Wenig komplexe Arbeiten mit nur geringer Qualifikationsanforderung können problemloser auf mehrere Personen aufgeteilt werden. Sie eignen sich daher weit besser für diese Beschäftigungsform. Gerade die Bereiche Handel, Beherbergungs¬ und Gaststättenwesen sowie die persönlichen Dienste sind auch jene mit weit unterdurchschnittlich qualifizierten Beschäftigten (Lassnigg/Prenner 1998). Ebenso ist bei den unternehmensbezogenen Diensten und dem Gesundheitswesen zu vermuten, daß eher einfache (Büro)Tätigkeiten durch geringfügig Beschäftigte übernommen werden. Eine zentrale Fragestellung bei der Beurteilung zukünftiger Entwicklungspotentiale der Wiener Gesamtbeschäftigung wird sein, ob und in welcher Form herkömmliche Vollzeitarbeitsplätze durch atypische Beschäftigungsformen ersetzt werden. Die vorliegenden Untersuchungsergebnisse erlauben in einfacher Form auf Substitutionseffekte durch geringfügige Beschäftigung einzugehen, indem die Entwicklungsverläufe der beiden Beschäftigungsformen gegenübergestellt werden. Dabei zeigt sich insbesondere im Handel und bei den persönlichen Diensten eine unterschiedliche Entwicklung von geringfügiger und nicht geringfügiger Beschäftigung - erstere ist kräftig im Steigen begriffen, zweitere nimmt hingegen verstärkt ab. Das kann als deutliches Zeichen für Substitution gewertet werden. Die durch die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten im Einzelhandel entstandene zusätzliche Beschäftigungsnachfrage wurde überwiegend mit geringfügig Beschäftigten gedeckt. Bei den persönlichen (arbeitsintensiveren) Diensten kommt eher die Problematik der hohen Besteuerung des Faktors Arbeit und die dadurch zunehmende Attraktivität der Schattenwirtschaft zum Tragen. Der vermehrte Einsatz geringfügig Beschäftigter kann hier gleichsam als Kompromissvariante betrachtet werden. Entsprechend den unterschiedlichen Beweggründe des vermehrten Einsatzes geringfügig Beschäftigter, stellt sich auch ein allfälliges Alternativszenario dar. Die Entwicklung der nicht geringfügig Beschäftigten im Einzelhandel hätte sicherlich einen positiveren Verlauf genommen, wären entsprechende Maßnahmen zur Eindämmung geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse gesetzt worden. Dagegen ist zu vermuten, daß restriktive Regelungen bei den persönlichen Diensten nur mäßig positive Effekte für die Beschäftigungsentwicklung erzielt hätten. Vielmehr wäre dadurch die Erbringung persönlicher Dienstleistungen noch mehr in die Grauzone der Schattenwirtschaft verlagert worden. Anders stellt sich die Situation bei einer Gegenüberstellung der Entwicklungsverläufe geringfügiger und nicht geringfügiger Beschäftigung im Beherbergungs- und Gaststättenwesen, den unternehmensbezogenen Diensten und dem Gesundheitswesen dar. In allen drei Bereichen expandierte sowohl die geringfügige als auch die nicht geringfügige Beschäftigung. Zwar sind auch hier Substitutionseffekte nicht von vornherein auszuschließen - immerhin nahm die geringfügige Beschäftigung in weit stärkerem Ausmaß zu als die übrige. Der gestiegene Beschäftigungsbedarf wurde jedoch nicht ausschließlich über geringfügige Beschäftigungsverhältnisse abgedeckt. Besonders für unternehmensbezogene Dienste und das Gesundheitswesen gilt, daß viele Tätigkeitsbereiche mit hohem Qualifikationsbedarf einfach nicht mit geringfügig Beschäftigten besetzt werden können. Im Tourismus und Gastgewerbe weisen die beiden Beschäftigungsverläufe allerdings darauf hin, daß auch hier die Tendenz in Richtung Ausbau der geringfügigen Beschäftigung geht. 47