149 VI. AKTIVE ARBEITSMARKTPOLITIK 1. Einleitung Ausgehend von den in Kapitel 11 dargestellten Komponenten z. B. Typen der Arbeitslosigkeit, wie sie in den nächsten Jahren im Rahmen des insgesamt zu erwartenden Niveaus und bei einer jährlichen Zugangszahl von ca. 700.000 Arbeitslosen zu erwarten sind, spielt die aktive Arbeitsmarktpolitik eine ent~ scheidende und dabei äußerst vielfltltige Rolle, um zum Abbau der Arbeitslo- sigkeit beizutragen. Die im Zuge der West- und Ostintegration zunehmenden Reallokationserfordemisse sowie die zu erwartende Erhöhung der Erwerbs- quoten der Frauen und Älteren werden dies in steigendem Umfang notwendig machen. Die Stellung des öffentlichen Arbeitsmarktservice hat sich durch ein geän- dertes Beschllftigungsverhalten seit Beginn der achtziger Jahre grundlegend mitverllndert. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist unter anderem durch die stark gestiegene Zahl von Arbeitsunterbrechungen bzw. dem Suchen eines neuen Arbeitsplatzes unter Einschluß eines "Durchgangsstadiums Arbeitslo- sigkeit" verursacht. Die Nachfrage nach den Leistungen des Arbeitsmarktser- vice ist drastisch gestiegen, schon eine minimale Grundversorgung in Form der Registrierung und Zuerkennung der Leistungen nach dem AlVG nimmt beachtliche Ressourcen in Anspruch. Das Arbeitslosenregister zeigt einen enormen Umschlag, jährlich verlassen ungeflthr gleichviel Personen den Status der Arbeitslosigkeit wie sich Personen arbeitslos melden, ca. zwei Drittel ge- hen in eine Beschllftigung, wobei der Einschaltungsgrad des Arbeitsmarktser- vice ca. 45% aller Stellenbesetzungen beträgt; diese den RegionalsteIlen ge- meldeten Beschllftigungsangebote werden jedoch nur zum Teil mit deren Hilfe besetzt. Über die Zahl der insgesamt schwer zu besetzenden offenen Stellen und die dafUr ausschlaggebenden Gründe sind keine umfassenden Informationen vor- handen. Die Entwicklung der Laufzeit der gemeldeten offenen Stellen z. B. ihr Verhllitnis zu der Zahl der Arbeitslosen lassen vermuten, daß das Mismatch seit Anfang der achtziger Jahre gestiegen und somit die Arbeitslosigkeit nicht nur ein Problem fehlender Arbeitsplätze ist. In der gestiegenen Zahl der Lang- zeitarbeitslosen kommt zum Ausdruck, daß eine zunehmende Zahl von Perso- nen ungleich größere Probleme des Wiedereinstiegs in eine Beschäftigung hat. 2. Arbeitsvermittlung Die Intensivierung der Arbeitsvermittlung und der Ausbau der Betriebsbe- treuung stehen im Zentrum der Aufgaben der Arbeitsmarktpolitik. Dabei ist das richtige "Mix" von "Hilfe zur Selbsthilfe" einerseits und "Intensivbetreu- ung" andererseits eine strategische Variable zur Optimierung des Ressour- ceneinsatzes. Beratung und Vermittlung sind auch Ausgangspunkt fUr all jene weitergehenden Maßnahmen, die an den Ursachen fUr mangelnden Vermitt-