Liberalisierung �ffentlicher Dienstleistungen 8 der ArbeitnehmerInnenschaft an sozialen Dienstleistungen. Dieser Interessenswandel hat mehrere Ursachen. Eine wesentliche Ursache findet sich in der zunehmenden Exportorientierung des Realkapitals und der damit korrespondierenden Internationalisierung ihrer Unternehmensaktivit�ten. F�r die zunehmend internationalisierte Gro�industrie verliert der Inlandsmarkt als Absatzgebiet daher an Bedeutung. Damit einher geht ein sinkendes Interesse an der Aufrechterhaltung umfangreicher sozialer Dienste mit der Ausnahme des Bildungswesens, genauso wie die Lohnpolitik der Unternehmen generell st�rker kostenorientiert gestaltet wird. Zugleich findet eine Finanziarisierung v.a. der gro�en, international agierenden Unternehmen statt. Sie erzielen einen signifikant h�heren Teil ihrer Ertr�ge aus Finanzanlagen. Ihre Interessenlage ist daher nicht mehr so eindeutig auf reale Akkumulation ausgerichtet. Dazu gewinnt der Verteilungskampf zwischen Industrie und ArbeitnehmerInnen um zunehmend knappe �ffentliche Finanzmittel zur Finanzierung �ffentlicher G�ter an Sch�rfe. Das im Wohlfahrtsstaat weitgehend komplement�re Verh�ltnis von physischer zu sozialer Infrastruktur wird zunehmend ein substitutives. Entweder werden mit den �ffentlichen Geldern soziale Dienstleistungen finanziert, oder es wird der Wirtschaftsstandort gef�rdert, indem die Verkehrs-, Telekommunikation, Energieinfrastruktur etc. ausgebaut wird. Die teilweise Umwidmung der Mittel des sozialen Wohnbaus zur �ffentlichen Infrastrukturfinanzierung in �sterreich ist daf�r ein anschauliches Beispiel. Eine andere Form dieses Verteilungskonflikts findet sich in der durch die Liberalisierung von Telekommunikation oder Energie ge�nderten Tarifstruktur. Waren im Wohlfahrtsstaat die Tarife f�r private Haushalte und Unternehmen zwar verschieden, aber vergleichsweise geringf�gig, so konnten die Unternehmen aus der Liberalisierung dieser Dienste eine ungleich gr��ere Preissenkung lukrieren, w�hrend die Preisreduktionen f�r die privaten Haushalte geringer ausfielen (Telekommunikation) oder weitgehend ausblieben (Energie). Die dadurch entstandene Spreizung der Tarifstruktur f�hrt zu einer regressiven Umverteilung zwischen Unternehmen als Gro�verbraucher und privaten Haushalten. Der Liberalisierungs- und Privatisierungsprozess hat dar�ber hinaus zur Entstehung bzw. St�rkung einer weiteren Kapitalfraktion, n�mlich des Dienstleistungskapitals gef�hrt. Dazu z�hlen neben den liberalisierten Sektoren wie Telekom, Energiewirtschaft, Post- und Kurierdienste, insbesondere der Handel, das Gewerbe, der Immobiliensektor, die unternehmensbezogenen Dienste wie Unternehmensberatung, Wirtschaftspr�fung, Marketing, Werbung etc., sowie die pers�nlichen Dienste wie etwa Sicherheits- oder Reinigungsdienste. Die Funktionslogiken und darauf aufbauend Interessen von privaten Dienstleistungsunternehmen stehen in einem wesentlich st�rkeren Gegensatz zu jenen der ArbeitnehmerInnen. Kapitalkosten sind im Bereich der Dienstleistungen meist relativ gering. Demnach sind L�hne hier der prim�re Kostenfaktor, gleichzeitig wird ein h�heres Ma� an Flexibilit�t von der Arbeitskraft eingefordert. Daher ist die Gewerkschaftsfeindlichkeit im Dienstleistungssektor auch besonders ausgepr�gt. Im Hinblick auf soziale Dienstleistungen wie z.B. Kinder- und Altenbetreuung, Freizeit- und kulturelle Aktivit�ten etc. gibt es ganz klare Gesch�ftsinteressen von Dienstleistungsunternehmen, welche eine Liberalisierung dieser Bereiche mittels Ausschreibungen, Public Private Partnerships u.�. daher aktiv betreiben. In bezug auf Gesundheit, Alterssicherung, Unfall u.a. steht das Kostenargument zunehmend im Vordergrund, bzw. werden daher die Kommerzialisierungs- und Privatisierungsinteressen des Finanzkapitals unterst�tzt. Die �Entfesselung� des im beiderseitigen Einvernehmen zwischen Industrie und ArbeitnehmerInnen geb�ndigten Finanzkapitals sowie die damit in engem Zusammenhang stehende starke Bedeutungszunahme des Dienstleistungskapitals markieren also den st�rksten Unterschied des herrschenden Wettbewerbsstaats zum wohlfahrtsstaatlichen Modell. Festzustellen ist auch, dass die