DER BETRIEBSRAT 269 wMm j ßus dein Gewerkschafiste&cn $ HI Die Gswcrkschaftsinternationale Der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiter¬ bewegung ist besonders in den germanischen Ländern gleich von Anbeginn das Streben eigen, über die Grenzpfähle des eigenen Landes hinaus das Zusammenwirken mit den ausländischen Kameraden zu suchen. Für die sozialistischen Parteien gilt dieses Streben von vornherein. In den Ländern mit einer von konservativen Ideen getragenen Gewerk¬ schaftsbewegung sehen wir diesen Gedanken dann er¬ wachen. wenn sie zu einer revolutionären Bewegung wird, das heißt als eine ihrer Aufgaben die Überwindung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und ihre Ersetzung durch die sozialistische Wirtschaftsform ansieht. Vor dem Kriege war die Internationale der sozia- stischen Parteien die Trägerin des Gedankens des Inter¬ nationalismus. und auf den Kongressen der politischen Internationale wurden auch die internationalen Angelegen¬ heiten der freien Gewerkschaften erledigt. Daneben fanden von Fall zu Fall internationale Konferenzen der Sekretäre der gewerkschaftlichen Landeszentralen statt, meist im Anschluß an einen Landeskongreß. Im Verlauf des Krieges änderte sich dieses BiM. Die politische Internationale war zur Untätigkeit verurteilt. Die Gewerkschaftsinternationale errichtete Zweigbüros in Amsterdam und Paris» und in weiterer Folge tagte die Konferenz von Leeds im Jahre 1917. Auf diesir Kon¬ ferenz waren freilich nur Vertreter der Gewerkschaften uer Ententestaaten und einiger neutraler Länder anwesend. Nach dem Kriege führte das unermüdliche Bemühen der Sekretäre der Zweigbüros im Februar 1919 zur Konferenz von Bern, in der schon über die Wiederaufrichtung der .'cewerkschaffliehen Internationale gesprochen wurde. Auf tiein Internationalen Gewerkschaftskongreß in Amsterdam, zu dem aui Grund der Berner Beschlüsse alle vor dem Kriege der Gewerkschaftsinteruationale angeschlossenen Landeszentralen eingeladen waren, wurde der Inter¬ ne, iionale Gewerkschaftsbund wieder aufgerichtet und hat seither nicht nur in Worten, sondern auch durch gewichtige Taten die imperialistische und arbeiterfeindliche Politik der verschiedenen Staaten beeinflußt Es sei hier nur an den Bpykott gegen Ungarn, den Kampf gegen die Waffen- sendungen an Polen und die Aktion gegen die Besetzung des Ruhrgebietes erinnert. Die Hilfsaktion für das hungernde Proletariat Österreichs und für die Hungernden Rußlands zeigen das Wirken des Internationalen Gewerk¬ schaftsbandes noch in anderer Richtung. Dem Kampfe gegen jeden Krieg gilt die Tätigkeit des Internationalen Gewerkschaftsbundes im besonderen. Sein Wirken in dieser Beziehung ist um so bedeutungs¬ voller, als die politische Internationale lange nicht über eine ähnliche Schlagkraft verfügt. Nach dem Kriege bildet sich neben der Londoner Internationale die der Kommu¬ nisten in M >Si\au und daneben gründeten die deu beiden Internationalen ferngebliebenen sozialistischen Parteien im Jahre 1921 in Wien die Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Parteien. In drei Lager sind die Arbeiter in politischer Be¬ ziehung gespalten. So kommt der Einheit der im Internatio¬ nalen Gewerkschaftsbund vereinig;-'»« Organisationen um so größere Bedeutung zu. Unwillkürlich drängt sich die Frage auf, ob die Arbeiterklasse die Macht haben werde, einen neuerlichen August 1914 zu verhindern, ob sie imstande sein werde, den imperialistischen Bestrebungen der Weitbeherrscher genügenden Widerstand zu leisten. Auf diese Fragen mit einer genauen Vorhersage antworten zu wollen, wäre töricht, viel deutlicher sprechen Zahlen. In dem vor kurzem erschienenen „Ersten Jahrbuch des Internationalen Gewerksehaftsbundes" finden wir treffliches Material, welches uns den ungeahnten Aufstieg der Gewerkschaftsinternationale in den letzten Jahren zeigt. Nachstehend seien deshalb die Zahlen über die Stärke der dem Internationalen Gewerksc'naflsbund angeschlosse¬ nen Landeszentralen für die Jahre 1904, 1913, 1919 und 1921 wiedergegeben. 