Studie_________________________________________________________________________________________ Gemeinsame Tendenzen der Auswirkungen von Liberalisierung und Privatisierung auf ArbeitnehmerInnen in öffentlichen Dienstleistungen Trotz der länder- und branchenspezifischen Unterschiede in der Liberalisierung und Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen sind eine Reihe von gemeinsamen Tenden- zen feststellbar. Diese beziehen sich vor allem auf das Beschäftigungsvolumen, die Einkommen, die Arbeitszeit, die Arbeitsbedingungen und Beschäftigungsverhältnisse, sowie auf die Interessenvertretung der Beschäftigten. Umfangreicher Personalabbau in allen Sektoren ? Der Personalabbau beträgt in den meisten untersuchten Bereichen in den ersten 10 Jahren nach der Liberalisierung/Privatisierung bis zu 50%. ? Der Personalabbau kann auf sogenannte sozialverträgliche Weise durchgeführt wer- den. MitarbeiterInnen werden durch spezifische Maßnahmen wie Frühpensionierun- gen und über die gesetzlichen Verpflichtungen hinausgehende Abfertigungen (golden handshakes) aufgefordert, das Unternehmen zu verlassen. Ob auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet wird, hängt von der Stärke der Gewerkschaften, den staatlichen Rahmenbedingungen und auch dem Druck der öffentlichen Meinung ab. Viele Beschäftigte sehen sich aufgrund der Veränderungen gezwungen, das Unternehmen freiwillig zu verlassen. ? Personalabbau kann auch über betriebsbedingte Kündigungen erfolgen. Dies scheint aber, mit Ausnahme Großbritanniens, selten zu sein. Die Androhung betriebsbe- dingter Kündigungen wird aber immer wieder eingesetzt, um von den Gewerkschaf- ten und den ArbeitnehmerInnen Zugeständnisse zu erreichen. In Österreich wurden bisher nur bei der Post betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen ? In vielen Bereichen werden auch die Ausbildungsstellen für Lehrlinge massiv gekürzt (BRD:Deutsche Bahn und Deutsche Post; Ö: Verbundgesellschaft, ÖBB) ? Die Auslagerung von Unternehmensteilen stellt eine weitere Form des Personalab- baus dar (BRD: Bahn; GB: Elektrizitätssektor; Ö: Verbundgesellschaft, STEWEAG- STEG, ÖBB). ? In Ländern mit starker sozialpartnerschaftlicher Tradition werden sogenannte über- zählige Arbeitskräfte in betriebseigenen Arbeitsvermittlungs- und Ausbildungsin- stitutionen „zwischengeparkt“.(BRD: Deutsche Bahn; Schweden: Elektrizität, Bahn) Diese dienen zur Reorganisation des internen Arbeitsmarktes. In Verbindung mit Weiterbildungsmaßnahmen werden Arbeitskräfte auch für den externen Arbeitsmarkt geschult. ? Die entstehenden Arbeitsplätze bei neuen Anbietern machen den Personalabbau beim ehemaligen Monopolisten in der Regel nicht wett. Darüber hinaus sind die Dauerhaftigkeit und Qualität der Beschäftigungsverhältnisse bei den neuen Anbietern zweifelhaft. 2