96 DER BETRIEBSRAT Sozialwisscnsciiaft" (Band' lö der Soeialwissenschaftlichen Bibliothek, Berlin !921, 79 Seiten, Mk. 4*50) leider nur für den Bereich Deutschlands zum Vorwurf genommen hat. Auch diese IJechispartie harrt in Österreich 'noch ihres systematischen Gestalters. Zum Kapitel der Bciriebswissenschaften, die durch die Vorträge Richard Woldts und das große Interesse, das die Betriebsräte der im „Betriebsrat" erscheinenden Aufsatzserie über das Taylor-System entgegenbringen, besondere Aktualität erlangt haben, liegt manche Neu¬ erscheinung vor. Wir wollen hier namentlich auf die Bro¬ schüre von Ludwig Fischer: ßetriebserfindungen (Karl Heymanns Verlag, Berlin 1921, 59 Seiten) aufmerksam machen, welche sich in übersichtlicher Gliederung mit dem Wesen, und Werden der Betriebserfindungen, der wirtschaft¬ lichen und rechtlichen Bedeutung ihres Schutzes, Gestal¬ tung und Handhabung im Betrieb, dem Rechtsverhältnis des Betriebserfinders und ähnlichem befaßt. Freunde von statistischen Studien seien auf das soeben erschienene zweite Vierteliahrsheft der Schriften¬ reihe „Die Wirtschaftslage mit Indexzahlen der »Frank¬ furter Zeitung«" (Verlag der Frankfurter Sozietäts- Druckerei, 88 Seiten, 25 Mk.) hingewiesen. Es enthält die schon bekannten Statistiken der Preise, Löhne, Valuta etc., außerdem aber zum erstenmal auch einen Vergleich von Haushaltsrechnungen aus den Jahren 1914 und 1921/22 sowie eine Untersuchung über die Entwicklung der Arbeits¬ leistung in der Industrie, die freilich mit kritischer Vorsicht gelesen werden muß. In Anbetracht der Aktualität, welche seit neuester Zeit auch die Streitfragen der Zollpolitik wieder erlangt haben — ist ja zum Beispiel der österreichische Finanz¬ minister Gürtler dabei zu Fall gekommen — seien diejenigen Interessenten, die sich mit dieser schwierigen Materie eingehender beschäftigen wollen, auf eine schon während des Krieges erschienene Arbeit von Fritz Mender: Das moderne Zollschutzsystem (Verlag Arti¬ stisches Institut Orell Filßli, Zürich 1916, XVIII + 232 Sei¬ ten, 40 Mk.) auimerksam gemacht, weil dieses Buch sich bemüht, eine systematische Sichtung der wichtigsten Ge¬ danken, die auf diesem von so viel Streit erfüllten Problem¬ gebiet entwickelt worden sind, vorzunehmen und Rechen¬ schaft über die wichtigsten Auffassungen und Gegensätze der deutschen Nationalökonomeil aller Richtungen zu geben. Ohne uns auf die Untersuchung der Stichhaltigkeit der eigenen Anschauungen des Verfassers einzulassen, müssen wir als den Hauptvorzug des Buches die großzügige Übersichtlichkeit in der Behandlung dieser Fundam^ntal- frscen der theoretischen und praktischen Volkswirtscharts¬ lehre bezeichnen. Ein sich mit dem gleichen Fragengebiet beschäftigendes Buch jüngeren Datums ist Max S c h i p p e 1 s soeben in zweiter Auflage erschienene „Praxis der Handels¬ politik" (Verlag für Sozialwissenschaft, Berlin 1922, 136 Sei¬ ten, 18 Mk.). Das Büchlein hat die bekannten Vorzüge des Verfassers: viel Gelehrsamkeit und fleißiges Sammeln von statistischem Quellenmateriall. Die Festlegung auf Schippeis Lieblingsgeschäft: „Entlarvung" aller der Pa¬ rolen. die seit eh und je Grundlagen unseres sozialistischen Befreiungskampfes sind, wird diesmal vermieden. S c h i p- pel reitet sein Steckenpferd: Stellungnahme zugunsten des Zollschutzes und gegen den Freihandel, diesmal etwas •vorsichtiger, vorsichtiger Jedenfalls als das andere Stecken¬ pferd bei seinen Attacken gegen den Achtstundentag. Aber von einer marxistischen Betrachtungsweise bleibt auch dieses Werk Schippeis weit entfernt. Das beste proletarische Lehrbuch auf diesem Gebiet ist noch immer Karl Kau t sky s schon vor ungefähr 20 Jahren in erster Auflage erschienene Kampfschrift gegen Schippel: Handelspolitik und Sozial¬ demokratie (2. Auflage, „Vorwärts", Berlin 1911, 98 Seiten). Zum Schluß sei noch zweier größerer Werke gedacht, die eigentlich eine eingehendere Würdigung beanspruchen und ihnen auch bei der nächsten Gelegenheit noch zuteil werden soll. Wir meinen das neueste Buch von G. D. H. C o 1 e, dem Führer der englischen Gildensozialisten, über die „Selbstverwaltung