124 Motivation, flexibler Einsatz und sozialer Friede entgegengehalten werden. Flexible Arbeitszeiten entwickeln sich - neben ihrer Funktion fl.Ir die Lebens- gestaltung der Arbeitnehmer - nunmehr zu einem Faktor der Stabilisierung fl.Ir die Betriebserhaltung in Österreich und auch zu einem Wettbewerbsfaktor in~ nerhalb der EU. Es ist somit "flexible Arbeitszeit" über den Bereich der produzierenden Wirtschaft hinaus in den Argumentationskatalog nicht nur der Arbeitgeber-, sondern auch der Arbeitnehmerseite zur Erhaltung der Wirtschaftskraft eines Landes eingegangen. Die veränderten Lebensgewohnheiten verlangen von al- len Sektoren der Industrie, aber zunehmend auch in der gewerblichen Produk- tion ein Umdenken und oft ein Umorganisieren der Betriebsabll1ufe. Wenn der Arbeitsanfall stlirker mit Zeitvorgaben verbundenen Kundenwünschen, dem Gebot reduzierter Lagerhaltung und optimierter Logistik in der Zulieferung folgen muß, resultieren daraus eben auch vermehrt schwankende Arbeitszei- ten. Auch dort, wo in kleinen Einheiten über Arbeitszeiteinteilung entschieden wird, gilt es, Unternehmenserfolge zu sichern. Dabei ist es allerdings unerll1ß.. lich, die Umstellung von starren auf im Ausmaß schwankende Arbeitszeiten im Einklang mit der farn i1il1ren, sozialen und kulturellen Zeitgestaltung der MitarbeiterInnen in Abstimmung mit ihnen und ihren Interessenvertretern vor- zunehmen. Dabei ist auch die Einkommensproblematik (Verlust von Über- stundenzuschlägen bei einer Abkehr von der bisher gl1ngigen Bewl1ltigung schwankender Arbeitszeit, nämlich Überstundenarbeit) zu lösen. Die Vielfalt des Geschehens und die zahlreichen denkbaren Facetten bei der Umgestaltung des Normalarbeitszeitbereiches machen eine generelle Normung der konkreten Arbeitszeitgestaltung als Vorgabe untauglich. Die neuen gesetz- lichen Arbeitszeitregelungen konzentrieren sich daher im wesentlichen auf die Sicherung eines Schutzrahmens und die Definition der gemeinsamen Gestal- tungsinstrumente innerhalb dieses Rahmens. Investitionsentscheidungen zugunsten oder ungunsten Österreichs setzen sich heute schon im Projektstadium mit Arbeitsrecht und Arbeitskosten aus- einander. Diese Faktoren werden angesichts der vielen Standortangebote nicht mehr als Plandaten akzeptiert. Internationale Vergleiche zeigen, daß flexible Arbeitszeiten in Europa, vor allem in der Industrie, Alltagsthema sind. Zu be- obachten sind unterschiedlich lange wöchentliche Normalarbeitszeiten, deren Zusatzvolumen bis hin zu bestimmten Obergrenzen in gewissen Zeitabstl1nden auf die vorgesehene kollektivvertragliche Normalarbeitszeit pro Woche aus- zugleichen ist. Basis ist ein 8 bis 10 Stundentag, die Durchrechnungsperioden kennen Grenzen von 13 Wochen, 26 Wochen (6 Monate), 52 Wochen (12 Mo- nate) oder die Quartalsbindung (Quelle: Westeuropäische Metallarbeitgeber~ verbl1nde, 1995). Daran ist zu erkennen, daß unter dem Titel flexible Arbeits- zeit im Lauf der Zeit wieder Muster entstehen, im Ansatz breiter als gewohnte Denkschemata, jedoch ohne Wildwuchs. Der Wettbewerbsdruck verbunden mit der Notwendigkeit der Standorts i- cherung fllhrte bereits bisher dazu, daß auf betrieblicher Ebene Vereinbarun- gen zur Arbeitszeitgestaltung zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrä- ten getroffen werden, die sich sowohl an der Kostenentlastung bzw. Lieferfll.- higkeit als auch an individuellen Anliegen der Mitarbeiter orientieren.