1904 ist das Jahr der ersten aus¬ führlichen Statistik, 1913 das letzte Vorkriegsjahr, 1919 das Jahr der Wiederaufrichtung des Internationalen Gewerk¬ schaftshundes und 1921 das letzte Berichtsjahr. Mitgliederstand 1904 1913 ,052.108 2,525.042 469.590 967.257 260.102 327.302 205.651* 423.970' Land Deutschland . 1 Englan'd • « . : Italien Deutschösterreich Tschechoslowakei Frankreich . - • 158.000 592.447 Belgien .... 20.000 126.745 Polen — - Schweden . . . 81.736 97.225 Dänemark • • . 67.503 114.289 Spanien .... 56.900 127.804 Schweiz ..... 32.000 80396 Holland . . . .i 6.671 85.796 Griechenland • • i — — Kanada .... — — Ungarn . . . .: 53 169 107.488 Norwegen . . . 9.043 63.812 Argentinien • .i — — Jugoslawien • • 2 932 20.060 Südafrika ... — Peru — Lettland .... — Luxemburg . o — Bulgarien • • . 1.672 VereinigteStaaten — 1,996.004 Finnland - - • • — 28.021 Rumänien ... — 9.708 In den Jahren rülii 7,338.000 5,283.676 1,159.042 662.841 727.055 2.048.221 629 736 252.793 258.996 277.392 223.588 211.342 259.532 160.605 212.408 143.956 39.683 20.000 21.000 3v2feQ.Oe8 59.470 192t 8,417.200 6,559.933 1.200.000 1.079.777 827.761**1 756.243 698.384 365.190 313.208 242.545 240.113 225.822 223.718 170.000 164.883 152.577 95.927 74.958 50.000 50.000 25.000 22.60X 20.966 14.803 Summe • - 2,477.077 7,730.389 23308.874 21,991.615 1921 sind für die Vereinigten Staaten keine Ziffern angeführt, da die „American Federation of Labor", die unter der Führung Gompers' sieht, aus dem internationalen Gewerkschaftsbund mit dem Begründen ausgetreten ist, daß sie mit dem sozialistischen Wirken desselben nicht einverstanden sei. In Rumänien wurde die Gewerkschafts¬ bewegung ebenso wie die politische Arbeiterbewegung zerschlagen und jede Regung wird durch die Behörden und besondere Gesetze unterbunden. Die Stärke und Größe des Internationalen Gewerkschaftsbundes wird noch augen¬ scheinlicher. wenn wir seine Stärke mit jener der anderen Gewerkschaftsrichtungen vergleichen. In 34 von der Statin stik erfaßten Ländern entfallen: Freie Gewerkschaften (Internatio¬ naler Gewerkschaftsbund) • • • 22,411.826* Konfessionelle Organisationen . . 3,759.106 Syndikalistische Organisationen • • 1,254.217 Kommunistische Organisationen • . 7,069.000 Neutrale Organisationen 6,577.649 Verschiedene Organisationen • . . 5.201.334 Summe • • 46,273.132 48*44 8-12 2-71 15-28 14-21 11-24 _ 100-00 Dazu muß jedoch bemerkt werden, daß von dett 7,069.000 Mitgliedern der kommunistischen Gewerkschafts- organisationen auf Rußland allein, das keine andere Rich¬ tung duldet, 6.857.H00 Mitglieder entfallen. 200.000 Mit¬ glieder weisen die kommunistischen Organisationen Jugo¬ slawiens auf und die restlichen 12.000 wurden in Bulgarien gezählt. Von den 3,759.106 Mitgliedern der konfessionellen Gewerkschaften entfallen auf Deutschland allein 1,819.718. denen aber dafür 8.417.200 freigewerkschaftlich organisiert® Arbeiter und Angestellte gegenüberstehen. * Die hiei^ angeführten Zahlen beziehen sich auf das Gebiet Gesamtösterreichs. Für das Gebiet Deuischöster- reichs lauten die Ziffern für das Jahr 1904: 104.920 und für 1913 : 253.137. ** Stand vom 3L Dezember 1920. *** In dieser Zahl sind die 403.211 Mitglieder des Deutschen Gewerkschaftsbundes der Tschechoslowakei inbegriffen. Diese Landeszentrale gehört dem Internatio¬ nalen Gewerkschaftsbund deshalb nicht an, da nur eine Landeszentrale jedes Landes dem Internationalen Gewerk¬ schaftsbund angeschlossen sein kann. Sie entsendet aber zu den K"ngi essen ihre Vertreter zu Informationszweckcn und komm! allen Beschlüssen ..nd Forderungen des Inter¬ nationalen Gewerkschaftbundes nach. Weiters sind in dieser Zahl die 17.000 Mitglieder jener Gewerkschaften Indiens inbegriffen, die dem Bund ebenfalls nicht angeschlossen sind, aber ebenfalls auf* freigewerkschaftlieher Grundlage stehen.