Einleitung EINLEITUNG Die bisher durch öffentliche Einrichtungen erbrachten Dienste, wie Post, Bahn, Nah- verkehr, Elektrizität oder Wasserversorgung, werden derzeit durch Liberalisierung und Privatisierung neu organisiert (Whitfield 2001). Während die Auswirkungen der Liberalisierung auf die Qualität und das Preisniveau öffentlicher Dienstleistungen zum Teil heftig diskutiert werden und es zu diesen Aspekten auch einschlägige Forschungsarbeiten gibt, spielen die Folgen für jene Menschen, welche in ihrer täglichen Arbeit öffentliche Dienstleistungen erbringen, bisher keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Entsprechend wenig wissenschaftliche Untersuchungen wurden daher zu diesem Thema bislang durchgeführt. Das Ziel der hier vorgelegten Studie ist daher einerseits, die existierende internationale Forschung zu den Auswirkungen der Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen auf die Beschäftigung zusammenzutragen und auszuwerten; andererseits werden in Öster- reich erste Untersuchungen zu den Fragestellungen durchgeführt (die aufgrund des be- schränkten Umfanges des Projektes aber einen explorativen Charakter behalten müssen). Der Fokus dieser Studie richtet sich auf die thematischen Schwerpunkte Be- schäftigungsvolumen, Art der Beschäftigung sowie Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen und Interessenvertretung. Zur Bearbeitung der Problemstellungen wurden österreichi- sche und internationale Fallstudien über eine Reihe von Sektoren, nämlich Eisenbahnen, Postdienste, Elektrizitätsversorgung, Gasversorgung, Wasserversorgung und den Öffentlichen Personennahverkehr, erarbeitet. Der Bericht umfasst vier Länder: Österreich, Deutschland, Schweden und Großbritannien.1 Liberalisierung und Deregulierung (öffentlicher Dienstleistungen) auf der einen Seite und Privatisierung auf der anderen Seite sind zwar in den meisten untersuchten Sektoren und Ländern eng miteinander verwoben, trotzdem sind sie voneinander zu unterscheiden. Liberalisierung bzw. der meist synonym verwendete Begriff Deregulierung meint in erster Linie eine Öffnung von Staatsaktivitäten für privatwirtschaftliche Konkurrenz. Das vormals staatliche Monopol der Erbringung öffentlicher Dienstleistungen wird ab- geschafft, neue Anbieter werden zugelassen. Dies geschieht oftmals über Ausschrei- bungs- und Lizenzierungsverfahren an Bestbieter. Liberalisierung und Deregulierung meinen aber auch eine Politik, die Wachstum durch den Abbau gesetzlicher Vorschrif- ten und Beschränkungen für Unternehmen zu schaffen versucht (Davies/Fairbrother 2003:4). Ist hingegen von Privatisierung die Rede, geht es in der Regel um den weitgehenden Verkauf von Unternehmensanteilen, die sich im Staatsbesitz befinden, an private Eigen- tümer (ebda.). Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass Unternehmen, die sich weiter in 1 Die Länder wurden zusammen mit den jeweiligen Sektor-ExpertInnen der Arbeiterkammer ausge- wählt. Wir danken ihnen für ihren Rat und ihre Hilfe. 13