"04 DER BETRIEBSRAT werkschaftswesens abgehandelt, hier ergreifen Theoretiker und Praktiker der Bewegung das Wort, um dem Kreis der unmittelbaren Interessenten zu sagen, wie sie eine be¬ stimmte Angelegenheit beurteilen, und hier wird auch die Einstellung der leitenden Gewerkschaftsinstanzen zu diesen Angelegenheiten kundgemacht. Der Leser findet in den Zeit¬ schriften Gegenstände seines Interesses behandelt, über die ts eine Buchliteratur noch nicht gibt. Das führende Organ der österreichischen Gewerk¬ schaftsbewegung ist „Die Gewerkschaft", Organ der Gewerkschaftskommission östereichs, Wien I, Ebendorfer- straße 7. Die reichsdeutsche Bewegung verfügt im „Ko rrespondenzblatt" des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Berlin SO, Engelufer 15, über ein vorzügliches Wochenblatt. Sein Inhalt ist so gestaltet, daß es den gewerkschaftlichen Vertrauensmann restlos über alle Angelegenheiten seines Arbeitsgebietes gründlich in¬ formiert. Trotz des Zuschnittes auf die reichsdeutschen ^Verhältnisse wird auch jeder österreichische Vertrauens¬ mann reichen Gewinn aus seiner Lektüre ziehen. Wie die österreichische Bewegung den „Betriebsrat" herausgibt, so verfügt die reichsdeutsche über eine „Betriebsrätezeitung" lies Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes. Bedeutungsvoll sind auch für jeden Gewerkschafter die beiden von Viktor Stein redigierten gewerkschaft¬ lichen Fachblätter „Der österreichische Metall¬ arbeite r", Organ des österreichischen Metallarbeiter¬ verbandes (Wien V, Kohlgasse 7), der größten und wich¬ tigsten Arbeiterorganisation, und „Der Industrie¬ angestellt e", das Blatt des Bundes der Industrie¬ angestellten (Wien V, Siebwibrunnengasse 29), der größten und wichtigsten Angestelltenorganisation Österreichs, und die ebenfalls von Viktor Stein redigierte Monatsschrift für gewerkschaftliche, wirtschaftliche und sozialpolitische Fragen „Aus Werkstatt und Wirtschaft", heraus¬ gegeben vom österreichischen Metallarbeiterverband. Die Sozialpolitik behandeln „Der Arbeiter- 5 c Ii u t z". Zeitschrift für soziale Gesetzgebung, Organ der tfeichskommission der Krankenkassen Österreichs, Wien VI, Königseggasse 10, und die „Amtlichen Nach¬ richten" des Butidesministeriums für soziale Verwaltung (Verlag Franz Deuticke, Wien I, Helferstorferstraße 4), die auch fortlaufend den Text aller neuen sozialpolitischen Ge¬ setze und Verordnungen abdrucken. V. Die A n g e s t e 111 e n b e w e g u n g. An der allgemeinen Gewerkschaftsbewegung nehmen die Privatangestellten in steigendem Maße Anteil. Zur Kenntnis ihrer in manchen Dingen verwaltenden Beson¬ derheiten seien die hauptsächlichen Schriften angeführt, die sich mit ihnen befassen. Ein umfassendes, wissenschaftlich angelegtes Werk hat der Heidelberger Nationalökonom Emil Lederer veröffentlitht, „Die Privatangestellten in der modernen Wirtschaftsentwicklung" (Verlag I. C. Mohr, Tübingen 1912). Wenn auch Lederer die Grund¬ tatsache seines Werkes der reichsdeutschen Angestellten¬ bewegung entnommen hat, die immer ein wesentlich an¬ deres Bild zeigten als die österreichischen, und Vorkriegs¬ verhältnisse behandelt, die sich unter der Einwirkung des Krieges und der Revolution völlig verändert haben, ist seine Darstellung dennoch außerordentlich aufschlußreich über das Wesen und die Besonderheiten der Angesleliten- bewegung. Neueren Datums ist eine Broschüre des gleichen Verfassers „Die Entwicklungstendenzen in den Organisa¬ tionen der Angestellten" (Karl Winter, Heideiberg 1914). Richard Woldt hat den Angestellten der Industrie eine ausgezeichnete Darstellung „Das großindustrielle Beamtentum" (I. H. W. Dietz, Stuttgart 1911) ge¬ widmet. wohl die beste Arbeit über die gewerkschaftlich und produktionstechnisch wichtigste Berufsgruppe der An¬ gestauten. Von S. Aufhäuser, dem Vorsitzenden des „Afa'-Bundes, der Zentrale der freigewerkschaftlichen An« gestelltenorganisationen in Deutschland, ist zunächst ein schmales Büchlein über „Weltkrieg und Ange¬ stellt e n b e w e g u n g" (Verlag für Sozialwissenschaft, Berlin 1918) zu nennen, das dort anschließt, wo Lederer seine Darstellung beendet, und eine kurze, aber un¬ gemein inhaltsreiche Broschüre „Die freie Ange¬ stellten- und Arbeiterbewegung", (lu'dustrie- beamienverlag, Berlin NW 52), trotz