iiismiiimiiinm Organ der Gewerkstiiaftskommlsslon Deutschßslerrelchsfür die freigewerk¬ schaftlich organisierten Betriebsrats und Vertrauensmänner und für Ha Beisitzer der Einigungsämter und vi irt vi m vi Geweibegerlchte v» vi w v» v* Hitteilungsblatt der Kammern für vi vi vi Arbeiter und Angestellte (Si l/H/t iiiiiiiiHiiiiMiMiimiimiiiiimwiiiuiiIIIIIIMIIIIIIIIMHIIIIII! J MI/IMVU/IVIUIMI/IMMMVIMMVIM Erscheint jeden zweiten Dienstag Erscheint jeden zweiten Dienstag 1. lahrgang Wien, 27. September 1921 Herausgeber: finton Hueber v> SArlft- leitung: Eduard Straas vi Adresse Wien I, Ebendorferstraße 7 « Tele¬ phon 15124 vi Postsparkasse 170.35} Administration und Expedition: Wien), Ebendorferstraße 7 vi Bezügspreis! jährlich 120 Kronen, halbjährlich 70 Kronen, Einzelnummer 6 Krone« Nummer 14 Inhalt: Anton Hueber sechzig Jahre alt — Hueber und das Betriebsrätegesetz — Produktionskosten und sozialistische Verteilung — Die Interessenvertretung der Arbeiterschaft in Österreich (VIII) — Volkswirtschaft: Die Lage auf dem englischen Arbeitsmarkt. — Aus dem Gevverkschaftsleben: Die Gewerkschaften in Österreich — Technik und W i r t s c h a f t: Das Taylor-System (IX) — Betriebsrätliche Praxis: Kapitalistische Schwindelpraktiken — Evidenz der Betriebsräte — Arbeiterrecht: Die Frage des „Erfüllungszwanges" nach gellendem Rechte — Bildung lind E rz i e h u n g: Meisterlehre oder Staatslehrwerkstätte? — Arbeiter kammern: Ein erfreulicher Erfolg der Aibeiterkammer — Neue Arbeiterkammern — Bücherschau: Die deutsche Revolution — Eingelaufene Bücher. Triton Hueber sechzig Jahre alt Die österreichische Gewerkschaftswelt feiert den 60. Geburtstag ihres treubewährten Sekretärs, des Genossen Anton Hueber. Auch die Betriebs¬ räte erheben Anspruch, in die Reihen der Gratulanten zu treten und dem parlamentarischen Berichterstatter über das Betriebsrätegesetz, dem Anreger und Grün¬ der ihres Blattes sagen zu dürfen, was sie an diesem Tage bewegt und erfüllt. Die jüngste Organisations- form des Proletariats, die Betriebsräteverfassung, dieses Kind der revolutionären Zeit, fühlt sich geehrt, wenn sie dem verantwortlichen Führer der Gewerk¬ schaftsbewegung Dank sagen kann für seine Leistung wenn sie ihm die Versicherung abgeben kann, daß sie, seinem Beispiel nacheifern, auch immer nur das Beste für das Proletariat anstreben will. Denn wir fühlen es, daß wir durch solcher Art Ehrung unserer Vorkämpfer keinen Personenkultus treiben, der ge¬ rade unserem Freunde so verhaßt ist, sondern letzten Endes uns selbst und unsere Bewegung ehren. Proletarische Gratulationen erschöpfen sich nicht in hergebrachten Wunschformeln. Wenn wir Glück wünschen, prüfen wir vorerst, ob wir dazu auch den entsprechenden Anlaß haben, das heißt, wir gratulieren nicht ob des Zufalls, daß jemand 60 Jahre «lt wird, sondern wir beglückwünschen zu der in diesem Zeitraum vollbrachten Leistung. Anton Hueber hat die Glückwünsche rechtschaffen ver¬ dient. Denn sein Leben ist eine ununterbrochene Pflichterfüllung bis zum äußersten, sein Leben ist iTreue, ist Opferwilligkeit im Dienste des Proletariats. Man sagt nicht zu viel, wenn man Hueber den Schöpfer der österreichischen Gewerkschaftsbewe¬ gung nennt, der Bewegung, aus der die Betriebsräte¬ verfassung organisch hervorgewachsen ist. Ist die Betriebsräteverfassung eine Etappe auf dem Wege zum Sozialismus, so war die Schaffung der moder¬ nen Gewerkschaftsbewegung eine Etappe auf dem Wege zum Betriebsrat. Und es ist ganz nützlich und zweckdienlich, wenn wir bei einem so freudigen An¬ laß daran erinnern, daß die Geschichte des Werdens unserer Gewerkschaften eine Geschichte schwerer Kämpfe nach innen und außen ist. Als Hueber schon als junger Drechslergehilfe in die Bewegung eintrat, ivaren es nur Splitter einer, .wenige Jahre zuvor zu den schönsten Hoffnungen berechtigenden Entwick¬ lung, die er vorfand. Und schon da sehen wir ihn, den jungen Brausekopf, der Kurse über Herstellung von Bomben und Höllenmaschinen besucht hat, um auch mit den radikalsten und — wie man damals glaubte —. auch revolutionärsten Mitteln: kämpfen zu können, zur Zentralisation, zur Zusammenfassung der Kräfte mahnen. Nicht in Erfolgen bei kleinen Einzelkämpfen einzelner Fabriks- oder Werkstättenbelegschaften, nur in Erfolgen, welche der Gesamtheit zufallen, dar! man ein Stück Aufstieges des Proletariats erblicken. Schon das erste Wirken Huebers lehrt uns, unsere Blicke auf das Ganze zu richten. Es war eine glückliche Wahl, die getroffen wurde, als man nach dem Mißerfolg des ersten Sekre¬ tärs Kleedorfer zur Leitung der im Jahre 1893 gegründeten Gewerkschaftskommission Ende 1894 Hueber berief. Kurz zuvor hat er vor aller Arbeiter¬ öffentlichkeit die notwendige Einheit zwischen politischer und gewerkschaftlicher Organisation proklamiert, als er zur Erringung des allgemeinen gleichen Wahlrechts den General¬ streik vorschlug. Seinem Einfluß nicht zuletzt ist es zu verdanken, daß unsere Bewegung nicht dem Neutralitätsfanatismus verfallen ist. Wie oft hat ge¬ rade er Arbeitern dargelegt, daß die strenge Trennung zwischen den beiden proletarischen Organisationen, die ja kein Selbstzweck, wenn auch ein sehr kost¬ bares Instrument sind, vor allem der rückständigen Auffassung unserer Bürokratie und altösterreichi- schen Gesetzgebung zuzuschreiben ist. Und doch —>, und da zeigte sich Huebers Scharfsinn — wie wußte er, nachdem die Trennung notwendig war, die Tren¬ nung, welche auch den sozialistischen Theoretikern zweckmäßig erschien, die Selbständigkeit der Gfr« werkschaften gegen alle Seiten zu verteidigen. Gerne wurde der Rat der Politiker angehört, ja er wurde gesucht, aber dabei mit seltener Eifersucht das freie' Entscheidungsrecht, der Gewerkschaften gewahrt Wir wagen zu behaupten, daß dies auch ein Grunq ist, warum die deutschösterreichische Arbeiterbewe^ gung von der Spaltung verschont blieb. Der Kampf< den unter Huebers oberster Leitung die Gewerkt Schäften gegen den Separatismus (von 1896 bis 19101 geführt haben, war im Wesen ein Kampf um die Eri