1.3. Arbeitszeitverkürzung Wird die Regelarbeitszeit verkUrzt, so bietet dies theoretisch die Möglich- keit, das vorhandene Arbeitsvolumen auf mehr Menschen aufzuteilen. Diese Möglichkeit wird insbesondere angesichts der durch den steten technischen Fortschritt bedingten Steigerung der Kapitalproduktivität weiter Bestandteil des Repertoires der Arbeitszeitpolitik sein. Allerdings können auch gegenläufige - also negativ beschäftigungswirksa- me - Nebeneffekte auftreten: Bei Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich kann das Absinken der Kaufkraft die Nachfrage schwächen. Weiters werden Unternehmen danach streben, nicht die ganze Verkürzung durch NeueinsteI- lungen wettzumachen, sondern statt dessen teilweise die Produktivität (durch intensivierten Kapitaleinsatz und Arbeitsverdichtung) zu steigern. Findet die Arbeitszeitverkürzung hingegen mit Lohnausgleich statt, so kann es infolge der resultierenden Preissteigerungen zu einer Schwächung der Nachfrage kommen; weiters sind umso stärkere Bemühungen der Unternehmen zu erwar- ten, die - teurer gewordene - Arbeitskraft durch vermehrten Kapitaleinsatz zu ersetzen. Voraussetzung rur eine positive Beschäftigungswirkung von Arbeits· zeitverkürzung ist weiters grundsätzlich eine relative Homogenität des Ar- beitsmarktsegmentes; bei einem segregierten Arbeitsmarkt (z. B. Facharbei- termangel) ist mangels Arbeitskräfteangebot kein Beschäftigungseffekt zu er· warten. Daraus ergibt sich, daß das Problem der Arbeitszeitverkürzung am besten den KV-Partnern in deren Verantwortungsbereich zu Uberlassen und vorerst von einer generellen Vorgangsweise Abstand zu nehmen ist. Dies schließt aber Arbeitszeitverkürzung auf Branchen- und betrieblicher Ebene nicht aus. So kann etwa in bestimmten Fällen Arbeitszeitverkürzung auf betrieblicher Ebene in Verbindung mit Arbeitszeitflexibilisierung zur Verhinderung von Arbeits· platzabbau ("VW-Modell") oder auch Schaffung von zusätzlicher Beschäfti- gung eine sinnvolle Maßnahme darstellen. Ein weiterer Ansatzpunkt rur Arbeitszeitverkürzung wäre der Abbau re- gelmäßig geleisteter Überstunden. Wo Überstunden nicht nur zur Abdeckung fallweiser Arbeitsspitzen, sondern permanent geleistet werden, sollten diese Überstunden aus beschäftigungspolitischer Sicht reduziert und durch entspre- chende NeueinsteIlungen ersetzt werden. Voraussetzung ist, daß zusätzlich entstehende Kosten durch NeueinsteIlungen durch die Verlagerung der betref~ fenden Arbeitsleistung vom Überstundenbereich des bisherigen Personals in die zuschlagsfreie Normalstunde der Neueingestellten kompensiert werden können, so daß ein derartiger Überstundenabbau auch betriebswirtschaftlieh machbar ist. Neue Varianten zur Verteilung von Arbeit werden in Kapitel 2. ausgeruhrt. 1.4. Zusammenfassung Es können somit bei allen drei Grundrichtungen der Arbeitszeitgestaltung - Entflechtung von Betriebszeit und Arbeitszeit, Flexibilisierung und VerkUr- 118