zu überdenken und zu aktualisieren. Dabei ist es notwendig, noch stärker als bisher Vorurteile auf beiden Seiten gegen bestimmte Reizworte wie Arbeits· zeitverkürzung oder Arbeitszeitflexibilisierung abzubauen und pragmatisch die Wirksamkeit bestimmter Arbeitszeitformen zur Beschäftigungssicherung oder Beschäftigungsförderung zu überprüfen und entsprechend einzusetzen. Voraussetzung eines derartigen pragmatischen Weges ist freilich, daß die Verbesserung der Wettbewerbsfllhigkeit in diesen Fällen tur alle Beteiligten glaubhaft tur die Sicherung oder Schaffung von Beschäftigung eingesetzt wird. Bei der konkreten Umsetzung bestimmter Arbeitszeitformen soll es um die Sicherung der Beschäftigung, um zusätzliche Beschäftigung und um die Verbesserung der Wettbwerbsfllhigkeit gehen. Wenn bei neuen Arbeitszeit· formen auch die Interessen der Arbeitnehmer bezüglich verstärkter Gestal· tungs· und Ausbildungsmöglichkeiten berücksichtigt werden, kann und soll die Arbeitszeitpolitik von einem bisherigen Konfliktfeld zwischen Arbeitge- bern und Arbeitnehmern zu einem gemeinsamen Betätigungsfeld im Interesse der Beschäftigungspolitik werden, wie dies in Teilbereichen auf Kollektivver- tragsebene schon in der Vergangenheit geschehen ist. Folgende Schwerpunkte in der sozialpartnerschaftlichen Arbeitszeitpolitik sind zu bearbeiten: Verlängerung der Beschäftigung innerhalb eines Jahres in Saisonbran· chen; - Schaffung von Zeitausgleichsmodellen unter dem Gesichtspunkt der Be- schäftigungssicherung. Zum Problem der flexiblen Tages- und Wochenarbeitszeiten (einschließ- lich längerer Durchrechnungszeiträume und Bandbreiten) besteht Ober- einstimmung dahingehend, daß entsprechend den besonderen Bedürfnis- sen einzelner Branchen und Betriebe solche Arbeitszeitformen eine bes- sere Auslastung der Kapazitäten und damit eine Verbesserung der Wett- bewerbsftlhigkeit bewirken können. Unterschiedliche Auffassungen be- stehen allerdings darüber, in welcher Form diese Möglichkeiten einzu- setzen sind: Die Arbeitnehmerseite geht von einer Festlegung der Rah- menbedingungen neben der gesetzlichen Regelung durch die Kollektiv- vertragspartner aus, weil nach ihrer Auffassung nur dadurch der gezielte Einsatz flexibler Arbeitszeiten tur Beschäftigungssicherung gewährlei- stet werden kann. Die Arbeitgeberseite hingegen strebt darüber hinaus zumindest fUr kurze Zeiträume die Festlegung von Bandbreiten und län- geren Tagesarbeitszeiten auch durch Einzelarbeitsvertrag an; - Schaffung von Voraussetzungen tur gezielte Weiterbildungsprogramme und Fortbildungsprogramme in den Betrieben durch Spielräume in der Arbeitszeitgestaltung tur Aus- und Weiterbildung; Schaffung individueller Möglichkeiten zur Unterbrechung des Arbeits- verhältnisses ohne dauerhaften Arbeitsplatzverlust bei gleichzeitiger Förderung der Einstellung von Ersatzkräften; 161