S T E L L E N W E R T D E R R E S T M Ü L L V O R B E H A N D L U N G – S T A N D O R T B E S T I M M U N G I I und Abwärmenutzungstechniken43 in die nähere Auswahl gezogene werden sollten, die eine möglichst vollständige und tatsächliche Nutzung der Abwärme sofort oder in absehbarer Zukunft sicherstellen. Das erfordert aber auch - das legt der aktuelle Stand der Abwärme- nutzung in Österreich nahe - bei der Standort- und Technikauswahl noch weitergehendere (raum-)planerische Überlegungen anzustellen: Zunächst einmal müssen die regional44 (bspw in der Gestalt von industriellen "Abwärmeproduzenten", Betreibern kalorischer Kraft- werke, etc) schon vorhandenen, allerdings noch ungenützten Abwärmepotentiale ermittelt werden, um ein vollständiges Bild von der Abwärmeangebotsseite zu bekommen. Dem wäre dann die Nachfrageseite, also die kurz- oder längerfristig realisierbaren Verbrauchspotentia- le gegenüberzustellen, um die konkreten Möglichkeiten der Energienutzung für einen be- stimmten Standort (sprich: seine Raumverträglichkeit unter dem Gesichtspunkt "Abwärme- nutzung") besser einschätzen zu können. Bei näherer Betrachtung der von einer Maßnahme wie der Wasserrechtsgesetznovelle De- ponien ausgehenden Anreize für die Akteure in der Wertschöpfungskette (i.e produzierender und distribuierender Sektor) spricht aber auch vieles für die Hypothese, daß eine derartige Maßnahme auch einen (allerdings nicht näher bezifferbaren) Beitrag45 zur Reduktion gewis- ser Stoffströme zu leisten vermag, somit zur ersten, oben angeführten Forderung. So be- steht ein Zusammenhang zwischen den jeweiligen Gesamtkosten der Deponierung – sie ergeben sich einerseits aus der Höhe des AlSAG-Beitrages und den Kosten aus verschie- denen Varianten der Umsetzung abfallrechtlicher Vorschriften - und denjenigen chain defi- cits einer Altstofferfassung (bspw einer Alt-Packstofferfassung), die von den betroffenen Akteuren (bspw gewerblichen Abfallanfallstellen) schlicht aus ökonomischem Kalkül jeweils "in Kauf genommen" werden werden. Dies macht deutlich, wie unmittelbar das Ausmaß von Verwertungsaktivitäten der betroffenen Anfallstellen von der jeweiligen effektiven Höhe der Kosten der Deponierung abhängt. Je nach Höhe dieser Deponierungskosten werden auch entsprechende Vermeidungsaktivitäten, allerdings nur bei den betroffenen gewerblichen Anfallstellen induziert; im Bereich der kommunalen Altstofferfassung ist dieser Rückkopp- lungsmechanismus unterbrochen. Höhere Kosten der Entsorgung geben also Anreize einer- seits zu Vermeidungsaktivitäten, sie erhöhen aber auch den Anreiz zur Rückführung von Wertstoffen in den Wirtschaftskreislauf (vgl dazu Abb.2). 43 Bspw gestattet die bloße Stromauskopplung einen weitaus geringeren Abwämenutzungsgrad als eine kombinierte Strom- und Fernwär- meauskopplung; zu den "Energiebilanzen" unterschiedlicher thermischer Abfallvorbehandlungsverfahren vgl Haltiner, Energie aus Ab- fall - ein Systemvergleich, Müll und Abfall 3/97, 140; der Autor kommt allerdings auch zum Ergebnis, daß die Unterschiede in der Energieausbeute je gewähltem technischen Verfahren weitaus geringer wiegen als die Unterschiede, die sich aus den jeweiligen Ab- satzmöglichkeiten ergeben (Haltiner aaO 142). 44 Arg. Abwärmenutzung ist mit umso geringeren Übertragungsverlusten verbunden, je örtlich näher der Verbraucher zum Produzenten situiert ist. 45 Hier soll nicht der Eindruck erweckt werden, daß abfallwirtschaftliche Maßnahmen - gemessen an den Forderungen aus der Nachhal- tigkeitsdebatte - mehr als einen bloßen Beitrag zur notwendigen Entkopplung von Wohlstand und Abfallaufkommen zu leisten vermö- gen; es ist wohl große Skepsis gegenüber der Auffassung angebracht, daß das Ziel der Reduktion der Stoffströme - in der abfallwirt- schaftlichen Debatte ist immer vom "Ziel der Vermeidung" die Rede - ausschließlich über abfallwirtschaftliche Regulierungen - also quasi "von hinten" - erreicht werden könne. B u n d e s a r b e i t s k a m m e r 15