und "aktive Arbeitsmarktpo/itik "). Die Anreizstruktur des Leistungssy- stems bei Arbeitslosigkeit kann dabei insofern unterstützend genutzt werden, indem die Leistungsgewährung stärker konditional gehandhabt wird. Arbeitslosigkeit im Reallokationsprozeß: Technologischer Wandel, Än- derungen der Nachfragestrukturen und die tendenzielle Globalisierung wirtschaftlicher Aktivitäten lösen auch im Beschäftigungssystem be- ständige Reallokationsprozesse aus. Die EU-Integration und die Ostöff- nung werden das Tempo des wirtschaftlichen Strukturwandels und damit das Ausmaß an Arbeitsplatzumschichtungen von schrumpfenden zu ex· pandierenden Betrieben in den nächsten Jahren weiter beschleunigen. Per Saldo wird dieser Prozeß nach allen Erfahrungen mit insgesamt mehr Arbeitsplätzen verbunden sein, aber die Arbeitskräfte, die in den negativ betroffenen Unternehmungen bzw. Sektoren keine Beschäfti- gung mehr fmden, werden nicht quasi automatisch die Arbeitsplätze in den expandierenden Wirtschaftsbereichen einnehmen können, da diese in der Regel andere Tätigkeitsprofile und Qualifikationsanforderungen aufweisen werden. Dies bedeutet, daß sich die Profildiskrepanzen zwi- schen Arbeitsplatzverlierern und offenen Stellen erhöhen könnten, was wiederum auf die Bedeutung erhöhter (Re- )Qualifikationsanstrengungen hinweist. (weiteres siehe Kapitel" Qualifizierung") s. Lohnbildung und Arbeitskosten Die gravierenden Arbeitsmarktprobleme, mit denen sich die meisten west- europäischen Industriestaaten seit nunmehr zwei Jahrzehnten konfrontiert se· hen, rUcken auch die Charakteristika der Lohnbildungsprozesse in das Zen- trum kontinuierlicher Aufmerksamkeit. Denn die Flexibilität, mit der die Real- lohnentwicklung in einer Ökonomie auf externe oder interne Angebotsschocks reagiert, bildet eine essentielle Determinante der makroökonomischen Perfor- manz einer Volkswirtschaft. Dies gilt umso mehr rur eine kleine offene Volkswirtschaft wie Österreich, wo unter den Bedingungen einer Hartwäh. rungspolitik die Aufrechterhaltung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit im wesentlichen über die Lohnstückkostenentwicklung abgesichert werden muß. Die Voraussetzungen dazu waren und sind in Österreich durch die er· folgreiche konsensuale Einkommenspolitik der Sozialpartner gegeben. Die Lohnkostenentwicklung verdient indes nicht nur unter dem Aspekt der Wettbewerbsposition große Aufmerksamkeit. Die ökonomische Theorie weist darauf hin, daß die Faktoreinsatzverhältnisse langfristig von den relativen Faktorpreisen abhängig sind. Relative Verteuerungen des Faktors Arbeit im Verhältnis zu anderen Produktionsfaktoren induzieren daher Substitutionspro- zesse, die die Kapitalintensität (oder auch Energieintensität) der Produktion ceteris paribus erhöhen. Derartige Prozesse des "capilal deepening" sind zwar unbedenklich, solange Vollbeschäftigung herrscht, angesichts fast endemisch anmutender Arbeitslosigkeit in Europa müssen sie aber wohl als problematisch beurteilt werden. 72