Kurzfassung ? Für BerufsbeamtInnen konnte die Gewerkschaft eine verfassungsrechtlich geregelte Besitzstandswahrung erreichen. Ihr Anteil wurde von fast 50% Mitte der 90er Jahre auf etwa ein Drittel reduziert. ? Männer waren vom Personalabbau stärker betroffen, da es zu einer verstärkten Dienstleistungsorientierung kommt, für die Frauen als geeigneter angesehen werden. ? Um mit dem ‚institutionalisierten Personalüberhang’ umgehen zu können, wurden das Dienstleistungszentrum Arbeit, später DB Vermittlung, Job Service und DB Zeitarbeit gegründet. Diese Tochterunternehmen organisieren den konzerneigenen, internen Arbeitsmarkt und fungieren als gewerbliche Arbeitsvermittlung und Leihar- beitsfirma, die ihre Dienste auch auf dem externen Arbeitsmarkt anbieten. Zur beruf- lichen Neuorientierung werden Qualifizierungs- und Umschulungsmaßnahmen ange- boten. ? Ein Jahresarbeitszeitmodell wurde eingeführt (Durchrechnungszeitraum ein Jahr, Mehrarbeit als Freizeit abgegolten). ? Die Beschäftigten sprechen von einer massiven Verschlechterung der Arbeitsbedin- gungen (Stress, höhere Arbeitsintensität, erzwungene Mobilität und Unsicherheit). Viele verlassen das Unternehmen ‚freiwillig’. ? Die Gewerkschaft der Eisenbahner (GdED, seit 2000 Transnet) hat sich 1992 zur Kooperation entschieden. Sie betont, dass durch die Privatisierung der Bahn kein Beschäftigter seinen Arbeitsplatz verloren habe (Besitzstandswahrung für BeamtIn- nen, neue Kollektivverträge). Die Kooperationsbereitschaft führt zu Konflikten innerhalb der Gewerkschaft wie auch mit anderen Gewerkschaften – etwa der Ge- werkschaft der Lokführer (GdL). Die tarifvertragliche Situation ist durch Lohndum- ping, Verschlechterung der Arbeitsverträge, extrem flexibilisierten Arbeitszeiten etc. bedroht. Fallstudien Großbritannien Elektrizität ? Der Elektrizitätssektor in Großbritannien wurde in verschiedene Bereiche (Produk- tion, Netz, Übertragung etc.) geteilt und Anfang der 90er Jahre privatisiert. Dies hatte einen massiven Abbau von Beschäftigung zur Folge (-60% bis 2001). ? Die Liberalisierung und Privatisierung des Elektrizitätssektors hatte einen gewerk- schaftsfeindlichen Hintergrund und führte zur Dezentralisierung und Fragmentierung der industriellen Beziehungen öffentlicher Versorgungsbetriebe. Die Gewerkschaften konnten alles in allem ihre Position in den Betrieben behaupten, der gewerkschaftli- che Organisationsgrad ist aber um fast 30% auf knapp 60% zurückgegangen. Erst aufgrund der Förderung der ‚Social Partnership’-Ideologie durch die neue Labour- Regierung wurden neue Formen der Kooperation mit den Gewerkschaften in einigen Betrieben entwickelt. ? Individualisierung der Arbeitsverträge gewinnt an Bedeutung (Vereinfachungen der Entgeltsysteme, die Einführung leistungsbezogener Lohnbestandteile) und korres- pondieren mit der Flexibilisierung der Arbeitsabläufe und Arbeitszeitregelungen. 9