triebliche Funktionen (Teile der Fertigung, Forschungseinheiten, Marketingaktivitäten, regionale Konzernzentralen usw.) von größeren Unternehmungen. Zwischen unterschiedlichen Regionstypen findet eine funktionelle Arbeitsteilung statt. In großen Städten konzentrieren sich jene Aktivitäten, für die das Urbane Umfeld spezifische Standortvorteile (Verfügbarkeit von hochqualifiziertem Humankapital, ho¬ he Informationsdichte, gemeinsam nutzbare Infrastruktur etc.) bietet, vor allem die Schaffung, Be- und Verarbeitung von Informationen. Es ist die Ballung komplementä¬ rer Aktivitäten, die zu den genannten externen Größenvorteilen hochrangiger Stadt¬ zentren führt. Diese .erworbenen' Standortvorteile dynamischer Art können weitere Akteure anziehen und auf diese Weise selbstverstärkend wirken. Daher sind in Be¬ reichen wie der hochtechnischen Fertigung und den Informationsdienstleistungen, wo diese Externalitäten in besonderem Ausmaß zum Tragen kommen, die Aus¬ gangsbedingungen relevant für die langfristige sektorale, branchenbezogene und funktionelle Spezialisierung einer Stadtwirtschaft. Anders ausgedrückt, die Entwick¬ lung verläuft pfadabhängig. Obwohl die verstärkte Ausrichtung auf Humankapital und Informationsvorteile ein gemeinsames Kennzeichen aller europäischen Großstädte ist, bedeutet dies aus den obigen Gründen keineswegs, daß sich deren Wirtschafts¬ strukturen zwangsläufig weiter angleichen. Die aus den externen Größenvorteilen resultierende Pfadabhängigkeit der strukturellen Entwicklung bringt innerhalb des europäischen Städtesystems unterschiedliche Spezialisierungsmuster hervor. Wie aus einem Vergleich von 37 westeuropäischen Metropolen hervorgeht, den Mayerhofer (2000c) anstellt, zählt Wien zu jenen europäischen Großstädten, die eine hohe Konzentration von Öffentlichen und Sozialen (Gesundheits- und Bildungswe¬ sen) Diensten aufweisen, die ganz oder überwiegend durch Steuern und Abgaben finanziert werden. Marktmäßige Dienstleistungen sind hingegen nur unterdurch¬ schnittlich vertreten. Die besonders intensive Verflechtung zwischen Fertigung und Wirtschaftsdiensten, die für dynamische Industriezentren typisch ist, wird in Wien nicht erreicht. Zudem sind diese Dienste wegen ihrer ganz überwiegend kleinbetrieb¬ lichen Struktur26 zu wenig auf die internationalen Märkte ausgerichtet, um Wien eine Position als internationales Zentrum für diesen am schnellsten expandierenden Dienstleistungsbereich zu ermöglichen. Relativ stark vertreten sind in Wien im euro¬ päischen Vergleich das Verkehrs- und Nachrichtenwesen sowie das Bank- und Ver¬ sicherungswesen, wobei beides eher Ausdruck einer starken Stellung Wiens im na¬ tionalen Städtesystem als einer erfolgreichen Profilierung als international bedeuten¬ der Standort ist. Alles in allem entspricht die sektorale und subsektorale Beschäfti¬ gungsstruktur Wiens in hohem Maße dem Durchschnitt der europäischen Großstäd¬ te, strukturelle Besonderheiten sind wenig ausgeprägt. Trotz geringer sektoraler und branchenmäßiger Spezialisierung ist die Beschäfti¬ gungsentwicklung Wiens im Vergleich der westeuropäischen Großstädte überdurch¬ schnittlich; dies gilt für den gesamten Untersuchungszeitraum 1975-95, besonders aber für den Abschnitt 1985-95. Für die Wertschöpfung ergeben sich noch größere Wachstumsvorteile. Die Anwendung der Shift-Share-Ana\yse27 führt zu dem Ergeb¬ nis, daß der Wiener Wachstumsvorsprung 1975-95 gegenüber dem europäischen Durchschnitt im Zeitraum 1975-95 aus einem leicht positiven Struktureffekt und ei¬ nem geringfügig negativen Regionaleffekt resultiert. Dazu ist zu bemerken, daß der positive Struktureffekt im Zeitablauf tendenziell abnahm, während sich der Regiona¬ leffekt ins Positive kehrte. Hierin kommt offensichtlich die nach der Ostöffnung we¬ sentlich bessere wirtschaftsgeographische Lage Wiens zum Ausdruck. Die ökono- metrische Querschnittsanalyse bestätigt die Bedeutung des Bevölkerungsanstiegs und der Ostöffnung für die relativ günstige Entwicklung des Wiener Dienstleistungs¬ sektors 1985-95. 15