DER BETRIEBSRAT 83 Privatunternchmungen. Und dennoch haben sie ihre Stellung behauptet, haben günstig abgeschnitten und sehen einer vorteilhaften weiteren Entwicklung ent¬ gegen. Und die „öwa" hat alle diese bedeutenden Schwierigkeiten überwunden, obwohl die berühmte „private Initiativ e", die das Hirn der Herren Privatunternehmer als unzertrennlich vom Profit an¬ sieht, dieser Ansporn des privaten Bereicherungs- intcresses gefehlt hat. Die Initiative selbst nat in der gemeinwirtschaftlichen Anstalt nicht gefehlt, nur ist sie nicht dem Geldsackinteresse, sondern v/ie oben gesagt dem Idealismus und dem Pflichtgefiilil der Anstaltsleitung sowie der Arbeiter und Angestellten entsprungen. Und sie hat vollständig ausgereicht, die Produk¬ tion in Ordnung zu bringen, den Verkauf zu organi¬ sieren und aus einem passiven Betrieb einen aktiven zu machen. Aber je gehässiger die Verfolgungswut der bür¬ gerlichen Klasse gegen die gemeinwirtschaftlichen Anstalten im aligemeinen und des Arsenals im beson¬ deren ist, um so dringender ist es Pflicht der Ar¬ beiterschaft, zu erkennen, welch wichtige und be¬ deutungsvolle Errungenschaft für sie die Gemeinwirt- schaft ist. Sie muß sich daran gewöhnen, in diesen Unternehmungen entscheidende wirtschaftliche Macht¬ positionen zu sehen, die ihr auf dem Wege zu ihrer Befreiung und zur Aufrlfchtung ihrer engeren Wirt¬ schaftsordnung gegeben sind und die sie daher nicht bloß mit den Zähnen zu verteidigen, sondern auch mit allen Kräften auszugestalten und zu ver¬ mehren die Pflicht hat. Wilhelm Ellenbogen. Proletarische GeldwSrischafL,..,~v~~ (Aus einem Vortrag.) Mit großer Freude muß es uns alle erfüllen, wenn wir von dem raschen Fortschritt und der inneren Festigung unserer Kreditinstitute erfahren. So können wir denn heute mit Genugtuung feststellen, daß dieser Jüngste Zweig des proletarischen Eman¬ zipationskampfes auf das begeisterte Interesse der Massen gestoßen ist und sehr gute, vielleicht die besten Köpfe in seinen Dienst gestellt hat. Der er¬ freuliche Mitgliederaufschwung und die immer größere Ansammlung von Kapitalien, die das Prole¬ tariat aus eigener Kraft aufbringt, lassen die zuver¬ sichtliche Hoffnung berechtigt erscheinen, daß es immer rascher vorwärts gehen wird. Es war seiner¬ zeit ein zaghafter Versuch, als die Arbeiter-Kredit¬ genossenschaften gegründet wurden; es war ein Versuch, der in manchem Zweifel und Skepsis erregt hat. Doch die Erkenntnis, daß es im Arsenal des Kampfes der Klassen noch ganz andere Waffen gibt als die, die man sich ursprünglich vorgestellt hat, diese Erkenntnis ist rasch gewachsen, zugleich mit dem Bewußtsein, daß die Arbeiterklasse, um zu ihrem Ziel zu gelangen, jede Waffe benützen muß, die sich ihr bietet, und daß sie insbesondere darauf achten muß, mit Bienenfleiß die eigenen Mittel zu sammeln, um von unten auf das Eroberungswerk zn voll¬ bringen. Wir haben lehrreiche Zeiten hinter uns. Wir haben viel gelernt für unseren revolutionären Kampf; .wir haben aber auch erfahren, daß der Befreiungs¬ kampf des Proletariats an gewisse Grenzen stößt. Typisch für unseren Kampf war die Erringung der Staatlichen Gewalt Die Mittel des Staates sollten Öazu dienen, uns sozial weiterzubringen, und durch den Staat sollte der Übergang zum Sozialismus ge¬ schaffen werden. Es Ist nicht zu leugnen, daß mit Hilfe des Staates sehr Wertvolles erzielt worden ist; 3ber_eineOabefl^wkjßsebeu:-daß_s^ mit den Mitteln des Staates die Wirtschaft nicht be¬ herrschen und die Volkswirtschaft nicht auf den