8. Arbeitslosigkeit in Wien Wie im einleitenden Überblick (Abschnitt 2) der vorliegenden Studie kurz dargestellt, kann die Situation des Wiener Arbeitsmarktes als durchaus problematisch bezeichnet werden. Seit beinahe zwei Jahrzehnten erhöht sich nunmehr die Zahl der als arbeitslos gemeldeten Personen, die Arbeitslosenquote war bis 1998 kontinuierlich im Steigen begriffen. Obwohl mittlerweile Bedeutung und Tragweite der Arbeitslosenproblematik weitgehend auch von der Politik wahrgenommen werden und durch unterschiedliche arbeits- und beschäftigungspolitische Maßnahmen versucht wird, der hohen Arbeitslosigkeit gegenzusteuern, ist Wien stärker denn je mit Ungleichgewichten am Arbeitsmarkt konfrontiert. Die Ursachen für ungleichgewichtete Arbeitsmärkte können freilich unterschiedlichster Natur sein. Viele verschiedene Faktoren beeinflussen das Ausmaß der Arbeitslosenquote. Um die Komplexität des Problembereichs nur kurz darzustellen, sei an dieser Stelle auf Pichelmann (1998) verwiesen, der "Veränderungen in der Arbeitslosenquote als das Endergebnis der dynamischen Interaktion der Ströme in/aus Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Nichtpartizipation am Arbeitsmarkt" sieht. "Rein mechanisch betrachtet wirken das Ausmaß der zyklischen Schwankungen der Produktion, die Reaktion der Beschäftigungsnachfrage auf Outputschwankungen und die zyklische Variabilität des Arbeitsangebots zusammen. Schließlich dämpft auch die konjunkturelle Reagibilität der Reallöhne die Schwankungen von Produktion und Beschäftigung."36 Damit ist recht anschaulich dargelegt, daß der hier zu behandelnde Themenbereich selbst unter rein ökonomischem Gesichtspunkt vielschichtiger Natur ist und sich nur schwer auf einige wenige Dimensionen reduzieren läßt. In der vorliegenden Untersuchung kann und soll aber aus nachvollziehbaren Gründen keine umfassende Arbeitsmarktanalyse durchgeführt werden. Vielmehr soll der Schwerpunkt auf strukturelle Merkmale der Arbeitslosigkeit gelegt werden. Die vom Arbeitsmarktservice zur Verfügung gestellten Arbeitsmarktdaten erlauben, in weitgehender Übereinstimmung mit den in den vorhergehenden Abschnitten untersuchten Ausprägungen, eine Unterscheidung der in Wien als arbeitslos gemeldeten Personen nach Geschlecht, Wirtschaftsklasse, Beruf, Alter, Bildung, Staatsbürgerschaft sowie zusätzlich nach der Vormerkdauer. Darüber hinaus kann auf die Zahl der als offen gemeldeten Stellen zurückgegriffen werden, die wiederum anhand der wichtigsten der zuvor genannten Ausprägungen (insbesondere der Wirtschaftsklassen) der Zahl der Arbeitslosen gegenübergestellt werden kann. Es stehen insgesamt vier Zeitpunkte zur Verfügung (1987, 1992, 1996 und 1997), anhand derer die Entwicklung innerhalb der letzten zehn Jahre skizziert werden soll. Schlußendlich verbleibt noch der technische Hinweis darauf, daß alle im weiteren angeführten Arbeitslosenquoten sich auf die Zahl der beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger gemeldeten unselbständigen Beschäftigten beziehen. 8.1 Sektorale Analyse Während sich die durchschnittliche Arbeitslosenquote von 1987 auf 1997 um 3,1 Prozentpunkte erhöhte, stieg sie in der Sachgüterproduktion um 6,7 und im Bauwesen um 4,6 Prozentpunkte. Der Dienstleistungsbereich verzeichnete mit 2,8 Prozentpunkten den niedrigsten Zuwachs. Dieser unterschiedliche 36 Pichelmann (1998). 86