3. Stellenwert der Restmüllvorbehandlung - Standortbestimmung II Der mit der Deponieverordnung, der Wasserrechtsgesetznovelle Deponien und Artikel 87 des Strukturanpassungsgesetzes beabsichtigte Weg stellt sich aus der Sicht der betroffenen Akteure als ökonomisch und logistisch zumeist nicht unerheblicher Eingriff dar. Es müssen bestehende Anlage angepaßt, neue Anlagen errichtet werden. Gegebenenfalls müssen auch bestehende Anlagen vorzeitig stillgelegt werden, wodurch die Refinanzierung von getä- tigten Investitionen in Frage gestellt wird. Weiters müssen vor allem auf Landesebene Zu- ständigkeiten, so die zur Errichtung und zum Betrieb der neuzuerrichtenden Anlagen geklärt werden. Selbstverständlich ist es auch aus diesem Grund geboten, diesen Weg in seiner Sinnhaftigkeit und Tauglichkeit zu hinterfragen. Zwei Aspekte liegen als Beurteilungsgesichtspunkte nahe: • eine Betrachtung unter volkswirtschaftlichen Kosten-/Nutzenaspekten, insbesonde- re unter dem Aspekt des mit diesem Instrumentariums verbundenen regulatori- schen Aufwands und seiner Effizienz und • eine Betrachtung im Lichte der "Forderungen aus der Nachhaltigkeitsdebatte"36. 3.1 Betrachtung unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten Zumindest drei "Forderungen der Nachhaltigkeitsdebatte" betreffen unmittelbar auch den Bereich der Abfallwirtschaft: • Reduktion der Stoffströme um den Faktor x37, • Reduktion von klimawirksamen Emissionen, insb von Methan38, aber auch von CO2 und 36 Vgl nur exemplarisch Kosz (Hrsg), Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung in Österreich, Untersuchung im Auftrag von Friends of the Earth (FOE) Österreich, Wien 1994; den Einzelheiten dieser Debatte soll an dieser Stelle nicht nachgegangen werden; die in der oben genannten Studie aufgestellten Hypothesen zur Frage: "Woran kann ich denn überhaupt erkennen, ob das Wirken des Men- schen auf diesem Planeten dem Prinzip der Nachhaltigkeit entspricht?" bieten aber interessanten Anhaltspunkte dafür, bereichsspezifi- sche Strategien (bspw die "Vorbehandlung und Deponierung von Abfällen") auf ihre "Umweltverträglichkeit" hin zu untersuchen; in diesem Sinne ist es zu verstehen, wenn im Folgenden von "Forderungen" die Rede ist. 37 Die Vorschläge aus dem Bereich der Wissenschaften spannen sich hier vom "Faktor 4" (Weizäcker-Lovins-Lovins, Doppelter Wohl- stand-Halbierter Naturverbrauch - Der neue Bericht an den Club of Rome, 1995) bis zum "Faktor 10" (Schmidt-Bleek, Wieviel Umwelt braucht der Mensch? - MIPS-das Maß für ökologisches Wirtschaften Berlin 1994). 38 Methan entsteht in großen Mengen bei der unvorbehandelten Ablagerung von Restabfällen ("Reaktordeponie"); Methan ist zudem erheblich klimawirksamer als CO2. B u n d e s a r b e i t s k a m m e r 13