Sozialismus einstellen läßt. Die Vollsoriulisierung, auf die einige von uns gehofft haben, ist ausgeblieben. Da müssen wir uns nun fragen, ob wir nicht selbst ein Stück Sozialisierung von unten herauf vollziehen können. Diese Sozialisierung von unten herauf aber ist die Gcnossenschaftsbev/egung. Wir sehen, daß wir durch sie viel rascher und besser vorwärts kommen als durch die Sozidisierung mit Hilfe der öffentlichen Gewalt. Prüfen wir doch genau und fragen wir aus. welches Recht haben wir denn, anderen mit Hilfe des Staates den Sozialismus aufzudrängen, wenn wir bei uns selbst noch nicht angefangen haben? Wenn der Staat jetzt noch nicht in unseren Händen liegt, so haben wir dafür um so mehr Zeit, uns mit um selber zu beschäftigen. Obwohl wir schon viel getan haben, können wir ja doch noch viel mehr schaffen. Wir haben in jüngster Zeit begonnen, in das Allerheiligste des Kapitalismus einzudringen, nicht um in kapitalistischer Weise Geschäfte zu machen, sondern um unsere Lohnkronen selber zu bewirt¬ schaften und gleichsam ins feindliche Lager unsere Vorposten zu schicken. Wir haben bisher dort und da vereinzelt solche Instiute geschaffen. Binnen kurzem aber soll eine geschlossene Zentrale uns# ganzes Staatsgebiet umfassen, so wie die gewerk¬ schaftliche und politische Bewegung; alle Landes- Spar- und Kreditkassen werden nämlich zusammen gefaßt sein in einem Zentralinstitut, ohne daß sie selber irgendwie an Bewegungsfreiheit verlieren! nämlich in dem Zentralinstitut der Arbeiter- b a n k. Was die Arbeiterbank zu schaffen vor hat, schafft jedoch einstweilen der Kreditverband, dei zum Beispiel heute schon die Einzahlungen samt und sonders bei sich liegen hat. Die Österreichisch- Ungarische Bank hat uns als die Arbeiterbank in Gründung akzeptiert, so daß wir schon jetzt im Namen dieser künftigen Arbeiterbank unsere Arbeit machen können. Inzwischen sind einige Veränderungen ein¬ getreten, das Aktienkapital wurde von 50 auf 100 Mil¬ lionen Kronen erhöht, deren Übertragung so geregelt wurde, daß jede Organisationsform in der Arbeiter¬ bank vertreten sein wird. Man könnte uns nun fragen, warum wir denn mit der Gründung gar so lange ge¬ braucht haben, Ja, wir haben lange gebraucht, und ich gestehe offen, wir hätten schon früher fertig werden können, wenn wir unbedingt gewollt hätten. Aber wir haben gewisse Bedenken gehabt, die Gründung zu einer Zeit ins Leben zu rufen, wo das ärgste Grün¬ dungsfieber herrschte; wir wollten eine Zeit ab¬ warten, wo diese etwas unsichere Bewegung des Kapitals vorbei wäre — wir wollten in unserer Sache sicher gehen. Außerdem mußten wir der Gefahren achten, die einer Neugriindung in Gestalt der Sach- und Personalkosten drohen. Gerade auch auf diese Umstände müssen wir achthaben und eine Verwal¬ tung herstellen, die der Hauptsache nach getragen ist von dem Vertrauen und der Mitarbeit der Ver¬ trauensmänner, nicht von den bezahlten Angestellten allein. Darin liegt der Unterschied zwischen den Bank¬ instituten, die auf kapitalistischer Basis ruhen, und unserem genossenschaftlichen Institut. Jene sind ge¬ tragen von dem Erwerbswollen des Chefs oder der Gesellschaft von Chefs. Sie allein tragen die Ver¬ antwortung, sie verwalten allein und sind umgeben von einer Schar Angestellter, die nichts anderes sind als Werkzeuge. Zum Glück kosten Werkzeuge heute Geld. Das schadet nicht, denn es ist nicht die Bestimmung eines Menschen. Werkzeug eines ande¬ ren zu sein. Der genossenschaftliche Betrieb ist von anderen ..Gedanken geleitet. .Nicht