VarsandgabQhr bar buahH. 3' IIIIIIItI81IlK181IIIft Organ der Gewerkschsftskommisslon Beutschfisterreichsf�rdiefreigewerk- schaftlich orgar. r- srien Betriebsr�te Md Vertiauensir.�nner und f�r die Beisitzer der Einigungs�mter und �nvii/KrtuiGewerbegerichtet/KAiAi/xA Mitteilungsblatt der Kammern f�r Arbeiter und Angestellte �um Erscheint jeden zweiten Diensten MlillllllllHf�llSn L 2. Jahrgang Wien, 28. November 1922 Eigent�mer, Herausgeber u. Verleger: finion Hueber. Sekret�r v> Solidarisch verantwortliche Schriftleiter: Edu:rd Straas und Dr J Hannak; s�mtliche in Wien !, Ebendorferstra�e 7 �tyiv> nummer 800 Kronen tn m i/i Hummer 18 inhalf J. Hannak: Der Wandel der agrarischen Zollpolitik. Leo Verkauf: Von der �sterreichischen Sozialver� sicherung. (Schlu�.) Volkswirtschaft. Edmund Palla: Die Statistik im Dienste der Arbeiterbewegung. Sozialpolitik. Karl S i e g 1 (Betriebsrat): Abbau Gewerkschaftliches. Anton P r o k s c h: Die Gewerk� schaftsinternationale. Technik und Wirtschaft. Alois Berger (Knittelfeld): Das Taylor-System. (Schlu�.) J�eirlebsr�ttlche Praxis. Eduard Straas: Aus der Werk� st�tte eines Betriebsrates. � Ludwig Safier (Betriebs� rat): Ein Versuch zur L�sung der Abbaufrage. � Franz Kern stock (Betriebsrat): Geistige Aufgaben der . Betriebsr�te. Arbeiterrecht. Richard Frankel: Das Streik recht der . Betriebsr�te und Arbeiter. � Verk�rzte Arbeitszeit und Urlaubsentgelt. Bildung und Erziehung. F. Marbach (Bern): Reiorm der proletarischen Bildungsarbeit in Italien. B�cherschau. Sozialwissenschaftliche Literatur. � Einge� laufene B�cher. Der Wandel der agrarischen Zollpolitik Schon einige Jahre vor dem Erscheinen seines gro�en Werkes �ber das Finanzkapital hat Rudolf Hilferding in der �Neuen Zeit" einen Aufsatz �ber den Funktionswechsel des Schutzzolles ge� schrieben, dessen Ausf�hrungen in den folgenden Worten gipfeln: Jene atomistische Betrachtung1), welche die einzelnen Zollpositionen unter die Lupe nimmt, welche eine Harmonie konstruieren will zwischen Kapitalisten und Arbeiter desselben Produktionszweiges, der durch den Schutzzoll vor der ausw�rtigen Konkurrenz beh�tet werden soll; welche die preis� steigernde Wirkung nur f�r ein vor�ber� gehendes �bel h�lt, das durch vermehrte Be� sch�ftigung der einheimischen Arbeiterschaft mehr als gutgemacht wird: diese Betrachtung �bersieht ganz die Einheit und damit das Wesen der modernen Handelspolitik. Ihre Argumentation, vielleicht berechtigt in ge� wissen Stadien der kapitalistischen Entwick� lung, ist ganz verfehlt gegen�ber der jetzigen Ph�S� (�Neue Zeit". 1902/03, II, Seite 279.) *) In kleine und kleinste Teile zerlegende Betrach� tung, die auf die gro�en Zusammenh�nge keine R�cksicht aimrnt (Dia ReiLi F�r jene l�ngst �berwunden geglaubte �atomi� stische Betrachtung" sind jetzt wieder gute Tage gekommen, ihr Weizen bl�ht bei uns aufs neue. Ihr begeisterter Nutznie�er ist die Regierung Seipel, die den Ruhm f�r sich beanspruchen kann, die �ster� reichische Volkswirtschaft mit einer Zollpolitik heim� zusuchen, die nicht dem Schutze dieser Volks� wirtschaft dienen soll, sondern ihrer Ausbeut ti n g! Eine Zollpolitik fast ausschlie�lich aus dem Gesichtspunkt des Finanzzolles*) aufzubauen, diesen Wandel in der Funktion der Z�lle hat Hilterding noch nicht vorhersehen k�nnen. Der fiskalische (rein auf Staatseinnahmen zu� geschnittene) Charakter des Planes, einfach zu den Zolls�tzen von 1906 zur�ckzukehren, geht schon aus folgender Erw�gung hervor: Gemeiniglich f�hrt man den Schutzzoll doch zu dem Zwecke ein, die heimische Produktion zu st�tzen, also zu verhindern, da� ausl�ndische Konkurrenzprodukte auf den in� l�ndischen Markt dringen. Dieser Schutz schlie�t nat�rlich einen nennenswerten Profit der Staats� finanzen aus. Gerade um diesen Profit ist es aber den Seipel-Kienb�ck zu tun. Bildet er doch die Grundlage f�r die Verpflichtungen, die Seipel in Genf �bernommen hat. Die Regierung will und kann die ausl�ndische Einfuhr gar nicht verhindern, sondern will sie nur verteuer n. Sie k a n n sie nicht ver� hindern, weil die Einfuhr zum gro�en Teil Lebens� notwendigkeit f�r die �sterreichische Volkswirtschaft ist, und sie will sie nicht verhindern, weil ja, wie gesagt, die gesteigerten Zolleinnahmen eine der Grundvoraussetzungen f�r die Genfer Kredite sind. Die Sinnlosigkeit des blindw�tigen Hinauf- nutnerierens sozusagen schon abgestorbener Zoll- Positionen � die M�glichkeit zu diesem Hinauf� numerieren soll ja der Regierung durch das zwei� j�hrige Erm�chtigungsgesetz gegeben werden � zeigte sich sofort sehr deutlich in dem radikalen Vor� sto� der Agrarier, die an dem der �sterreichischen Volkswirtschaft geltenden Leichenschmaus des Fiskus � nichts anderes als das w�re ja die blinde �ber� nahme des Zolltarifs der alten Monarchie gewesen � geh�rig mitnaschen wollten. Ais im Fr�hjahr der Finanzminister G ii r 11 e r dem Parlament ein g�nzlich neues Zollgesetz von freilich sehr schlechter Qualit�t vorlegte, brachten die Agrarier die angenehmste �berraschung: mit fliegenden Fahnen eilten sie damals aus dem f�r sie *) Finanzz�lle sind Z�lle, die nicht dem Schutz einet einheimischen Industrie, sondern nur der Erh�hung staat-< licher Hinnahmen dienen.