innerhalb der WWU zunimmt. Es ist zu erwarten, daß Österreich hier seine Vorteile aus der Konsenspolitik der Sozialpartner und den Erfahrungen als Hartwährungsland weiter ausspielen kann. Die Übergangsphase nach der Verwirklichung der WWU wird jedoch auch erhebliche Umstellungsschwierigkeiten verursachen. Zum einen fallen die Kosten der Umstellung von Schilling auf Euro an, zum anderen wird ein be- trächtlicher Teil der Bankangestellten, die bisher mit dem Devisengeschäft be- schäftigt sind, keine Beschäftigung mehr finden. 4. Arbeitsmarktdynamik und die Heterogenitllt der Arbeitslosigkeit Die bislang geschilderten Befunde zur zyklischen Sensitivität des Arbeits- marktgeschehens geben allerdings nur ein unvollständiges Bild der dahinter- liegenden Arbeitsmarktdynamik. Denn die Brutto-Reallokation sowohl von Arbeitsplätzen als auch von Arbeitskräften ist weit höher, als es in den jeweili- gen Bestandsveränderungen zum Ausdruck kommt. Nach Schätzungen des Instituts ftlr Höhere Studien gehen selbst bei per Saldo unveränderter Gesamt- beschäftigung pro Jahr mehr als 100.000 Arbeitsplätze in schrumpfenden Be- trieben bzw. durch Stillegungen verloren. Das Schwergewicht der Arbeits- platz-Reallokation entfltllt dabei übrigens auf Bewegungen innerhalb der ein- zelnen Wirtschaftsklassen, während Verschiebungen der sektoralen Beschäfti- gungsstruktur nur ftlr etwa ein Drittel des jährlichen Arbeitsplatz-Umschlag verantwortlich zeichnen. Weit höher noch als das Ausmaß des Arbeitsplatz-Umschlags ist klarerwei- se jenes des Beschäftigungsumschlags, da sich die Arbeitskräfte ja vorwiegend zwischen bestehenden Arbeitsplätzen bewegen. Unter Einrechnung kurzfristi- ger An- und Abmeldungen, saisonaler Fluktuationen, Ferialjobs usw. werden in Österreich gegenwärtig pro Jahr vermutlich jeweils etwa 1 Mill. Beschäfti- gungsverhältnisse aufgelöst bzw. neu eingegangen. Erst vor diesem Hinter- grund wird auch die enorme Zugangs- und Abgangsdynamik im österreichi- schen Arbeitslosenbestand verständlich, wie sie sich in einer Zahl von über 650.000 Personen, die im Jahr 1994 von Arbeitslosigkeit betroffen waren, manifestiert. Bemerkenswert ist allerdings die parallele Entwicklung von Zugangs- und Abgangsraten im Konjunkturverlauf. Während die antizyklische Bewegung der Zugänge in die Arbeitslosigkeit apriori Erwartungen entspricht, mag es doch überraschend erscheinen, daß auch die Abgangsraten aus der Arbeitslo- sigkeit im Konjunkturabschwung ansteigen. Dies deutet darauf hin, daß die höhere Arbeitslosigkeit in konjunkturell ungünstigen Zeiten auch mit verstärk- ten Ersetzungsprozessen im Beschäftigungssystem einhergeht. Dieser Mecha- nismus verschärft damit die zunehmende Strukturierung des Arbeitslosenbe- standes in Richtung steigender Anteile von Personen mit relativ geringen Wie- derbeschäftigungschancen. Die Struktur der Arbeitslosigkeit zeigt insgesamt ein recht heterogenes Bild, so daß sich einfache monokausale Erklärungsmuster und eindimensiona- le Problembekämpfungsstrategien eindeutig als unzulänglich erweisen. Folgt 70