zusammenhang zwischen Be- schäftigungssteigerung und RUckgang der Arbeitslosigkeit gelockert. Eine Zu- nahme der Beschäftigung im Konjunkturaufschwung ist in der Regel auch mit einer kräftigen Ausweitung des Arbeitsangebots verbunden, so daß die Ar- beitslosigkeit nur wenig zurUckgeht. Die Ausweitung des Arbeitsangebots - das Angebot an Erwerbspersonen in Österreich erhöhte sich in den letzten 15 Jahren trotz massiver FrUhpensionie- rungen um gut 1% pro Jahr - hängt zur Hälfte mit dem steigenden Angebot an ausländischen Arbeitskräften zusammen, insbesondere von bereits im Inland ansässigen Ausländern (nach Familienzusammenruhrung). Ein weiterer wich- tiger Grund rur die langfristige Ausweitung des Arbeitsangebots ist die von einem relativ niedrigen Niveau aus steigende Erwerbsbeteiligung der Frauen. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit wird somit nicht durch immer ra- scheren gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsfortschritt erschwert, sondern durch das niedrigere langfristige Wirtschaftswachstum und den hohen Zu- wachs des Arbeitsangebots. Die Prognosen des Wirtschaftswachstums lassen nicht darauf schließen, daß dieses alleine ausreichen wird, um bei gegebenen Rahmenbedingungen die Arbeitslosigkeit dauerhaft auf Vollbesch!lftigungsni- veau zu senken. Ausgehend von der prognostizierten weiteren Zunahme des Arbeitsangebots (weniger FrUhpensionierungen, höhere Erwerbsbeteiligung der Frauen), stehen also grundsätzlich drei Strategien zur Bewältigung des Ar- beitslosenproblems zur Verfllgung: Steigerung der Wachstumsrate, Steigerung der Arbeitsintensität und Neuverteilung der Arbeit. Aufgabe der Wirtschafts- politik wird es daher sein, jene policy-Kombination zu finden, die mittels Ver- besserung der Standortqualität und der Wettbewerbsfähigkeit zur Erreichung eines höheren Wirtschaftswachstums einerseits und einer neuen Regulierung des Arbeitsmarktes andererseits eine positive Entwicklung der gesamtgesell- schaftlichen Wohlfahrt erlaubt. Die Lage auf dem österreichischen Arbeitsmarkt bleibt angespannt. Die Be- schäftigung, die seit dem Sommer 1995 saisonbereinigt in steigendem Tempo gefallen war, hat sich im FrUhjahr 1996 zwar stabilisiert und auch der Anstieg 62