in der Industrie" (Verlag Hans Robert Engel mann, Berlin 1921, 271 Seiten, 40 Mk.) und das Werk von Paul Mombert: Einführung in das Stu¬ dium der Konjunktur (Verlag G. A. Glöckner, Leipzig 1922, 226 Seiten, 60 Mk.). Zu C o 1 e s Buch hat Rudolf H i 1 f e r d i n g eine lichtvolle Einleitung geschrieben, in welcher er aufzeigt, daß es sich bei dem Gildensozialismus lim eine bedeutende und aller Voraussicht nach historisch entscbeidungsvolle Geistesströmung handelt, welche es nötig mache, daß das Werk eines der bedeutendsten Re¬ präsentanten dieser Bewegung, wic es C o 1 e ist, auch der deutsch sprechenden Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde. Paul Monibert hinwiederum beschäftigt sich mit dem leider allzu aktuellen Thema der „Krisen" in wissen-* schaftlich gründlicher und methodischer V/eise. Er be« reichert nicht etwa das Repertoire der verschiedenartigen „Krisentheorien" um eine neue Variaute, sondern begnügt sicli damit, in einem einleitenden Kapitel eine kurze Dar¬ stellung der bisherigen Lehrmeinungen über Krisentheorien zu geben, um dann der Hauptsache nach die Praxis des wirtschaftlichen und sozialen Lebens, wie es sich unter dem Einfluß des Konjunkturwandels, des Herannahens, Wirksam¬ werdens und Wiederverschwindens der Krisen langsam bildet und wieder umgestaltet, in allen möglichen Einzel¬ heiten nach einem geordneten System zu. beschreiben. Nicht aiso um das logische Werden der Krisen und ihres Widerspiels, der Konjunktur, handelt es sich dem Verfasser, sondern um die Beschreibung des Inhalts der Vor¬ gänge in und während der Konjuktur- und Krisenzeiten. Er trägt eine reiche Fülle von Material zusammen, das man vielleicht verschieden werten und von unserem sozialisti¬ schen Standpunkt aus anders beurteilen kann. Aber auf jeden Fall verdient der Fleiß und der Aufwand von Mühe, die an dieses wertvolle Werk gewendet wurden, all» gebührende Anerkennung. I. h. ? Eingelaufene Bücher Protokoll des Parteitages der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Görlitz 1921. (J. H. W. Dietz, Stuttgart, und „Vorwärts", Berlin, 1921, 412 Seiten, 30 Mk.) Ludwig Fischer: Betriebserfindungen. (2. Auflage, Karl Heymanns Verlag, Berlin 1921, 59 Seiten.) Viktor Noack: Taschenbuch für Kommunalpolitiker, (.1. H. W. Dietz, Stuttgart, und „Vorwärts", Berlin, 1922, 340 Seiten. 35 Mk.) Max Schippel: Die Praxis der Handelspolitik. (2. Auf< läge, Verlag für Sozialwissenschaft, Berlin 1922, 136 Selten. 18 Mk.) Clemens Nörpel: Aus der Betriebsrätepraxis. 1. Teil, (1. H. \V. Dietz, Stuttgart, und „Vorwärts", Berlin, 1922, 102 Seiten. 15 Mk.) Clemens Nörpel: Betriebsräte im Aufsichtsrat. (Verlags« gesellschaft des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts« bundes, Berlin 1922, 27 Seiten, Mk. 7-50.) Clemens Nörpel: Betriebsrätegesetz und Gewerbe- und Kaufmannsgerichtsbeisitzer. (Verlagsgesellschaft des All« gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Berlin 1922, 56 Seiten. 9 Mk.) Karl Marx: Die Inauguraladresse der Internationalen Ar« beiterassoziation. (.!. H. W. Dietz, Stuttgart, und „Vor« wärts", Berlin, 1922, 48 Seiten, 10 Mk.) Karl K o r s c h: Quintessenz des Marxismus. (Vereinigung: Internationaler Verlagsanstalten, Berlin und Leipzig 1922, 24 Seiten. Mk. 4-40.) Das neue Arbeitsrecht. (Deutscher Textilarbeiterverband, Berlin 1922, 70 Seiten.) Sämtliche der vorstehend genannten Bücher sind zu beziehen durch die Volks« b u c h h a n d 1 u n g, Wien VI, Gumpendorfe r« Straße 18. ni iim rtfWiitiMTtufiiTiiffcniiTfrn Druckfahtsrberlchtlgung In Nummer 5 haben sich einige sinnstörende Druck« fehler eingeschlichen, von denen wir namentlich den folgenden berichtigen wollen. Auf Seite 66, Spalte 1, muß der, zweite Absatz von unten richtig lauten: „Die anzuwendenden Maßregeln sind zweisrlei Art. Einmal handelt es sich urrt solche sozialpolitischer Natur, die den Schutz der InV ländischen Arbeitskraft berühren, und dann handelt es sich um solche, welche den finanziellen, volkj-! wirtschaftlichen Kern der Krise betreffen, welche also die Lösung der Krise selbst zum Problem stellen." Druck: „Vorwärts", Wien V.