ihrer gedrängten Kürze die aufschlußreichste und beste Darstellung der gegen¬ wärtigen Situation der Angesteütenbewegung. Im Verlag der Wiener Volksbuchhandlung (Wien 1919) ist eine Bro¬ schüre „Die P r i v a t a n g-e s t e 111 e n" erschienen. Schließlich- sei noch für die besonderen österreichischen Verhältnisse auf einige Artikel in Zeitschriften aufmerksam gemacht, im „Kamp f", der wissenschaftlichen Monats« schritt der österreichischen Sozialdemokratie, sind er¬ schienen: Privatangestellte und Klassenkampf (VI. Jahr« gang, Nr. 10, Juli 1913), Sozialdemokratie und Privatange¬ stellte (VII. Jahrgang, Nr. 5, Februar 1914), Der Untergang des neuen Mittelstandes (XI. Jahrgang, Nr. 45, April und' Mai 1918). In der „Gewerkschaft": Organisations« Probleme der Privatangestellten (XVI. Jahrgang, Nr. 15, 16» April 1914), und Die Angestellten in der Arbeiterkammer (XXIII. Jahrgang, Nr. 5, Februar 1921). Auch hier sei au! eine Zeitschrift aufmerksam gemacht, die „Deutsche Techniker-Zeitung", Bundeszeitschrift der techni« sehen Angestellten und Beamten, Berlin NW 52. Werft« Straße 7. die mit einer Reihe von Fachgruppenbeilagen er¬ scheint und einen tiefen Einblick in die aktuellen Probleme der Angestelltenbewegung eröffnet. VI. Bibliographie. Die vorstehende Aufstellung ist natürlich von Voll¬ ständigkeit weit entfernt. Die erschienene Literatur hat Sassenbach In seinem „Verzeichnis der in deutscher Sprache vorhandenen gewerk¬ schaftlichen Literatur" (Berlin 1910, Nachtras 1912) zusammengestellt. Neuerscheinungen werden in der Literaturbeilage des „K o r r e s p o n d e n z b 1 a 11 e s" des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes fortlaufend verzeichnet. Auch der „Betriebsrat" bemüht sich, seinen Lesern alle Neuerscheinungen mitzuteilen. Hinweise auf Literatur findet der Leser, der tiefer in die Literatur ein¬ dringen will, auch in den großen volkswirtschaftlichen Nachschlagewerken, im achtbändigen „Handwörter¬ buch der Staatswissenschaften" und in» „W örterbuch der Volkswirtsc ha die beide unter den betreffenden Schlagwörtern ausgezeichnete Dar¬ stellungen der Gewerkschaftsbewegung enthalten. Das „Handwörterbuch" erscheint soeben in neuer Auflage. Ernst Lakenbacher. Der Vertrauensmann Tausendc und aber Tausende sind in den letzten Jahren neu zur Arbeiterbewegung gestoßen und haben bald schwere Aufgaben übernommen. Als Vertrauensmänner der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen, als Betriebsräte und als Arbeiterräte wirken heute zahllose Männer und Frauen. Allen, die Rat brauchen, werden die allgemeinen Winke willkommen sein, die Genosse Robert Danneberg auf Grund seiner langjährigen Erfahrung in einer eben erschienenen Schrift „Der Vertrauensmann" gibt. Was der Obmann, der Kassier, der Kontrollor, der Ordner, der Kolporteur, der Bibliothekar und der Schriftführer zu tun haben, wird an der Hand zahlreicher Beispiele gezeigt. Der Abschluß der Schrift, die ein Praktiker für Praktiker verfaßt hat, bildet eine Abhandlung, die Ratschläge für Redner enthält. Dies macht die Schrift auch für erfahrene Genossen wertvoll. Jeder, der die Sorfcen und Mühen der Organisation auf sich genommen hat, wird die Schrift gerne lesen. Jedem neugewählten Funktionär sollte sie in die Hand gegeben werden. Eingelaufene ßücfcsr Bergarbeiterkalender 1922. (Herausgegeben von der Union der Bergarbeiter Turn-Teplitz, achter Jahrgang, Preis: 7 [tschechoslowakische] Kronen.) Karl Renner: Verfassung und politische Parteien in Österreich. (Zentralstelle für Bildungswesen, Wien 1921, 12 Seiten.) Richard Woldt: Wirtschaftliche Schulungsarbeit und ge¬ werkschaftliches Fiihrertum. (Verlag Quelle und Mayer, Leipzig 1921, 100 Seiten, Preis 8 Mk.) Report of the twentv-first Anntial Conference of the Labour Party Brighton 1921. (33, Euleston Square, London. S. W. 1. Preis samt Porto 1 Schilling 3 Pence.) Adolf Weber: Der Kampf zwischen Kapital und Arbeit. (3. bis 4. Auflage, J. C. B. Mohr, Tübingen 1921, 60 Mk.) Die Volkswirtschaft der Nationalstaaten. (Überreicht von der Allgemeinen Depositenbank anläßlich ihres fünfzig¬ jährigen Bestandes, Wien 1921, 80 Seiten.) Sämtliche, der vorstehend genannten Bücher sind zu beziehen durch die Volks¬ buchhandlung, Wien VI, Gumpendorfer« Straße 18 Druck: ..Vorwärts", Wien V.